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31.01.2012

13:18 Uhr

Kommentar

Thyssen-Krupps alternativlose Trennung von der eigenen DNA

VonMartin Murphy

Dass Thyssen-Krupp von seiner Edelstahlsparte Abschied nehmen muss, ist eine Folge von jahrelangem Missmanagement. Jetzt sind die Kassen des Unternehmens leer - und der Verkauf von Teilen des Konglomerats dringend nötig.

Martin Murphy berichtet seit Jahren über Thyssen-Krupp. Pablo Castagnola

Martin Murphy berichtet seit Jahren über Thyssen-Krupp.

DüsseldorfMit dem Verkauf seiner Edelstahlsparte an die finnische Outokumpu trennt sich Thyssen-Krupp von einem Teil seiner DNA. Vor 100 Jahren wurde in den Werken von Krupp der nichtrostende Stahl entwickelt. Dass der Ruhrkonzern nun von dem Bereich Abschied nehmen muss, ist die Folge von jahrelangem Missmanagement.

Ohne Frage ist der europäische Edelstahlmarkt hart umkämpft und eine Konsolidierung ist dringend nötig, um die Branche aus den roten Zahlen zu hieven. Thyssen-Krupp hätte die Neuordnung der Branche aber aus einer Position der Stärke forcieren können. Wenn denn die Kassen des Unternehmens nicht leer wären. Sind sie aber, der Konzern hat damit seine Kraft zum Agieren verloren.

Grund dafür ist die Kostenexplosion beim Bau der neuen Stahlwerke in Brasilien und Nordamerika. Über zehn Milliarden Euro haben diese gekostet und damit ein Vielfaches der ursprünglich geplanten Summe. Das Geld fehlt Thyssen-Krupp jetzt. Der neue Vorstandschef Heinrich Hiesinger hat daher keine Alternative, als Teile des Konglomerats zu verkaufen. Anders wird er die nötige Umwandlung von Thyssen-Krupp in einen Technologiekonzern nicht schaffen können.

Hintergrund zu Outokumpu

Das Unternehmen

Outokumpu gehört nach eigenen Angaben zu den weltweit sechs größten Herstellern von Edelstahl.

Firmensitz

Seinen Hauptsitz hat Outokumpu in Espoo vor den Toren von Helsinki, wo auch der Handyhersteller Nokia ansässig ist.

Angestellte

Die Finnen beschäftigen knapp 8.500 Mitarbeiter in 30 Ländern.

Verluste

2010 machte das Unternehmen - wie schon in den vorangegangenen zwei Jahren - Verluste: Bei einem Umsatz von 4,2 Milliarden Euro betrug das Minus zuletzt 124 Millionen Euro.

Im laufenden Jahr

Im dritten Quartal 2011 war ein erneuter Verlust von 135 Millionen Euro aufgelaufen. Konzernchef Mika Seitovirta erklärte bei der Bekanntgabe der erneut negativen Zwischenbilanz: „Es ist extrem wichtig für uns zu handeln, um die finanzielle Situation in allen Unternehmensteilen zu verbessern.“

Name

Benannt ist der Konzern nach der Stadt Outokumpu im östlichen Finnland. Dort war mit der Entdeckung von Kupfervorkommen 1910 der Startschuss für das Unternehmen gefallen.

Dass Hiesinger nicht davor zurückschreckt, ein Kerngeschäft wie Edelstahl abzugeben, zeigt die Not bei Thyssen-Krupp. Für die Belegschaft und für die Investoren ist der Verkauf der Sparte zwar eine gute Lösung. Immerhin steigt der Aktienkurs und der Stellenabbau wird sozialverträglich gestaltet.

Thyssen-Krupps’ Dilemma ist aber nicht gelöst. Auch nach dem Deal ist der Traditionskonzern finanzschwach, er bleibt damit in der Defensive. Die für den Umbau nötigen Akquisitionen sind weiter nicht möglich. Hiesinger wird also weitere Aktivitäten verkaufen müssen. Der Verkauf von Edelstahl ist also kein Abschluss, sondern erst der Auftakt des Konzernumbaus.

Kommentare (3)

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whisky

31.01.2012, 14:17 Uhr

Bringens die überbezahlten Manager nicht oder liegts wieder an den ach so hohen Lohn+Lohnnebenkosten?

Account gelöscht!

31.01.2012, 15:32 Uhr

Man soll nachträglich die verantwortlichen zur Kasse bitten.
"NIROSTA" war fast ein Jahrhundert lang der Begriff für Edelstahlwerkstoffe in der Welt. (Markenname von Krupp).
Ein "alter" Kruppianer kann nur noch den Kopf schütteln.
Das war`s!!!

Account gelöscht!

01.02.2012, 02:04 Uhr

Es gibt wenige deutsche Firmen, die so oft umgebaut wurden wir ThyssenKrupp. Man erinnere sich nur an den Einstieg, dann wieder Ausstieg aus dem Thema Automobilzulieferer. Immer wieder bleiben aus den Umstrukturierungen "Restfirmen" übrig, die zum verkauf stehen oder auch nicht. Eine Langfriststrategie ist für mich nicht erkennbar.
Seit Jahren wird auch die schwache Finanzkraft der von TK bemängelt. Trotz hoher Gewinne wurde die Wende nie wirklich geschafft.
Insgesamt scheint mir der Konzern vor allem eine Spielwiese für Gernegroß' zu sein, die sich in den Konzernstrukturen wunderbar ausleben können, während sich das Topmanagement in der Tradition der alten Stahlbarone sieht.

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