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04.08.2011

14:58 Uhr

Kommentar

Schmerzliche Entscheidung

VonOliver Stock

Mit 3000 Euro Entschädigung wird Kindsmörder Magnus Gäfgen für in der Haft erlittene Repressalien entschädigt. So schmerzlich das Urteil auch ist: Es ist ein Gewinn für den Rechtsstaat.

Oliver Stock, Ressortleiter Finanzen des Handelsblatts. Quelle: Pablo Castagnola

Oliver Stock, Ressortleiter Finanzen des Handelsblatts.

So weh es tut: Die Entscheidung der Richter, dem Kindsmörder Magnus Gäfgen Entschädigung zuzusprechen, ist konsequent. Als Gäfgen vernommen wurde und ihm jene Polizisten, die den Aufenthaltsort des von ihm entführten Bankierssohns wissen wollten, Folter androhten, war Gäfgen nichts weiter als ein Verdächtiger. Er stand noch nicht vor dem Richter und er war schon gar kein verurteilter Mörder. Für ihn musste die Unschuldsvermutung gelten. Deswegen ist die Androhung von Folter alles andere als eine gerechtfertigte Vorgehensweise der Polizisten gewesen - so verständlich sie auch gewesen ist.

Niemand hätte sich über die Entschädigungs-Forderung eines Verdächtigen aufgeregt, der am Ende doch unschuldig gewesen wäre. Dem Landgericht in Frankfurt blieb folglich nicht viel anderes übrig, als Gäfgen eine Entschädigung zuzusprechen, die mit einer Höhe von 3000 Euro auch eher Symbolwert hat. Letztlich haben die Richter damit unser Rechtssystem gestärkt, das ohne Ansehen der Person jedem seine Rechte und Pflichten auferlegt.

Auf einem anderen Blatt steht, wie das Verhalten eines Mörders zu bewerten ist, der dieses Rechtssystem für seine Zwecke ausnutzt. Schnell wird klar: Dieser Mann geht über Leichen. Er bereut nichts. Da wo er sitzt, sitzt er richtig.

Kommentare (7)

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wolf

04.08.2011, 16:23 Uhr

Der Steuerzahler muß nicht nur die 3000,00 € aufbringen, sondern auch auch die Kosten für seinen Knastaufenthalt (Essen, Trinken, Kleidung, ärztliche Versorgung, usw.).
Wie wäre es mit einem Sonderurlaub in der Karibik? Natürlich auch auf Kosten der Allgemeinheit.

Aufmerksame

04.08.2011, 16:57 Uhr

Im Hauptartikel wird darauf hingewiesen, dass es sich um Schadensersatz handelt und das Verlangen nach Schmerzensgeld abgelehnt wurde. Diese zwei Sachen sind doch sehr unterschiedlich und sollten auch in Ihrem Kommentar beachtet werden, oder?

Wolle

04.08.2011, 17:41 Uhr

Ein harter Preis für ein wenig Symbolwert! Welcher Wert oder welches Recht steht denn für die Hinterbliebenen?
Im Namen des Volkes, hier bin ich ausnahmsweise nicht das Volk.

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