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01.03.2013

11:39 Uhr

Kommentar

Verleger aller Länder vereinigt Euch

VonOliver Stock

Das Leistungsschutzrecht kann nur ein erster Schritt sein, damit wir Journalisten nicht zu Angestellten von Google werden. Nötig ist ein einheitliches Bezahlsystem aller Verlage – nach dem Vorbild der Musikindustrie.

Der Schlüssel zum Überleben der Zeitungen liegt in einem einheitlichen Bezahlsystem im Internet. dpa

Der Schlüssel zum Überleben der Zeitungen liegt in einem einheitlichen Bezahlsystem im Internet.

Achtung, ich bin befangen, denn hier geht es vordergründig um das Leistungsschutzrecht. Heute hat es der Gesetzgeber in einer verweichlichten Fassung beschlossen. Künftig sollen Google und Co. im Prinzip zahlen, wenn sie Inhalte nutzen, die Journalisten erstellt haben und für die sie von den Verlagen, bei denen diese Journalisten angestellt sind, bezahlt werden. Ihre Leistung soll geschützt werden, das heißt die Verlage wollen verhindern, dass das, was sie teuer bezahlen, irgendwo im Netz zur Verfügung steht, ohne dass jemand dafür zahlt. Das Ansinnen ist nur zu verständlich und - keine Frage - als Betroffener stehe ich dahinter und rufe allen anderen Betroffenen zu, die sich vielleicht nicht betroffen fühlen, es mir gleich zu tun: Liebe Kollegen, ihr sägt sonst an dem Ast, auf dem wir sitzen.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt.com. Pablo Castagnola

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt.com.

Und wer es nicht begreift, für den hier noch mal ganz einfach: Wenn wir für unsere journalistische Leistung Geld von Suchmaschinen verlangen, machen wir damit nicht das Internet dümmer, weil künftig vielleicht weniger an Wissen gratis zur Verfügung steht, sondern wir sorgen dafür, dass das Internet erwachsen wird. Ich habe im Laufe meines Erwachsenwerdens jedenfalls erfahren, dass Wissen nicht nur kostbar ist, sondern auch etwas kostet.

So weit, so klar. Leider gehört zur Wahrheit auch, dass sie selten eindeutig ist. Zweideutig ist zum Beispiel das Verhalten der Verlage selbst. Sie sind es, und ich zähle dazu, die Inhalte kostenlos ins Netz stellen und ein Interesse daran haben, dass sie beispielsweise mit Hilfe von Google möglichst viele Leser, Zuschauer und Zuhörer finden. Jetzt Google für diesen Job Geld abzuknüpfen, ist in etwa so, als würde der Wirt ein paar Prozente vom Taxifahrer einfordern dafür, dass der ihm Gäste ins Lokal kutschiert.

Interview zum Leistungsschutzrecht: „Google ist nicht die Caritas“

Interview zum Leistungsschutzrecht

„Google ist nicht die Caritas“

In einer Anzeigenkampagne kämpft Google gegen ein Leistungsschutzrecht für Verlage. Kronzeuge ist dabei der frühere Chef der Monopolkommission, Justus Haucap. Im Interview erklärt Haucap, warum er dabei mitmacht.

Deswegen - und jetzt wird es hintergründig - ist das Geldeintreiben von Suchmaschinen mit einem Leistungsschutzrecht noch nicht der Weisheit letzter Schluss. Was wir Journalisten wirklich brauchen, ist ein einheitliches Bezahlsystem für unsere Produkte. Weltweit. Ganz einfach und in jeder Währung.

Das ist kein Traum, sondern dass ist in der Musikindustrie bereits Realität. Die Musikverlage hatten es Jahre lang nicht geschafft, sich auf ein einheitliches Bezahlsystem zu einigen. Jeder kochte sein Süppchen, bei manchen war es so dünn, dass er davon nicht länger leben konnte. Dann kam Apple, dann kam iTunes und nach Jahren des Jammerns meldet die Musikindustrie jetzt zum ersten Mal wieder steigende Gewinne dank Downloads.

Diese Entwicklung erfüllt mich mit Hoffnung. Sie zeigt: Es gibt einen Weg, die Verbreitung von Inhalten via Internet zum Geschäftsmodell zu machen. Die Musikverleger haben ihn unter der nicht immer schmerzfreien Führung von Steve Jobs beschritten und können wieder durchatmen. Die, ich nenne sie mal Textverleger, sind noch nicht so weit. Deswegen fordern wir Journalisten sie auf: Verleger aller Länder vereinigt Euch. Schafft ein exzellentes Abrechnungssystem für unsere Produkte. Wir Journalisten wollen keine Angestellten von Google werden. Wir sind das Pfund, mit dem ihr wuchern könnt! Aber dazu müsst ihr uns auch gut vermarkten.

Kommentare (11)

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Michael_Gab

01.03.2013, 13:13 Uhr

Hallo Herr Stock,

nein, ich begreife es nicht.
Ich habe es auch nach dem Lesen ihres Artikels nicht verstanden und ich
bin nicht klüger geworden.

Sie nennen Apple mit iTunes als ein erfolgreiches Vorbild zum Durchsetzen von Bezahlschranken.
In iTunes ist es mir möglich probeweise und kostenlos vorab einige Sekunden von jedem Musikstück anzuhören.
Analog verfahre ich so mit Textcontent, ich suche über Google, lese die kurzen Textabschnitte und entscheide, ob ich danach per Link auf die Verlagsseite gehe.
So könnte man Google durchaus mit iTunes vergleichen, beide stellen umfangreichen Content
zur Verfügung, beide lassen das Vorabprobehören bzw. Lesen zu.
Das, was danach kommt, also das Überführen eines Interessenten hin zum Kunden und die später verbundene maximale Kundenbetreuung gelingt in diesem Fall nur Apple.
Die Verlage haben es bisher nicht geschafft ein eigenes Geschäftsmodell al'a iTunes aufzubauen.

Aber warum werden Gesetze erlassen die eindeutig nur einer Unternehmensbranche helfen soll
die es bisher nicht geschafft hat sich zu reformieren und sich den neuen Gegebenheiten mit einem verändertem Geschäftsmodell zu stellen?
Auf den Seiten des Handelblatt werden doch sehr oft die Staatssubventionen für Branchen/Unternehmen stark verurteilt, Brachen und Unternehmen die sich nicht erfolgreich am Markt behaupten bzw. anpassen können scheiden eigentlich als Wirtschaftsunternehmen aus.





Sophie

01.03.2013, 13:23 Uhr

Dem ist wenig hinzuzufügen!

Warum Google dafür zahlen soll, dass es durch kleine Ausschnitte das Interesse potenzieller Kunden weckt und diese dann auf die Seite der Verlage weiterleitet ist mir auch nach diesem Artikel nicht logisch erklärbar.

Dann müssten ja bald die Shops, welche in den Google Shopping-Ergebnissen angezeigt werden auch von Google bezahlt werden und nicht mehr umgekehrt.

Matthias

01.03.2013, 13:56 Uhr

ich glaube sie haben sich da in eine eigne Zwickmühle gebracht, zu fordern das Wissen nicht kostenlos/umsonst sein darf, gleichzeitig, aber nicht wissen wie sie ihr Wissen verkaufen sollen ....
Da sie es aber gerne kaufen, empfehle ich Ihnen zum Beispiel ein Geschichtsbuch zu kaufen.
Nach dem aufmerksamen lesen, sollte dann festgestellt werden das, wenn immer Wissen kostenlos/umsonst für alle Verfügbar war, es gute Jahre waren und wenn immer Wissen nicht frei verfügbar war es sehr düstere Zeiten waren.

und wenn sie das dann alles wissen, dann sollten sie auch wissen, wie Sie schneller qualitative und freie Informationen zur Verfügung stellen und nicht mit diesen, sondern um diese Informationen herum ein Geschäftsmodell etablieren können.

eine freie Geselschaft und ein faires miteinander kann und wird nur mit frei verfügbaren und für alle zugänglichen Wissen ermöglicht, andernfalls haben sie ja im Geschichtsbuch gelesen was passiert....


mit Sie und Ihnen ist jeder gemeint der sich angesprochen fühlt.

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