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18.04.2006

06:19 Uhr

Logisch, dass Öl immer teurer wird. Wer langfristig das Gegenteil prophezeit, übersieht das Einfachste: Wir verbrauchen immer mehr, können aber gleichzeitig nicht mehr als bisher fördern. Doch der Fluch des hohen Preises hat seinen Segen. Nicht nur, dass Deutschland als Exportweltmeister profitiert, weil die Rohstoffländer in Devisen schwimmen und unsere Produkte ordern. Viel wichtiger ist, dass der hohe Ölpreis alternativen Energien zum Durchbruch verhilft. Die Macht des Preises wird es richten.

Schon einmal verhalf teures Öl den Industrienationen zu einem Sprung nach vorn. Als sich der zum Heizen viel zu kostbare Rohstoff in den 70er-Jahren dramatisch verteuerte, setzte sich in den reichen, aber rohstoffarmen Ländern der sorgsame Umgang mit Öl durch. Von dieser höheren Effizienz profitieren wir seit 30 Jahren, für Preise und Umwelt sähe es heute sonst noch schlechter aus.

Doch alle Effizienzbemühungen stoßen an ihre Grenzen. Täglich neue Preishochs verdeutlichen erneut die Endlichkeit des fossilen Rohstoffs. Wenn selbst Saudi-Arabien als Ölland Nummer eins den Hahn nicht nennenswert weiter öffnen kann, symbolisiert das die Ohnmacht der Weltwirtschaft gegenüber den Gesetzen der Natur. Dabei spielt der Streit in der Wissenschaft, wie viel Prozent des Gesamtvorrats an Öl bereits verbraucht sind, eine untergeordnete Rolle. Fakt ist, dass die Weltgemeinschaft mehr Quellen leert, als sie neue erschließt. Seit fünf Jahren hat niemand eine große, lukrative Ölquelle in der Welt entdeckt.

Weil Investitionen kaum noch Profit versprechen, verwundert es nicht, dass die großen Konzerne so wenig Geld in die Suche neuer Energievorkommen stecken. Deshalb schütten die Unternehmen ihre Rekordgewinne lieber an ihre Anteilseigner aus und kaufen Aktien an der Börse zurück. Doch je weiter Preis und Verbrauch steigen und die Förderung nicht Schritt hält, desto mehr lohnen sich Investitionen in neue Energien, die jetzt noch zu teuer sind. Sie versprechen dann Profit, wenn das Öl zur Neige geht, wenn immer höhere Preise dies täglich signalisieren, gleichzeitig die Umsätze der Ölmultis mehr und mehr schrumpfen und die Aktionäre deshalb nach Investitionen in künftige Erlöse und Gewinne rufen. An Geld mangelt es nicht. 2005 verdienten die fünf größten US-Ölkonzerne 70 Milliarden Dollar. Alle großen zusammen sitzen auf mehr als 500 Milliarden Dollar Barreserven. Das entspricht einem Viertel des deutschen Bruttoinlandsprodukts und reicht aus, um alternativen Energien wie der Brennstoff- und Solartechnik eine gehörige Anschubfinanzierung zu geben. Sei es, indem die Ölfirmen selbst daran forschen oder bereits etablierte Zukunftsfirmen aufkaufen und schwungvoll hochziehen.

Je schneller der Ölpreis steigt, desto eher ist der Zeitpunkt dafür gekommen. Oder anders ausgedrückt: Billiges Öl verschließt den nötigen Blick in die Zukunft. Teures Öl verhilft Unternehmen und Politikern nach dem Preisschock vor 30 Jahren zu einem neuen Schub. Diesmal geht es um die Ablösung des Öls als Brennstoff.

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