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11.06.2012

14:00 Uhr

Kommentar

Spanien hätte es auch allein geschafft

VonAnne Grüttner

Mit dem Rettungskredit für Spaniens Banken ist der Euro nicht stabiler geworden als vorher. Das Land hätte es problemlos allein schaffen können. Das Grundproblem besteht in dem Misstrauen der Staaten untereinander.

dpa

Spaniens Premier Mariano Rajoy verkaufte die "Kreditlinie" aus dem europäischen Rettungsfonds gestern als großen Schritt für die Stabilität des Euros. Doch ihm und allen anderen Mitgliedern der Euro-Zone dürfte sonnenklar sein, dass der Euro nicht wirklich stabiler geworden ist. Der Rettungskredit für Spaniens Banken kann allenfalls kurzfristig sinkende Risikoprämien für die schwächeren Euro-Länder auf den Finanzmärkten bewirken. Im Grunde ist es ein Armutszeugnis für die Euro-Politik, dass dieser Kredit für Spanien überhaupt zustande gekommen ist. Notwendig war er nicht.

Man kann den Spaniern vorwerfen, dass bisherige Bankenreformen nicht radikal genug waren, dass sie besser von Anfang an negativere Stressszenarien zugrunde gelegt, sich auf eine längere Dauer der internationalen und nationalen Schulden- und Wirtschaftskrise eingestellt hätten. Doch Tatsache bleibt: Unter normalen Marktbedingungen hätte es Spanien auch jetzt problemlos allein schaffen können. Fundierte Analysen des Internationalen Währungsfonds, des Internationalen Bankenverbands sowie der großen Investmentbanken gehen davon aus, dass Spaniens Kreditinstitute vermutlich zwischen 40 und 60 Milliarden Euro vom Staat benötigen - das sind nicht mehr als vier beziehungsweise sechs Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Angesichts der im Euro-Vergleich niedrigen Gesamtverschuldung wäre das ein tragbarer Aufwand für Spanien.

Anne Grüttner ist Handelsblatt-Korrespondentin in Madrid.

Anne Grüttner ist Handelsblatt-Korrespondentin in Madrid.

Natürlich bedeuten die jetzt zugesagten Bankenhilfen aus europäischen Töpfen eine Erleichterung für Spaniens Banken, die seit Jahren unter wachsendem Druck stehen. Sie können sich, wenn überhaupt, nur zu hohen Kosten finanzieren, sie kämpfen am Heimatmarkt mit einer schweren Rezession und Rekordarbeitslosigkeit, sie bekommen ständig vom nationalen Gesetzgeber oder der europäischen Bankenaufsicht neue Auflagen zur Erhöhung ihrer Kapitalkissen und Rückstellungen. All das nagt an ihren Gewinnen, dieses Jahr werden viele Institute in die roten Zahlen rutschen.

Dass sie jetzt mit europäischen Mitteln und zu vernünftigen Zinsen grundsaniert werden, könnte tatsächlich dazu beitragen, dass die Banken den darbenden Mittelstand etwa bei der Stärkung seines Exportgeschäfts unterstützen können. Das wiederum könnte helfen, dass die Wirtschaft schneller aus der Rezession auftaucht und entsprechend auch der Defizitabbau weniger schmerzhaft vonstatten geht.

Doch das Grundproblem bleibt bestehen: Wieder einmal haben sich die Euro-Regierungen dem Diktat der Finanzmärkte unterworfen, wieder einmal wollen sie das Problem lösen, indem sie einen unübersehbaren Haufen Geld zur Verfügung stellen. Doch im Grunde richtet sich das Misstrauen der Finanzmarktanleger nicht gegen einzelne Länder - die drei Staaten unterm Rettungsschirm einmal ausgenommen.

Das Problem ist vielmehr, dass sich die Euro-Länder untereinander nicht trauen, dass vielerorts Vorurteile, Selbstgerechtigkeit und Desinformation vorherrschen. Die derzeit wirtschaftlich stärkeren Länder sind nicht bereit, Haftung zu übernehmen, und es existieren keine starken europäischen Institutionen, die das gegenseitige tiefe Misstrauen durch strenge Kontrolle und harte Sanktionsmechanismen ausräumen könnten. Bevor dieses Problem nicht gelöst ist, ist der Euro nicht stabil.

Spanien und dem Rest der Euro-Gruppe stehen noch weitere Panikwellen bevor. Nächste Woche wählt Griechenland und wird die Euro-Zone erneut einer harten Belastungsprobe unterziehen. Ende Juni tagen dann die Euro-Gruppe und die EU.

Sollte es dabei nicht zu konkreten Ergebnissen in Richtung einer Fiskalunion kommen, wird erneut Panik herrschen. Vielleicht fallen dann die Türen der Finanzmärkte für Spanien wieder zu, vielleicht aber auch zur Abwechslung einmal für Italien.

Kommentare (6)

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99F

11.06.2012, 14:52 Uhr

Wir, die deutschen Bürger, wollen diese Haftung NICHT.
Wir wollen auch den Euro nicht - wollten ihn NIE und wurden NIE befragt. Jetzt kostet uns diese Währung Hunderte Milliarden - verpulvert für ein "politisches Projekt"!
Wo leben Sie denn? Ist überhaupt noch jemand in der Redaktion, der nicht ideologievergiftet ist?

DesillusionierterExEurophiler

11.06.2012, 21:21 Uhr

Ich wette mit Ihnen um eine Kiste Zitronensaft (Schampus wäre hier unangebracht), dass sich die Formulierung "kostet uns diese Währung Hunderte Milliarden" als hoffnungslos optimistisch erweisen wird. Unter 1200 Milliarden dürfte da nichts zu machen sein, dazu kommt noch eine mittlere Wahrscheinlichkeit für eine Staatsinsolvenz Deutschlands und/oder etliche Jahre mit zweistelligen Inflationsraten. Was das für die Sparer, Steuerzahler und die Altersvorsorge bedeutet, können Sie sich denken.

Diese Zahlen gelten allerdings nur im günstigen Fall der baldigen Abwicklung des Euro. Dauert der Eurowahn dagegen noch länger, wird es natürlich teurer: Derzeit steigen die Risiken für Deutschland durch Rettungsschirme und die Plünderung der Bundesbank via Target2 um knapp zwei Milliarden Euro am Tag. Allein im Mai stiegen die Schulden der Südländer (via EZB) bei der Bundesbank um 54 Milliarden Euro auf 698.567.101.301,00 Euro (31. Mai). Heute dürften es schon wieder knapp 20 Milliarden mehr sein.

Account gelöscht!

11.06.2012, 22:13 Uhr

"Die derzeit wirtschaftlich stärkeren Länder sind nicht bereit, Haftung zu übernehmen"

Der war gut! Deutschland dürfte alle halb- und illegalen Haftungsmechanismen zusammen genommen mittlerweile mit 2 Bundeshaushalten bzw. 1 BILLION EUR haften. Scheint, als hätten wir eine Quelle der Desinformation gefunden...

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