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07.03.2012

07:30 Uhr

Kommentar

Schwarzer Dienstag für die Republikaner

VonNils Rüdel

Nach dem „Super Tuesday“ geht das zähe Rennen der Republikaner um die Präsidentschaft weiter. Das bedeutet: Noch mehr Schmutz, noch mehr Erschöpfung – und immer absurdere Themen.

Nils Rüdel

Nils Rüdel ist Ressortleiter Politik bei Handelsblatt Online. Zuvor war er USA-Korrespondent in Washington und New York.

WashingtonDer „Super Tuesday“, der Super-Dienstag, er sollte sie endlich bringen. Die Vorentscheidung darüber, wer für die Republikaner gegen Präsident Barack Obama in den Ring steigen wird. Doch für die Partei war an diesem Dienstag gar nichts super. Der eine gewann hier, der andere dort, und am Ende heißt es doch wieder nur: Die Schlammschlacht geht weiter. Ein Schwarzer Dienstag für die Konservativen.

Aufhören! Entscheidet Euch endlich! Die verzweifelten Rufe des republikanischen Establishments werden, zwar eleganter formuliert, immer lauter. Macht endlich den Weg frei für den einzigen der vier Kandidaten, der eine Chance hat, neben Obama zu bestehen. Der auch vom moderaten Durchschnittsamerikaner gewählt werden kann. Macht Platz für Mitt Romney!

Der Mega-Wahltag, an dem die Republikaner in zehn Bundesstaaten über den Kandidaten abstimmten, zeigt noch einmal deutlich den Riss, der durch die Partei geht. Moderate Wähler oder solche, denen die Wirtschaft besonders am Herzen liegt, wählen überweigend den pragmatischen Geschäftsmann Romney. Deshalb gilt er seit Beginn des Rennens als Favorit. Doch der andere Teil, die Religiösen auf dem Land, die Anhänger der Tea Party, die sich mehr und mehr radikalisieren, sie wählen den Anti-Romney: den frommen Rick Santorum oder den erzkonservativen Newt Gingrich.

Zählt man die bisher gesammelten Delegiertenstimmen der Anti-Romneys zusammen, können sie locker mit dem Spitzenreiter mithalten. Romneys Glück ist es, dass weder Santorum noch Gingrich, berauscht von ihren Erfolgen, zu Gunsten des anderen aussteigen wollen. Nur deshalb bleibt Romney auch nach dem „Super Tuesday“ der Favorit, obwohl ihn die halbe Partei nicht leiden kann.

Während sich Obama tiefenentspannt zeigt, wird die Demontage seiner Gegner nun noch mindestens bis April weitergehen. Befeuert von obskuren Unterstützergruppen, den so genannten Super PACS, werden weitere Millionen in klebrige Fernsehspots fließen, in denen sich die Kandidaten gegenseitig fertigmachen. Die Folge: Sie machen sich im Wahlvolk immer unbeliebter.

Auch die Inhalte werden immer absurder. Schon von Beginn an liefern sich Romney und Co. einen Wettlauf darum, wer der konservativste Konservative von ihnen ist. Angesichts einer sich bessernden Wirtschaft müssen offenbar andere Themen stärker betont werden. Heraus kommt dabei, wie in den vergangenen Tagen, allen Ernstes eine Kampagne gegen Verhütungsmittel. Als wären die 50er Jahre nie zu Ende gegangen.

„Eine griechische Tragödie“, nannte kürzlich John McCain den Wahlkampf seiner Parteifreunde. Der moderate Senator weiß aus eigener Erfahrung, wie schwer es ist, gegen Obama zu gewinnen. Wer der tragische Charakter in seinem literarischen Gleichnis sein wird, verriet McCain nicht.

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