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05.08.2014

13:07 Uhr

Kommentar

Warum sich Bernie Ecclestone freikaufen darf

VonOliver Stock

Die Armen hängt man, die Reichen lässt man laufen? Der Satz ist falsch. Und er wird auch nach dem nun erzielten 100-Millionen-Dollar-Vergleich im Fall Ecclestone nicht richtiger.

Bernie Ecclestone: Der Formel-1-Boss verlässt das Gericht mit weißer Weste. dpa

Bernie Ecclestone: Der Formel-1-Boss verlässt das Gericht mit weißer Weste.

DüsseldorfIch weiß schon, was heute Abend bei Ihnen Tischgespräch ist. Sie werden darüber reden, dass es eine neue Gleichung gibt vor unseren Gerichten. Sie heißt: Schuldig + reich = unschuldig. Bernie Ecclestone, der Formel-Eins-Boss, wendet sie gerade an. 75 Millionen Euro, umgerechnet 100 Millionen Dollar, zahlt er dem Staat dafür an, dass beim Handel mit Formel-Eins-Anteilen zwischen ihm und der Bayerischen Landesbank nicht alles mit rechten Dingen abgelaufen ist.  Ist das schon wieder eine Form modernen Ablasshandels?

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Was vom Tage bleibt

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Meine Antwort: Ja – es ist ein Ablasshandel, aber ja – er hat seine Berechtigung. In den vergangenen Verhandlungswochen ist es den Staatsanwälten nämlich nicht gelungen, Ecclestone zweifelsfrei nachzuweisen, dass er Bestechungsgeld ausgegeben hat, um zum Ziel zu kommen. Die Richter haben es mit einem 83-jährigen Fuchs zu tun, dessen Anwälte mit allen Wassern gewaschen sind.

Zweifel am Maß seiner Schuld, das hohe Alter des Angeklagten – all das würde nach deutscher Rechtsprechung dazu führen, dass am Ende eines ordentlichen Verfahrens eine Geldbuße steht, die vielleicht durch eine zur Bewährung ausgesetzte Gefängnisstrafe ergänzt wird.

Das allerdings wäre doppelt unbefriedigend: Ecclestone träfe die Bewährung nicht. In seiner Branche gilt so etwas eher als Ritterschlag. Und die Geldstrafe würde womöglich niedriger ausfallen, als das, was er jetzt bereit ist zu zahlen. 

Das Ergebnis des Deals von heute ist da besser. Es lautet: Ecclestone bekennt seine Schuld. Das Gericht öffnet ihm aber eine Tür, um diese Schuld zu tilgen. 100 Millionen Dollar kostet dieser Weg. Juristisch geht der Ablasshandel damit völlig in Ordnung. Wir sollten unsere Aufregung heute Abend bei Tisch darüber zügeln.

Kommentare (24)

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G. Nampf

05.08.2014, 13:24 Uhr

"Die Richter haben es mit einem 83jährigen Fuchs zu tun, dessen Anwälte mit allen Wassern gewaschen sind. (...)
Juristisch geht der Ablasshandel damit völlig in Ordnung."

Damit bestätigen Sie die These "Schuldig + reich = unschuldig". Denn wer sich diese Anwälte nicht leisten kann, wird verurteilt.


G. Nampf

05.08.2014, 13:26 Uhr

"Wir sollten unser Aufregung heute Abend bei Tisch darüber zügeln."

Heißt:

"Soll der Mob doch die Klappe halten und weiterhin klaglos gehorchen."

Herr Gerhard Kraus

05.08.2014, 13:29 Uhr

Ich finde das Urteil super.

Man kann in Zukunft für 3% seines Vermögens sich von Straftaten freikaufen.

Sicher gibt es bald eine 10er Karte.
Zu klären wäre,wenn sein Vermögen im Minus ist,ob man dann etwas rausbekommt.

Ein Typisches Bananenrepubilikurteil

Ich bin noch am Überlegen in welcher Rolle die Richter bei einer Neuauflage des Dschungelbuchs fungiern könnten??

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