Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

13.03.2014

15:13 Uhr

Kommentar

Uli Hoeneß, der gefallene Held

VonOliver Stock

Der Präsident des FC Bayern München hat ein faires Urteil erhalten. Als Mensch verdient er Mitgefühl, als Steuerhinterzieher verdient er kein Pardon.

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Was vom Tage bleibt

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Uli Hoeneß ist ein Steuerhinterzieher der herausgehobenen Art. Er hat ein Vermögensdelikt begangen: Er hat Geld, das dem Staat zusteht, nicht bezahlt. Er hat damit uns Steuerzahlern einen Schaden zugefügt. Dazu kommt: Bei ihm geht es nicht um ein paar tausend Euro, sondern um so viele Millionen, dass er selbst gar nicht mehr den Überblick hatte.

Die Einsicht, etwas falsch gemacht zu haben, wuchs erst mit der Sorge, entdeckt zu werden. Wer sich so verhält, kommt mit einer Gefängnisstrafe von dreieinhalb Jahren angemessen davon.

Jedes mildere Urteil hätte die Justiz in ein fragwürdiges Licht gestellt. Sind es nur die Kleinen, die hängen, und sind es die Großen, die sich freikaufen können? Mildernde Umstände zu suchen, wo es in der Sache keine gibt – darauf hat sich das Gericht nicht eingelassen.

Dass am Ende keine fünf oder gar zehn Jahre Haft herausgekommen sind, liegt allein daran, dass Hoeneß auch noch ein anderes Leben führte als das eines Zockers. Der Mann hat als erfolgreicher Unternehmer Arbeitsplätze für Menschen geschaffen. Er hat als Sportskanone auf dem Fußballfeld treue Fans gefunden und er hat als Präsident des FC Bayern den erfolgreichsten Fußballverein in der deutschen Geschichte geformt.

Die Karriere von Uli Hoeneß war deswegen eine deutsche Heldengeschichte. Wir haben zu ihm aufgeschaut. Wir wollten alle ein bisschen Hoeneß sein. All das hat das Gericht auf der Habenseite in die Strafbemessung einfließen lassen.

Die Tragik liegt darin, dass all das nun neben dem Urteil verblasst. Geradezu wie in einer antiken Tragödie hat sich der Held unter größtmöglicher Anteilnahme seiner Fans und Widersacher selbst vernichtet. Hoeneß' gesellschaftliche Anerkennung ist zerstört.

Neben dem zeitlich begrenzten Verlust der Freiheit liegt darin eine unbegrenzte Strafe, die der Verurteilte auf sich nehmen muss. Es ist sehr menschlich, mit gefallenen Helden Mitleid zu empfinden. Es zeichnet aber Richter aus, wenn sie diesem Impuls nicht nachgeben.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

14.03.2014, 08:56 Uhr

Haftstrafe wegen Steuerhinterziehung ? der falsche Weg !
es erfolgen ja auch ( noch ) keine Haftstrafen für- von Politikern versemmelte Steuergelder. Strafe ja, aber nur Geldstrafe, denn um Geld handelt es sich ja auch. Und das empfindlich mit Zins und Zinseszins.
Eingesperrt gehören Menschen die der Gesellschaft durch Kriminalität schaden. Dazu gehört ein Uli Hoeneß mit Sicherheit nicht. Wie gesagt: Strafe ja, aber doch nicht so !
Gruß Senex

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×