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01.02.2012

16:38 Uhr

Kommentar

Sergio Marchionne ist noch lange kein Superstar

VonFlorian Brückner

Fiat und Chrysler, das sieht aus wie die große Erfolgsgeschichte der Autoindustrie. Konzernchef Marchionne hat aus den beiden einst notleidenden Autobauern zwei gewinnbringende Unternehmen gemacht. Aber das Bild trügt.

Fiat-Chef Sergio Marchionne hängt von Chrysler und dem US-Automarkt ab. AFP

Fiat-Chef Sergio Marchionne hängt von Chrysler und dem US-Automarkt ab.

Zahlen lügen nicht. Und geht es rein nach den Zahlen, dann sind Fiat und Chrysler zwei profitable Autobauer, dann ist Sergio Marchionne der große Superstar und Heilsbringer der Autobranche, zu dem ihn das US-Wirtschaftsmagazin Fortune bereits gekürt hat.

Und ja, wenn ein verlustreicher US-Autobauer wie Chrysler es endlich wieder im vergangenen Jahr mit einem Nettogewinn von 139 Millionen Euro in die schwarzen Zahlen schafft, dann ist das auch tatsächlich eine Leistung, die die einstigen Eigentümer Daimler und Cerberus nicht hinbekommen haben. Marchionne schon.

Und ja, wenn Fiat und Chrysler im vierten Quartal einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Aufwendungen in Höhe von 765 Millionen Euro ausweisen und damit die Erwartungen von Analysten übertreffen, dann ist auch das ein schöner Erfolg.

Alles schön und gut. Aber das Haus ist damit allerdings - anders als Marchionne es bei der Bilanzvorlage sagt - noch lange nicht in Ordnung. Ein erstes Indiz dafür ist die herabgesenkte Umsatzprognose fürs laufende Jahr von 85 auf 75 Milliarden Euro.

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Während Chrysler nämlich in Amerika gute Geschäfte macht, sieht das für Fiat in Europa ganz anders aus. Der europäische Automarkt ächzt größtenteils unter den Auswirkungen der staatlichen Schuldenkrise. Fiat trifft dies etwa auf dem heimischen Markt in Italien aber auch in Spanien besonders hart. Erschwerend kommt dazu: In Europa gehört Fiat mit einem Marktanteil von 6,9 Prozent keineswegs zu den größten Playern, der VW-Konzern etwa kommt auf gut 23 Prozent, General Motors laut der Herstellervereinigung Acea mit all seinen Marken immerhin auf 8,7 Prozent.

Kommentare (10)

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leser224

01.02.2012, 16:57 Uhr

Als Daimler-Chrysler an den Start ging, waren deutsche Zeitungen voller Lobeshymnen für die Wirtschaftskapitäne aus dem Hause daimler und den neuen "Global-Player" made in Germany. Wenige Jahre später musste sich Daimler mit "blutender Nase" aus dem Unternhemn Chrysler verabschieden und überliess dieses mehr oder weniger seinem Schicksal - fast so wie Kapitän Schettino sein Schiff verliess.
So gesehen, liest sich dieser Kommentar ein wenig wie "der Neid der Erfolglosen".
Warten wir doch noch ein paar Jahre ab und urteilen wir dann über Sergio Marchionne!

Account gelöscht!

01.02.2012, 17:53 Uhr

Jede Autofirma kann kurzfristig Gewinn generieren wenn sie Forschung und Entwicklung zusammenstutzt. Das zahlt sich aber langfristig nicht aus, sondern führt direkt in den Exidus. Diesen Weg beschreitet Fiat gerade. Neue Produkte sind nicht in Sicht, die Patenthoheit entgleitet dem Konzern, die Werke in Italien sind zu teuer, bei Crysler werden die Gewerkschaften bald wieder zum Sperrfeuerwerk ansetzen. Fiat wird das Jahrzehnt vermutlich nur schwerlich eigenständig überleben. Aber vielleicht geht ja was mit den Franzosen

Account gelöscht!

01.02.2012, 18:39 Uhr

Richtig! Den Lügen haben bekanntlich kurze Beine...

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