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28.03.2012

14:35 Uhr

Kommentar

Überleben im Dubletten-Zeitalter

VonFrank Wiebe

Patente werden gebrochen, Musik illegal verteilt, Ideen geklaut: Die Möglichkeiten, in der Wirtschaft etwas Einzigartiges zu schaffen und damit Erfolg zu haben, sind rapide gesunken. Es gibt zwei Wege, damit umzugehen.

Das Internet ist frei. Das wird für viele Unternehmen zum Problem. obs

Das Internet ist frei. Das wird für viele Unternehmen zum Problem.

Im Jahr 1935 schrieb Walter Benjamin seinen berühmten Aufsatz „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“. Darin ging es unter anderem um den beginnenden Starkult beim Film: Anders als im Theater können dort sehr wenige Menschen den größten Teil des weltweiten Geschäfts für sich verbuchen.

Heute hat Benjamins Thema gigantische Dimensionen erreicht. Nicht nur reproduzierbar, sondern weltweit verfügbar und häufig mit wenig oder gar keinen Kosten kopierbar sind nicht nur Filme, Bilder und Musik, sondern auch Texte aller Art, Software sowie viele schnelllebige elektronische Produkte wie etwa Mobiltelefone oder sogar ganze Geschäftsmodelle wie Suchmaschinen oder soziale Netzwerke. Alles, was gerade erst erdacht wurde, kann am nächsten Tag schon entwertet sein, weil es zum Nulltarif hemmungslos verbreitet, billig nachkonstruiert oder durch ein neues Angebot in den Schatten gestellt wird.

Frank Wiebe ist Kolumnist beim Handelsblatt. Frank Beer für Handelsblatt

Frank Wiebe ist Kolumnist beim Handelsblatt.

Der Effekt in diesen Märkten ist ganz ähnlich wie beim Film: Nur wenige machen das ganz große Geschäft. Der Zusammenhang von Leistung und Ertrag wird infrage gestellt: Die Stars haben zu viel Erfolg, die anderen stehen zu Unrecht tief im Schatten. Die Gewinner sahnen ab – wie Google, Apple oder Facebook. Den anderen bleiben nur Marktnischen wie Xing oder schmale Renditen wie Nokia. Der einzige Trost ist, dass sich die Verhältnisse jederzeit auch rasend schnell umkehren können.

Was bedeutet das für junge Menschen, die ihre berufliche Zukunft planen? Es gibt zwei Strategien, mit dem Problem der universellen Kopierbarkeit, die mit der Piratenpartei jetzt ja auch eine politische Stimme gefunden hat, umzugehen. Einmal kann man sich in diese schnelllebige, zum Teil auch virtuelle Welt stürzen mit dem Optimismus, ein Star zu werden oder wenigstens bei einem Unternehmen zu landen, das oben auf der Welle schwimmt. Oder man geht genau den entgegengesetzten Weg. Der bedeutet, sich auf denjenigen Teil des Geschäfts zu konzentrieren, der nicht so einfach reproduzierbar ist.

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