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22.08.2012

10:21 Uhr

Kommentar

Samaras hat gute Argumente

VonGerd Höhler

Die Kanzlerin pocht darauf, dass die Griechen ihr Sparprogramm einhalten. Dabei könnte ein Aufschub bis 2016 neue Hilfskredite vermeiden: Griechenland könnte dann schon ab 2014 wieder wachsen.

Der griechische Regierungschef Antonis Samaras kämpft für einen Aufschub des Sparprogramms. dpa

Der griechische Regierungschef Antonis Samaras kämpft für einen Aufschub des Sparprogramms.

Mit einem Thema braucht der griechische Premier Antonis Samaras Angela Merkel gar nicht erst zu kommen, wenn er am Freitag im Kanzleramt zu Gast ist: Von einer Streckung des griechischen Konsolidierungsprogramms um zwei Jahre will die Kanzlerin zumindest zum gegenwärtigen Zeitpunkt nichts hören. Samaras wird die Idee zwar vortragen, aber nicht insistieren. Dabei hat der griechische Premier gute Gründe für seinen Wunsch

Spätestens beim EU-Gipfel Mitte Oktober wird er das Thema deshalb wieder zur Sprache bringen. Samaras weiß allerdings: Die europäischen Geldgeber erwarten, dass Griechenland jetzt endlich seine Hausaufgaben macht und die auf die lange Bank geschobenen Reformen auf den Weg bringt.

Beim Bürokratieabbau und den Privatisierungen beginnt sich nach langem Stillstand tatsächlich etwas zu bewegen. Mit Hochdruck arbeitet die Regierung auch am neuen Sparpaket, das die Budgets der beiden kommenden Jahre um 11,5 Milliarden entlasten soll. Die Einsparungen entsprechen 5,5 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt. Bei der Haushaltskonsolidierung hat Griechenland bereits greifbare Erfolge vorzuweisen. In nur zwei Jahren wurde das Primärdefizit um 8,2 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt zurückgefahren.

Gerd Höhler

Der Autor ist Handelsblatt-Korrespondent in Griechenland.

Diese Leistung ist umso bemerkenswerter, als sie in einer tiefen Rezession erbracht wurde. Seit Beginn der Krise hat Griechenland fast ein Fünftel seiner Wirtschaftsleistung eingebüßt. Hätte sich die Konjunktur so entwickelt wie von der Troika ursprünglich prognostiziert, könnte der Athener Finanzminister schon in diesem Jahr einen Primärüberschuss ausweisen. Aber statt erwarteter drei Prozent wird die griechische Wirtschaft in diesem Jahr voraussichtlich um sieben Prozent schrumpfen. Die Rezession ist ein Resultat des strikten Sparkurses, den Athen auf Weisung der Gläubiger steuern muss. Zugleich erschwert sie die Umsetzung der Konsolidierungsauflagen. Schrumpft die Wirtschaft, steigen die in Relation zum BIP berechneten Defizit- und Schuldenquoten. Neue Maßnahmen werden nötig – mit denen sich das Land nur noch tiefer in die Armut spart.

Diesen Teufelskreis könnte Griechenland mit einer Streckung des Konsolidierungsfahrplans durchbrechen. Das zeigt eine Studie des griechischen Finanzministeriums. Nach dem bisherigen Plan soll Griechenland seine Defizitquote bis 2014 unter die im EU-Stabilitätspakt vorgesehene Obergrenze von drei Prozent drücken. Das Sparprogramm würde allerdings dazu führen, dass Griechenlands Wirtschaft im kommenden Jahr um bis zu vier Prozent und 2014 um weitere 0,6 Prozent schrumpft, so die Studie. Streckt man hingegen den Fahrplan bis 2016 und verteilt die Lasten auf vier statt zwei Jahre, würde die Rezession im kommenden Jahr mit einem Minus von 1,5 Prozent deutlich milder ausfallen und Griechenland bereits ab 2014 wieder Wachstumsraten von zwei bis drei Prozent verzeichnen. Entsprechend schneller könnten die Defizit- und Schuldenquoten sinken.

Kommentare (38)

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SabineM

22.08.2012, 10:44 Uhr

Der Autor glaubt offensichtlich an den Weihnachtsmann. Schlimm, hierfür eine Platform zu bieten.

Account gelöscht!

22.08.2012, 11:00 Uhr

Würde der griechische Staat, wie es ihm eigentlich zustände, sein eigenes Geld aus der Luft schöpfen und dieses Monopol NICHT den Privatbanken überlassen,müsste er es sich nicht für teures Geld = ZinsesZins borgen und wir bräuchten dann ALLE KEINE Steuern zu bezahlen.

Griechenland hätte dann einfach keine Schulden und wir keine Krise.

Aber so verdienen immer nur die Banken auf Kosten der Steuerzahler. Ein einzigartiges Betrugssystem.

Unser GANZES Leben wird also nicht von der Politik, sondern osten der Steuerzahlervon den Banken bestimmt.

Rapid

22.08.2012, 11:02 Uhr

Wie kommt Griechenland wieder auf eigene Beine? Mit dem Euro nie und nimmer. Der Autor des zu kommentierenden Artikels ist ein politischer Traumtänzer. Griechenland kommt nach einem harten Schnitt wieder auf eigene Beine mit einer eigenen Währung. Die EU muß Griechenland dehalb nicht verlassen und darf auf flankiedende Maßnahmen bei der Währungsumstellung hoffen.
Das Beispiel Türkei zeigt, dass ein Land mit eigenständiger Währung nach einer tiefen Krise auch selbständig wieder nach oben kommt und auf zwei Beinen, die ihm selbst gehören, stehen kann.
Verbleibt Griechenland in der Euro-Zone wird es mit größtmöglicher Wahrscheinlichkeit zu einem Daueralimentierungsfall.
Der Autor hofft auf lauter Imponderabilien, wie Konjunkturbelebung u.s.w.
Die einzige Industrie die in Griechenland einigermaßen funktioniert ist die Tourismusindustrie und die kann durch eine Währungsabwertung mit einer neuen Drachme gegenüber ihrem unmittelbaren Wettbewerber Türkei Punkte machen.
Dem Auto ist Realismus zu wünschen und keine ökonomische Traumtänzerei in Sachen Griechenland, die ihm kein ernstnhafter Mensch mehr abnimmt.

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