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19.01.2005

07:01 Uhr

Kommentar

Von Bagdad nach Teheran

VonMarkus Ziener

Was viele offenbar vergessen hatten, hat George W. Bush jetzt erneut zum Thema Iran gesagt: „Ich werde niemals irgendeine Option vom Tisch nehmen.“ Und: In letzter Konsequenz sei er bereit, zum Schutz seiner Landsleute erneut militärische Macht einzusetzen.

Spätestens seit Bushs Rede vor drei Jahren über die „Achse des Bösen“ gibt es keine Zweifel mehr: Die USA betrachten das Mullahregime in Iran als feindlich, als bedrohlich. Doch die eigentliche Brisanz verleiht Bushs Iran-Statement vor allem der Kontext – wie er gerade von den Europäern stets wahrgenommen wird. Es ist der Kontext aus den bitteren Erfahrungen im Irak, aus den wieder aufkeimenden Friedenshoffnungen in Israel und Palästina und der damit verbundenen Erwartung, dass nun Wunden geheilt, nicht neue geschlagen werden.

Doch so wenig vor diesem Hintergrund für die Europäer ein neuer Kriegsschauplatz denkbar ist: Bush kann ihn sich vorstellen. Denn der Iran und sein Atomprogramm verkörpern für die USA den Ausgangspunkt eines jener Bedrohungsszenarien, die an die Wurzeln des 11. September reichen. Übersteigt diese Gefahr eine kritische Grenze, werden die USA auch über eine militärische Lösung nachdenken. Da mag die Lage im Irak noch so verfahren sein.

Die Einlassungen von George W. Bush demonstrieren aber zudem einmal mehr, wie sein Weltbild funktioniert – und worauf sich die Europäer auch in den kommenden vier Jahren einzustellen haben. Auf eine gänzlich undiplomatische Sprache, auf ein schnelles Scheiden in Gut und Böse. Genau deshalb haben ihn viele Amerikaner gewählt. Weil sie attraktiv finden, was viele Europäer in die Verzweiflung treibt. Bush macht die Politik, die bei den Amerikanern ankommt. Auch in den nächsten vier Jahren.

Es war daher von jeher naiv anzunehmen, George W. Bush würde sich in seiner zweiten Amtszeit zum Friedenspräsidenten wandeln. Tatsächlich hat der Texaner seine Wiederwahl auch als Bestätigung seiner Irak-Politik verstanden. Und die griff schon immer viel weiter als nur nach Bagdad.

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