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27.04.2012

08:14 Uhr

Kommentar

Samsung hält mit Apple Schritt

VonMartin Kölling

Wenn ein Unternehmen in der IT-Industrie noch mit Apples Hype mithalten kann, ist es Samsung. Doch die Südkoreaner machen (fast) alles anders als der Rivale.

Vor allem Handys haben Samsung einen hohen Gewinn beschert. Reuters

Vor allem Handys haben Samsung einen hohen Gewinn beschert.

Die Produkte des südkoreanischen Elektronikkonzerns werden inzwischen mit fast der gleichen Spannung erwartet wie der Nachlass von Steve Jobs bei Apple. Und auch bei den Bilanzen übertrumpfen sich beide Konzerne gegenseitig immer wieder mit neuen Erfolgsmeldungen. Heute war Samsung an der Reihe: Das Unternehmen unterstrich seine Ausnahmestellung mit einem neuen Fabelrekord.

Beflügelt vom Smartphone-Boom und der Rückkehr seiner Displaysparte in die Gewinnzone verbuchte Samsungs im ersten Quartal des Jahres mit fünf Billionen Won (3,4 Milliarden Euro) 82 Prozent mehr Reingewinn als ein Jahr zuvor. Auch die Märkte reagierten auf Samsungs Quartalsrekord überrascht, denn damit schlug das Unternehmen die Erwartungen der Analysten um fast ein Viertel. Auch der Umsatz schoss im traditionell schwachen Nachweihnachtsquartal um 22 Prozent auf 37 Billionen Won (24,7 Milliarden Euro) empor.

Dabei beruht Samsungs Wachstum derzeit darauf, Apple auf Apples ureigenem Gebiet zu schlagen: Voriges Jahr haben die Südkoreaner Apple im Handyabsatz überholt. Im letzten Vierteljahr ist Samsung dank seiner Smartphones sogar zum Weltmarktführer aufgestiegen. Nun dürfte das Unternehmen die Aufholjagd auch bei Tablet-PCs wiederholen.

Martin Kölling ist Handelsblatt-Korrespondent in Tokio. privat

Martin Kölling ist Handelsblatt-Korrespondent in Tokio.

Und die Bilanz dankt es: 70 Prozent des Gewinns stammt aus dem Mobilgeschäft. Und die Gewinnspanne von 18 Prozent treibt allen anderen Handyherstellern außer Apple Tränen des Neids in die Augen. Damit konnte der nebenbei größte Chipspeicherhersteller der Welt auch die Halbierung des Gewinns seiner Halbleitersparte mehr als wettmachen.

Samsungs Erfolgsgeheimnis ist dabei, eigentlich alles anders als Apple zu machen. Apple verfolgt eine Asset-light-Strategie: Das Unternehmen entwickelt die Software, entwirft die Produkte aus vorhandener Technik und lässt sie von Auftragsfertigern bauen. Die Investionen sind niedrig, die Gewinne hoch. Samsung hingegen ein vertikal integriertes Unternehmen vom alten Schlag: Es entwickelt und baut einen Großteil seiner Schlüsselkomponenten selbst, darunter vor allem das Display - die es zusätzlich an Apple für das neue iPad verkauft und daran verdient.

Kommentare (4)

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Lerchenzunge

27.04.2012, 11:17 Uhr

Damit zeigt es sich wieder, dass das kopieren erfolgreicher Geschäftsideen sich lohnen kann. Ein Unternehmen, dessen Top Produkte sich dadurch auszeichnen, dass sie vom erfolgreichen Marktführer munter kopiert wurden, kann kein Innovationsführer sein. Beispiele sind Apple iPhone, iPad und iPod Touch. Letztere beide wurden sogar in ziemlich dreister Manier kopiert.

Samsung hat eine Stärke (technische Entwicklung) und zwei Schwächen: Design und Marketing sind eher dürftig und Samsung bietet im Vergleich zu Apple keinerlei Dateninhalte. Die Produkte folgen dem Leitspruch 'Masse statt Klasse' und jedes Produkt ist für sich eine Insellösung.

Solange Samsung derart offen Ideen kopiert, kaufe ich keine Samsung Geräte mehr. Aber das muss jeder selber entscheiden.

Jim_Panse

27.04.2012, 12:27 Uhr

Also schick sehen die Apple-Produkte ja aus. Das ist aber auch alles. Die gesamte angewandte Technik (Linux-Unterbau des iOS und MacOSX, Touchscreen, Multitouch, Miniprogramme/Apps etc.) sind keine Apple-Erfindungen und teilweise seit mehr als 20 Jahren bekannt. Daher kann jeder Behautpen, Apple kopiert Erfindungen anderer und verdient daran.
Auch ist es merkwürdig, wie ein Tablet-PC von Apple mit 4:3 Bildformat mit einem Samsung-Tablet mit 16:9 Bildformat verwechselt werden kann, wie es uns ein Düsseldorfer Richter glauben machen möchte.
Wenn der Markt Sportwagen will, baut jeder Hersteller Sportwagen. Keiner kommt auf die Idee zu sagen, er hätte die Sportwagen erfunden und niemand anderes dürfte einen Sportwagen bauen.
Apple ist in dieser Hinsicht vergleichbar mit einer Militärregierung, die auch keine Opposition duldet.
Und ob jemand das eine oder das andere Produkt kauft, ist Gott-sei-dank jedem selbst überlassen.

Account gelöscht!

27.04.2012, 13:38 Uhr

Lieber gut kopiert, als schlecht selbst gemacht. Jetzt sieht auch ein Samsung-Smartphone gut aus.

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