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08.05.2012

15:32 Uhr

Kommentar

Takka-Tukka-Land

VonDietmar Neuerer

20 Jahre wurde an Deutschlands neuem Hauptstadtflughafen geplant. Am Ende reichte auch diese Zeit nicht. Die abgeblasene Eröffnung ist ein Indiz dafür, dass Kommunen und Länder Großprojekte nicht mehr stemmen können.

Dietmar Neuerer ist Reporter für Handelsblatt Online in Berlin. Pablo Castagnola

Dietmar Neuerer ist Reporter für Handelsblatt Online in Berlin.

Was hat die Verantwortlichen eigentlich geritten? Da merkt die Flughafen-Verwaltung wenige Wochen vor der Eröffnung des deutschen Prestigeobjekts "neuer Hauptstadtflughafen", dass möglicherweise zu wenig Abfertigungsschalter geplant sind und den Passagieren lange Wartezeiten drohen. Da erklärt ein Brandschutzbeauftragter wenige Tage vor der Eröffnung, dass er Sicherheitsbedenken hat. Die Hauptstadt-Planer benehmen sich, als seien sie in Takka-Tukka-Land. Seit mehr als 20 Jahren planen sie - und dann reißen sie den Eröffnungstermin.

Es gibt Fragen, aber es gibt keine Antworten. Warum hat die Betreibergesellschaft die Politik nicht frühzeitig über Verzögerungen informiert? Es ist schlichtweg peinlich und in der Außenwirkung absolut desaströs, dass die Länderchefs von Berlin und Brandenburg von der Entwicklung angeblich überrascht wurden. Selbst nach dem Eingeständnis, dass der Eröffnungstermin nicht mehr zu halten ist, herrscht noch Unklarheit darüber, wie es weiter gehen soll. Als nächster Termin ist jetzt von "irgendwann ab August" die Rede. Planungssicherheit sieht anders aus.

Für den Standort Deutschland ist das ein Gau. Immerhin soll der Airport mit 20.000 Arbeitsplätzen - und damit 3000 mehr als bisher in Schönefeld und Tegel zusammen - zur größten Arbeitsstätte Ostdeutschlands werden. Von der „Boom-Town“ Schönefeld wurde bereits vollmundig gesprochen. Jetzt bröckelt bereits die Hoffnung, dass dieses Drei-Milliarden-Projekt noch ein großer Wurf werden wird.

Abgesehen davon, dass die Wirtschaft hierzulande schon jetzt einen erheblichen Imageschaden wegen der Verzögerung befürchtet, wird am Ende irgendjemand die Kosten der Verschiebung tragen. Bei einem Verkehrsinfrastrukturprojekt dieser Größe sind im Grunde alle betroffen – nicht nur die Bürger, sondern auch viele Unternehmen. Alle haben sich bereits auf den 3. Juni eingestellt. Insbesondere für Hotels und andere Dienstleistungsbetriebe könnte der wirtschaftliche Schaden beträchtlich sein.

Die wirtschaftliche Dimension wiegt umso schwerer, als der Flughafenchef Rainer Schwarz nicht einmal glaubhaft versichern kann, dass die anderen Berliner Flughäfen das Schönefeld-Geschäft problemlos übernehmen können. Er hoffe, sagte Schwarz lediglich, dass das am neuen Flughafen erwartete Verkehrswachstum zunächst von Tegel und dem alten Schönefelder Airport bewältigt werden könne. Gewissheit klingt anders.

Feste Zusagen sind sowieso nicht das Metier der Flughafen-Verantwortlichen. Sie trauen sich selbst und ihrem Projekt nicht über den Weg, wie die ursprünglichen Planungen für den Eröffnungsevent zeigen. Um peinlichen Pannen in Anwesenheit der Politprominenz zu vermeiden, war die Eröffnungsfeier von der eigentlichen Inbetriebnahme getrennt worden. Die Kanzlerin, der Bahnchef sowie die Länderchefs von Brandenburg und Berlin, Matthias Platzeck und Klaus Wowereit, sollten daher schon am 24. Mai nach Schönefeld kommen und gemeinsam mit 40.000 Gästen Deutschlands neues Leuchtturmprojekt feiern. Doch keiner der Beteiligten wollte riskieren, dass plötzlich das komplette Chaos ausbricht. Zu Recht, wie die aktuelle Entwicklung zeigt.

Kommentare (10)

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steuerzahler

08.05.2012, 15:51 Uhr

[...]
In der Technik, steckt der Teufel im Detail!
!!! Sicherheit hat oberste Priorität !!!
!!! Menschenleben ist durch Geld nicht zu ersetzen !!!
Ich erinnere nur an den Brand im Flughafen Düsseldorf.
[...]
[+++Beitrag von der Redaktion editiert+++]
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Account gelöscht!

08.05.2012, 16:15 Uhr

Nein, der Wirtschaftsstandort "Deutschland" ist durch diese Angelegenheit nicht in Gefahr! .. wenn irgendwo mal etwas in unserer Republik nicht "rund" läuft ist nicht automatisch mit einem massiven Abwandern von ausländischen Investoren zu rechnen...was soll diese ewige Hysterie? .. im Ausland wird diese Angelegenheit bewertet - ja - aber ebenfalls honoriert dass wir in Deutschland auch in der Lage sind solche Projekte rechtzeitig zu stoppen und zu überarbeiten... ich bin durch zu viele chinesische und arabische Bauruinen gelaufen..dort ist es nicht besser!...in Deutschland scheint uns die Sonne aus dem Hintern...leider merken das nur zu wenige.

Prollberliner

08.05.2012, 16:26 Uhr

Am besten ist, den neuen Flughafen einfach zuscheißen! Tegel reicht für das Bundesdorf völlig aus. Die Großmannssucht stinkt zum Himmel - das paßt hervorragend zur Scheiße!

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