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21.01.2005

07:04 Uhr

Kommentar

Schwere Hypothek

VonAndreas Rinke

Noch nie ist die Vereidigung eines US-Präsidenten mit so pompösen Festen gefeiert worden wie jene von Georg W. Bush. Aber noch nie ist ein US-Präsident auch mit einer so schweren Hypothek seiner ersten Amtszeit in die zweite Runde gestartet.

Quelle: Handelsblatt

Vor allem der Irak-Krieg und Bushs unilateralistische Tonart haben nicht nur seine Popularität, sondern auch das Ansehen der USA weltweit auf ein historisches Tief gesenkt. Besonders schmerzlich war die in den letzten vier Jahren aufgerissene Kluft bei traditionell engen Verbündeten wie Deutschland spürbar.

Bushs zweite Amtszeit startet deshalb mit Reparaturarbeiten: Washington betont unablässig, nun stärker mit den Verbündeten zusammenarbeiten zu wollen. Die Bundesregierung hat mit zusätzlichen Hilfsangeboten für den Irak deutlich gemacht, dass auch sie sich bewegt. Dass Bushs erste Auslandsreise nach seiner Vereidigung zur EU und dann zum Irak-Kriegsgegner Deutschland führt, ist zudem ein wichtiges Signal dafür, dass alte Gräben zugeschüttet werden sollen.

In eine Liebesbeziehung wird dies aber kaum münden. Denn der Wandel in Washington dürfte weniger innerer Einsicht als vielmehr der derzeitigen Schwäche der im Irak gebundenen Supermacht geschuldet sein. Zudem kann es kein Zurück zu der früheren, als unzerbrechlich geltenden Partnerschaft mehr geben. Zwar müssen Europäer und Amerikaner, wollen sie erfolgreich sein, tatsächlich bei vielen Themen kooperieren. Aber es gibt keine Notwendigkeit, dem Führungsanspruch der Supermacht in allen Punkten zu folgen. Beim Irak-Krieg hat sich die politische Klasse in Deutschland noch den Kopf zerbrochen, ob sich das Land im Notfall eine Frontstellung gegen die USA leisten kann. Nach der ersten Amtszeit Bushs ist die Antwort klar: Ja.

Die neue Freundschaft werden sich beide Seiten deshalb verdienen müssen. Erster Testfall für ihre Tragfähigkeit wird aus deutscher Sicht in diesem Jahr die Uno-Reform: Stimmen oder agieren die USA gegen einen ständigen deutschen Sitz im Sicherheitsrat, wäre es mit der neuen Harmonie schnell vorbei.

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