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19.03.2012

10:10 Uhr

Kommentar

Teamgeist sieht anders aus

VonNicole Bastian

Der Machtwechsel bei der Deutschen Bank ist wenig professionell vonstatten gegangen. Was die Manager von Deutschlands größter Bank noch lernen müssen.

Anshu Jain (l), neuer Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann und Jürgen Fitschen (r), neuer Co-Vorstand der Bank. dpa

Anshu Jain (l), neuer Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann und Jürgen Fitschen (r), neuer Co-Vorstand der Bank.

Die Deutsche Bank ist bei vielen ihrer Wettbewerber angesehen für die Professionalität, mit der sie ihr tägliches Geschäft betreibt. Warum aber schafft ein sonst so professionell agierender Weltkonzern es dann nicht, die Führung des Konzerns geordnet zu übergeben?

Erst versäumen es Vorstandschef und Aufsichtsrat jahrelang, einen Nachfolger für Vorstandschef Josef Ackermann aufzubauen. So verlängert Ackermann 2009 nach Monaten der Spekulation, wer auf ihn folgen könnte, noch einmal um drei Jahre. Doch auch die zweite Chance für die Vorbereitung eines besseren Übergangs hat die Bank nicht genutzt.

Im vergangenen Jahr wurde der externe Nachfolge-Kandidat, Ex-Bundesbank-Chef Axel Weber, in den internen Machtquerelen der Bank zerrieben und ging zur Konkurrenz. Nach Monaten des Kampfs einigen sich die Mächtigen der Bank schließlich auf die beiden internen Kandidaten Anshu Jain und Jürgen Fitschen. Ackermann soll plötzlich entgegen den Regeln guter Unternehmensführung Aufsichtsratschef werden. Doch die Aktionäre der Bank wollen davon nichts wissen. Und Ackermann muss wegen ihrer Skepsis einen Rückzieher machen.

Und nun der missglückte Start Fitschens und Jains, die offiziell erst im Juni auf den Chefposten wechseln. Sie ordnen ihre Führungsmannschaft in einem Umfang neu, der selbst für einen Amtsantritt selten ist. Und sie verstimmen die Finanzaufsicht, weil die Namen der Neuen durch bewusstes Streuen von irgendwem an die Öffentlichkeit gebracht werden, bevor die Aufseher ihr Okay gegeben haben. So kursieren nicht nur über eine Woche lang die Namen der künftigen Führung, ohne dass die Bank reagieren kann. Jetzt wird wegen Bedenken der Finanzaufsicht bei anderen Kandidaten Stuart Lewis lediglich als zweite Wahl Fitschens und Jains Risikovorstand. Willkommen in den Profisphären eines Dax-Konzerns von Weltrang.

Von Sokrates stammt der Satz: „Ein guter Start ist sicherlich keine unbedeutende Sache, hat aber nicht viel zu sagen.“ Jürgen Fitschen und Anshu Jain müssen jetzt dafür kämpfen, dass das Gleiche für ihren schlechten Start gilt. Der ist unter anderem so verunglückt, weil in der Bank in all den Monaten des Übergangs immer wieder Kämpfe ausgefochten wurden. Teamgeist sieht anders aus.

Zusammen mit ihrem künftigen Aufsichtsratschef Paul Achleitner müssen Fitschen und Jain diesen Zusammenhalt schaffen. Die Voraussetzungen dafür sind vielleicht besser, als es derzeit scheint. Trotz des missglückten Starts haben Jain und Fitschen nun fast alle zentralen Posten so besetzt, wie sie es wünschen. Aus der Mannschaft kann über die Vorstandsressorts und Geschäftsbereiche hinweg ein Team geformt werden, das nicht von neuen Umbrüchen behindert wird.

In diesem Prozess des Zusammenwachsens müssen die beiden neuen Chefs der Deutschen Bank dann auch zeigen, dass sie nicht nur das Investment-Banking des größten deutschen Kreditinstituts stärken wollen, sondern auch die anderen Bereiche. Dass sie also Universalbanker sind. Auch der Ex-Investmentbanker Ackermann hat sich in seinem Amt als Vorstandschef dazu gewandelt.

Kommentare (2)

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Moika

19.03.2012, 10:22 Uhr

Mit Ackermann hat das Fiasko bei der DB begonnen, Anshu Jain wird es vollenden.

Wir werden es erleben.

Roland

19.03.2012, 17:21 Uhr

Diese Führungsriege wird nächstes Jahr nicht mehr da sein.
Die Bank wird das Fiasko nicht überstehen. Die Aktionäre werden das Urteil sprechen. Hier wird auch der Aufsichtsrat eliminiert.

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