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21.03.2012

10:01 Uhr

Kommentar

Solarindustrie steht sich selbst in der Sonne

VonGeorg Weishaupt

Die Photovoltaik-Produzenten fordern, der Billigkonkurrenz aus Asien den Marktzugang zu erschweren. Helfen würde das jedoch nur kurzfristig. Die Branche muss selbst an sich Arbeiten, statt nach der Politik zu rufen.

Demonstranten protestieren Ende Februar vor der Bundespressekonferenz in Berlin gegen die Kürzung der Solarstromförderung. dapd

Demonstranten protestieren Ende Februar vor der Bundespressekonferenz in Berlin gegen die Kürzung der Solarstromförderung.

Der Solarbranche geht es schlecht. Insolvenzen und rote Zahlen sorgen für miese Stimmung bei den Herstellern von Solaranlagen. Der Schuldige an dem Niedergang der Zukunftsbranche ist aus Sicht der Firmen schnell ausgemacht: die chinesische Konkurrenz. Sie überschwemmt den Markt in Amerika und Europa mit Solaranlagen zu Tiefstpreisen – und vernichtet so die Hersteller.

Deshalb haben sechs US-Hersteller auf Initiative des größten deutschen Solarunternehmens Solarworld die Initiative Coalition for American Solar Manufacturing (CASM) gegründet. Solarworld-Chef Frank Asbeck hat ein Interesse daran, sein Geschäft in den USA vor den Angreifern aus Asien zu schützen. Er will Antidumpingzölle gegen chinesische Wettbewerber wie Suntech und Yingli & Co. durchsetzen. Das hilft jedoch allenfalls kurzfristig und schadet dem Wettbewerb.

Dennoch hält Asbeck daran fest. Er setzt auf Präsident Barack Obama, der sich seit dem Beginn seiner Präsidentschaft klar zur grünen Energie bekannt hat. Er wolle keine im Ausland produzierten Windturbinen, Solarmodule und High-Tech-Batterien, sagte der um seine Wiederwahl kämpfende Obama vor kurzem. Grüne Technologie soll aus Amerika kommen.

Georg Weishaupt ist Handelsblatt-Redakteur. Pablo Castagnola

Georg Weishaupt ist Handelsblatt-Redakteur.

Doch aus dem großen Schlag gegen die Chinesen wird erst einmal nichts. Das US-Handelsministerium verschob jetzt überraschend seine Antidumping-Entscheidung auf Mitte Mai. Stattdessen verhängt es Subventionszölle. Und die fallen äußerst moderat aus. Um maximal fünf Prozent verteuern sich die Importe chinesischer Solarzellen und -module in die USA. Das sei nur ein erster Schritt, hofft Solarworld auf drastischere Zölle im Mai.

Doch Zölle, ob hoch oder niedrig, sind schlecht für die darbenden westlichen Solarfirmen. Die politische Rückendeckung verschafft ihnen allenfalls ein paar Monate Luft im Überlebenskampf. Gegen die gewaltigen weltweiten Überkapazitäten bei Solarmodulen und die Kürzung der Solarförderung in vielen Ländern sind Schutzzölle dauerhaft kein geeignetes Mittel – im Gegenteil. Die Ungleichgewichte muss der Markt regeln, nicht die Politiker.

Die Politik kann zwar Unternehmen Anreize bieten. So kann sie Forschung und Entwicklung fördern, damit die Firmen sich besser im internationalen Wettbewerb behaupten können. Doch den Niedergang von Unternehmen kann sie nicht verhindern. Das zeigen Beispiele wie aus der Unterhaltungselektronikbranche, die in Deutschland fast verschwunden ist.

Die europäische und die amerikanische Solarbranche müssen ihre strukturellen Probleme selbst lösen: die Produktionskosten senken, die Leistung ihrer Module verbessern und ihre Fertigung sowie ihren Vertrieb im Weltmaßstab organisieren. Die Solarbranche braucht keine starke Politik, die sie vor Wettbewerbern schützt, sondern starke Unternehmen, die im Wettbewerb auf dem Weltmarkt bestehen – ohne einen Schutzwall.

Der Autor ist erreichbar unter: weishaupt@handelsblatt.com

Kommentare (5)

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Steve

21.03.2012, 11:43 Uhr

Naja ich kann mich der Meinung des Autors aber auch gar nicht anschließen. Unsere Westlichen Wirtschaften haben in den letzten 150 Jahren zu einer sozialen Marktwirtschaft entwickelt. Mit Krankenversicherung, Pensionen, Umweltschutz und vieles mehr. Von einer freien Marktwirtschaft kann man nur sprechen wenn man das alles ausser auch läßt. Grosse Konzerne und chinesische Firmen nutzen ja genau DIESES Gefälle um unsere heimische Wirtschaft auszuhebeln und diese Erungenschaften ad absurdum zu führen. Also entweder warten wir ein paar Hundert Jahre bis die Chinesen KOMPATIBEL sind, oder wir machens wie Grundig: zuerst die Firma Pleite gehen lassen und dann 14 Zoll auf Fernseher erheben. Zum Schutze einer Industrie, die wir hier gar nicht mehr haben.

Ich fürchte das erst mal BMW oder Mercdes pleite gehen müssen, bis alle hier mal wach werden. Die Marken werden dann womöglich auch um n Bettel aus der Konkursmasse erworben, was eigentlich auch verboten werden müsste:
Eine Marke sollte 100 Jahre gesperrt bleiben.
Grundig, Telefunken, Blaupunkt, Mercedes, BMW assoziert man weltweit ein DEUTSCHES Produkt. Falls diese Firmen geschlossen werden, so muss auch die Marke gesperrt werden. Ansonst macht ein Profiteur nur mit der Assoziation Profit, aber sich ohne an die "Verpflichtungen" zu halten ......

Steve

21.03.2012, 12:11 Uhr

Sorry wegen der Tippfehler, aber ich habe mich geärgert ...

vandale

21.03.2012, 16:33 Uhr

Die Sonneneinstrahlung ist zu schwach und hierzulande auch vielzu unstetig um damit wettbewerbsfähigen Strom zu erzeugen. Das gesamte Geschäftsmodell der Solarindustrie beruht auf dem erzeugen von Illusionen und darauf basierenden Subventionen.

Die Deutschen Solarfirmen haben extrem hohe Aufwendungen für Medien- und Politikpflege mit denen die Solarindustrie diese Illusionen schürt. Die chinesischen Firmen haben lediglich die Kosten der Herstellung dieser religiösen Monumente und sind neben der grundsätzlich günstigeren Kostenstruktur sehr im Vorteil.

Wenn die Gesellschaften der Altindustrieländer finanziell nicht mehr aus dem Vollen schöpfen können, kommen natürlich diese Subventionen auf den Prüfstand und die Branche muss schrumpfen.

Ein schnelles Verschwinden der Solarzellen/modulfertigung ist sehr vorteilhaft. Andernfalls drohen Bestandssubventionen für diese Branche analog des Ruhrkohlebergbaus auch wenn die Illusion der Solarenergie längst vergangen ist.

Vandale

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