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30.06.2012

12:19 Uhr

Kommentar

Traditionsbank am Ende

VonFrank Wiebe

Die WestLB steht vor ihrer Auflösung. Kaum etwas wird übrig bleiben von dem Institut, das sich in der Finanzkrise verzockt hat - und das ist gut so. Es steht für die desaströsen Kungeleien von Politik und Finanzwelt.

Ein Bürogebäude der West LB in Düsseldorf. dpa

Ein Bürogebäude der West LB in Düsseldorf.

An diesem Samstag endet offiziell die Geschichte der WestLB - eines stolzen Hauses, das sich einst beinahe auf Augenhöhe mit der Deutschen Bank wähnte. Von ihr bleiben nur einige Abteilungen übrig, die teils unter dem Kunstnamen Portigon selbstständig weiterarbeiten, teils unter das Dach der Schwester-Landesbank Helaba schlüpfen. Das Ende ist traurig, vor allem für die Mitarbeiter. Und doch ist es gut, dass es dieses Ende gibt.

Die Geschichte der WestLB ist weit mehr als das Scheitern eines einzelnen Kreditinstituts, das besonders viele Skandale hatte, den Steuerzahler besonders viel Geld kostete - die offiziellen Schätzungen belaufen sich auf 18 Milliarden Euro - und letztlich von der EU-Kommission mit besonderer Härte in die Knie gezwungen wurde. Die WestLB war ehemals als größte deutsche Landesbank ein Aushängeschild für das gesamte deutsche Finanzsystem - für seine Besonderheiten, seine Schwächen, seine Sonderrolle in der großen Finanzkrise und seine mitunter unheilvolle Verstrickung mit der Politik.

Frank Wiebe ist Kolumnist. Pablo Castagnola

Frank Wiebe ist Kolumnist.

Kennzeichnend für dieses System ist auch, eigene Fehler zu verdrängen. Beispiel Sparkassen: Sie stellen sich heute gerne als heile Welt inmitten der tosenden Finanz- und Euro-Krise dar. Ihre Rolle als Träger der Landesbanken, die zu den Protagonisten der Finanzkrise gehört haben, übergehen sie lieber. Die wirklich halbwegs heile Welt findet sich bei den schärfsten Konkurrenten der Sparkassen, den Volks- und Raiffeisenbanken. Die haben es geschafft, ihre regionalen Zentralbanken rechtzeitig zu fusionieren - mit Ausnahme der WGZ in Düsseldorf - und eine vernünftige Arbeitsteilung im Verbund beizubehalten.

Das Sparkassenlager dagegen bleibt weitgehend nach Bundesländern getrennt. Und weil die Arbeitsteilung im Verbund nicht mehr funktioniert, fehlt den meisten Landesbanken schon lange ein Geschäftsmodell. Auch für diesen Konflikt war die WestLB typisch: Man muss es erlebt haben, wie hasserfüllt sich Sparkassenleute über ihr stolzes Spitzeninstitut äußerten, das seine Mitarbeiter zu gut bezahlte, um dann immer wieder riesige Probleme bei den Eigentümern - Land und Sparkassen - abzuladen. Um diesen Zorn richtig verstehen zu können, muss man gehört haben, wie altgediente Mitarbeiter der WestLB von den rauschenden Festen in London erzählen, wo das Institut große Summen versenkt hat.

Dieses System war auch schon vor der Finanzkrise keine heile Welt mehr. Wie sollen Landesbanken gedeihen, die mit ihren eigenen Eigentümern konkurrieren und mit ihnen mitunter sogar verfeindet sind? Und weil den Landesbanken die Kunden fehlten, investierten sie fleißig in amerikanische Schrottpapiere.

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