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24.05.2012

15:51 Uhr

Kommentar

Symptom für eine schwerkranke Euro-Zone

VonAndrea Cünnen

Weil die Investoren nach sicheren und liquiden Anlagen gieren, muss der Bund für eine neue Anleihe keinen Cent an Zinsen zahlen. Das freut den Fiskus. Gleichzeitig ist es Symptom für eine schwerkranke Euro-Zone.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) darf sich über Schulden für lau freuen. action press

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) darf sich über Schulden für lau freuen.

Die potenziellen Lasten aus der Euro-Krise sind für Deutschland und seine Steuerzahler enorm, doch aktuell ist Deutschland zumindest an den Märkten der große Profiteur der Ängste um die hochverschuldeten Mitglieder im Euro-Raum. Denn Deutschland gilt für viele Investoren als die sicherste Anlage, in denen man seine Euro parken kann. Die Folge: Anleger leihen Deutschland für immer weniger Zinsen Geld - der Bund genießt einen "Free Lunch" an den Märkten.

Gestern gab es dabei einen neuen Rekord. Die neue zweijährige Bundesanleihe, die Berlin auf den Markt brachte, hat einen Zinsschein von nur null Prozent. Das ist noch spektakulärer als die Momentaufnahme vom Januar. Damals hatte der Bund Sechsmonatspapiere begeben und daran 0,0122 Prozent verdient.

Andrea Cünnen ist Korrespondentin in Frankfurt. Pablo Castagnola

Andrea Cünnen ist Korrespondentin in Frankfurt.

Geldmarktpapiere mit Laufzeit von drei bis zwölf Monaten haben aber generell keinen Kupon. Die Anleger verdienen zwischen der Differenz von Ausgabe- und Rückzahlungskurs. Der Ausgabekurs lag im Januar über dem Rückzahlungskurs, und im Handel notiert der Kaufkurs vieler deutscher Geldmarktpapiere ebenfalls über dem, was die Investoren zurückbekommen.

Die neue zweijährige Bundesanleihe dürfte sich ähnlich entwickeln. Auch hier ist damit zu rechnen, dass der Kaufkurs im Handel über den Rückzahlungswert steigt, und die Rendite deshalb negativ wird, nachdem sie mit einem kleinen Abschlag unter dem Nominalwert von 100 Prozent begeben wurde. Grund zum Jubeln ist das aber auch für uns Deutsche nicht. Schließlich steckt hinter den Käufen zum einen die große Not der Anleger. Institutionelle Investoren können ihr Geld nicht in großem Stil in Tages- oder Festgeldkonten parken wie Privatanleger. Dafür sind die Summen, die sie anzulegen haben, zu groß und die Renditen für Großanleger nicht attraktiv genug. Wer sein Geld liquide - also jederzeit verfügbar - und dazu noch sicher anlegen will, greift deshalb zu Bundesanleihen. Von denen lassen sich schließlich auf einen Schlag mehrere Millionen Euro jederzeit problemlos auch wieder verkaufen.

Zum anderen zeigt die Attraktivität der Bundesanleihen ohne Zins, wie sehr die Spekulationen gegen den Euro zunehmen. Denn zumindest einige Investoren dürften die Bundespapiere auch kaufen, um Anlagen in einer Währung zu halten, die bei einer Aufgabe des Euros steigen dürfte. Schon deshalb wäre es wünschenswert, dass Deutschland bald wieder etwas mehr für seine Anleihen zahlen muss.

Kommentare (4)

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Hohn_und_Spott

24.05.2012, 16:35 Uhr

[...]Ja, Frau Cünnen. Interessant ist aber, daß die Foristen hier, die kommentieren, das alles schon seit 2 Jahren wissen. [...]
Die Probleme sind IN der Eurozone. Die Probleme SIND DER EURO!! Wenn da der Markt jetzt den Finger in die Wunde legt, dann zeigt das nur, daß "politische Projekte" gegen ökonomische Vernunft IMMER scheitern. [...]
[+++Beitrag von der Redaktion editiert+++Bitte werden Sie in Ihren Beiträgen nicht persönlich. http://www.handelsblatt.com/impressum/netiquette/ Vielen Dank.]

Matthes

24.05.2012, 16:41 Uhr

Noch ist Deutschland sicher,
aber die anderen EU-Länder werden Deutschland mit ins Chaos ziehen. Die EU ist nur noch eine Transaktionsunion von Deutschland nach Rest-EU. Die EU-Führung unterstützt dies noch und unternimmt nichts gegen die Verschuldungsspirale.

Mazi

24.05.2012, 21:28 Uhr

Eigenartig, dass Schäuble, Gabriel und Steinbrück nicht die Spekulanten dafür verantwortlich machen.

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