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22.05.2012

15:03 Uhr

Kommentar

Unter Merkel blutet die CDU aus

VonAndreas Niesmann

Egal ob gerechtfertigt oder nicht - die Entlassung von Norbert Röttgen offenbart ein Dilemma: Der Union geht das Personal aus. Nach der Ära Merkel droht der Partei das große Nichts.

privat

DüsseldorfEs ist noch keine zwei Monate her, da saßen Norbert Röttgen und Friedrich Merz zusammen unter dem CDU-Logo und machten Witze. Merz freute sich, mal wieder in der Zentrale der NRW-CDU an der Düsseldorfer Wasserstraße zu sein. Und Röttgen feierte seinen Coup, den nach wie vor populären Sauerländer in das Wahlkampfteam eingebunden zu haben. Der Plan: Röttgen sollte die Landtagswahl gewinnen, und Merz die CDU-geführte Regierung danach in industriepolitischen Fragen als Chef einer Expertenkommission beraten.

Bekanntlich kam es anders. Röttgen verlor die Wahl krachend. Kurz darauf war er auch den CDU-Landesvorsitz und sein Amt als Bundesumweltminister los. Es wird nur ein schwacher Trost für den geschassten Minister sein, aber damit gibt es eine weitere Gemeinsamkeit, die er mit seinem Freund Friedrich Merz teilt: Beide wurden von Angela Merkel kaltgestellt.

Die Riege der Unions-Hoffnungsträger, die in der Ära Merkel politisch scheiterten, ist lang: Sie reicht von Friedrich Merz, über Roland Koch, Ole von Beust, Peter Müller, Jürgen Rüttgers, Christian Wulff und Karl-Theodor zu Guttenberg bis hin zu Norbert Röttgen. Nicht jeder dieser einstigen Kronprinzen wurde von Merkel beseitigt oder „gemerkelt“, wie Spötter inzwischen sagen.

Guttenberg und Wulff stürzten über hausgemachte Affären, Beust und Müller waren amtsmüde. Und dennoch bleibt der Befund: Unter Merkel blutet die CDU personell aus.

Zwar ereilt dieses Schicksal zwangsläufig eine jede Regierungspartei. Das hatte auch die SPD unter Gerhard Schröder schmerzhaft erfahren müssen. Doch die Situation der Merkel-CDU ist ungleich dramatischer: Während Schröder amtsmüde oder abgewählte SPD-Ministerpräsidenten in seine Bundesregierung einbinden konnte, ist ein Ministeramt unter Merkel für altgediente CDU-Landesfürsten offensichtlich keine Option – sie nehmen scharenweise Reißaus.

Das Ergebnis: Merkel, die chronisch unterschätzte, steht inzwischen allein auf weiter Flur. Die stärksten Minister in ihrem Kabinett heißen plötzlich Ursula von der Leyen und Thomas de Maizière. Beide sind der Kanzlerin treu ergeben, aber keine starken Thronfolger.

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Für Merkel selbst ist diese Situation komfortabel. Einen Putschversuch aus den eigenen Reihen muss sie auch langfristig nicht fürchten. Es ist weit und breit niemand zu erkennen ist, der einen Aufstand gegen sie anführen könnte.

Die CDU hingegen muss sich große Sorgen machen. Hatte die Partei nach Helmut Kohl mit Wolfgang Schäuble, Merkel selbst und der Reihe der „Jungen Wilden“ genügend qualifiziertes Personal, um einen Generationenwechsel zu meistern, droht nach der Ära Merkel vor allem eins: das große Nichts.

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Kommentare (11)

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Leopld

22.05.2012, 15:18 Uhr

Wo lebt diese Kommentator? Die CDU ist schon lange ausgeblutet. Ausser Altmaier, Schäuble und v.d.Leyen steht niemand mehr hinter Merkel. Und mit diesen Kandidaten ist doch auch kein Staat zu machen. Nur Linientreue, aber keine Kompetenz!

Das-letzte-Aufgebot

22.05.2012, 15:23 Uhr

Muhahaha, sag ich ja > Muttis letztes Aufgebot!
Aber auch für Merkel kommen die Einschläge immer näher.

Account gelöscht!

22.05.2012, 15:33 Uhr

Der Autor führt gut aus, wie sich die CDU personell unter Merkel verändert hat. Für mich steht eine vor 10 Jahren noch profilierte CDU inzwischen für personelle und inhaltliche Leere.
Bei SPD, FDP oder grün sieht es leider nicht viel anders aus.

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