Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

15.02.2012

12:15 Uhr

Kommentar

Warum eine Zwangsabgabe für Kinderlose falsch ist

VonGeorg Watzlawek

Mit der Forderung nach einer Strafabgabe für Kinderlose hat der CDU-Jungpolitiker Wanderwitz eine Lawine ausgelöst. Die Idee klingt populär - sie ist aber nur populistisch. Wer Kinder fördern will, muss anders ansetzen.

Georg Watzlawek, Ressortleiter Wirtschaft und Politik bei Handelsblatt Online. Pablo Castagnola

Georg Watzlawek, Ressortleiter Wirtschaft und Politik bei Handelsblatt Online.

Ich  kann Marco Wanderwitz gut verstehen. Er hat drei Töchter. Ich auch. Er ärgert sich darüber, dass sich seine Single-Freunde so schicke Autos leisten. Ich auch. Er hält es für eine gute Idee, Kinderlose mit einer Strafabgabe zu belegen. Ich nicht. Dabei hat Wanderwitz ganz offenbar einen empfindlichen Nerv in der Gesellschaft getroffen: Kinderlose sollen ein Prozent ihres Einkommens abliefern, wer „nur“ ein Kind hat 0,5 Prozent. Ein forsche Forderung, die Anklang findet. In den sozialen Medien liefern sich die meistens recht jungen Nutzer wortreiche Debatten. Und in der Politik kann selbst die kinderlose Kanzlerin das populistische Thema mit ihrem Ordnungsruf nicht beenden. Quer durch die Parteien und Alterskohorten finden sich Politiker, die sich für Wanderwitz wahnwitzige Idee einsetzen.

Tatsächlich spricht nichts für, aber einiges gegen den Vorschlag. Doch zunächst einmal muss man meinen Leidensgenossen Wanderwitz fragen, was das Ziel einer solchen Maßnahme sein soll. Gerechtigkeit, antwortet er: „Es gibt eine Schieflage in unserem Land. Familien tragen höhere Lasten als Kinderlose. Sie stehen finanziell schlechter. Alle Transferleistungen wiegen nicht die echten Kosten für ein Kind auf.“

Sollen Kinderlose eine Abgabe bezahlen?

Ganz subjektiv kann ich das nachvollziehen – aber auf die Idee, Kosten und Nutzen meiner Kinder nachzurechnen, wäre ich nie gekommen. Und dass ausgerechnet ein konservativer Politiker den Vorschlag macht, den Kinderwunsch fiskalisch zu steuern, macht mich (fast) sprachlos. Das ist zwar etwas marktwirtschaftlicher gedacht, als es Chinas Kommunisten vor 30 Jahren praktizierten. Aber es wäre dennoch ein eklatanter Eingriff in unsere Freiheitsrechte.

Kommentare (139)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

15.02.2012, 12:46 Uhr

Sollen die doch die 1% Steuer für Kinderlose einführen! Aber dann sollten die mit ihren Kindern auch das Kindergeld selbst finanzieren! Warum soll ich als Kinderloser zwei mal bestraft werden. Erstens bekomme ich keine Staatlichen Leistungen (Kindergeld, Freibetrag, etc.), in deren Töpfe ich auch einzahle, wieder zurück. Und nun soll ich auch noch extra Steuern zahlen? Das soll wohl ein Scherz sein.

Werner68

15.02.2012, 12:49 Uhr

Mein Sohn hat gerade als drittes meiner Kinder sein Studium abgeschlossen. Beim ihm habe ich die Kosten nachgehalten; das 5-jährige Ingenieurstudium hat 75.000 Euro gekostet, das erhaltene Kindergeld ist im Vergleich dazu lächerlich, steuerlich absetzbar waren die Kosten nicht. Ich fände eine Entlastung von Eltern, sei es durch Belastung von Kinderlosen oder allgemeiner Belastung des Staatshaushaltes für sinnvoll

Dirkmuscat

15.02.2012, 12:49 Uhr

Wer Kinder fördern will braucht dafür Mittel-scheint aber bei Ihnen nicht angekommen zu sein oder Sie sind ausreichend damit ausgestattet. Mit der letzten Mehrwertsteuererhöhung hat es genau die Familien am stärksten getroffen. Das war eine Riesensauerei dieser kinderlosen Märchentante.
Aber das ein Familienvater so blind durchs Leben rennt wie Sie und diese ungleiche Lastenverteilung auch noch unterstützt, kann ich nicht begreifen. Die 0,5 bzw. 1 % sind um den Faktor 10 zu gering.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×