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08.07.2012

11:17 Uhr

Kommentar

Wenn Banken sturmreif werden

VonFrank Wiebe

Gegen einen „Run“ auf Banken hilft keine Einlagensicherung. Es geht eher darum, einen solchen Ansturm im Vorfeld zu verhindern - was problematisch ist.

Lange Schlange am Geldautomaten: Staat und Banken kommen nicht voneinander los, wenn ein „Run“ wirklich verhindert werden soll. ap

Lange Schlange am Geldautomaten: Staat und Banken kommen nicht voneinander los, wenn ein „Run“ wirklich verhindert werden soll.

DüsseldorfWie kann man einen "Run" auf die Bankschalter verhindern? Diese Frage spielt immer wieder im Hintergrund eine Rolle, wenn sich die Euro-Krise zuspitzt. Wenn es Spekulationen über schwere Probleme im Bankensektor eines Landes gibt oder aber die Angst umgeht, das Land könne die Euro-Zone verlassen.

Das wichtigste Instrument, um Sparer von panischen Reaktionen abzuhalten, ist die Versicherung der Einlagen. Josef Ackermann, Ex-Chef der Deutschen Bank, hat vor kurzem bei einer Veranstaltung in Washington aber ganz klar gesagt, dass durch keine Einlagensicherung ein Sturm auf die Bankschalter zu verhindern sei, wenn die Panik einmal da sei. Seiner Meinung nach würde in einer derartigen Situation nur noch das helfen, was Bundeskanzlerin Angela Merkel 2008 getan hat: den Sparern ganz pauschal und nachdrücklich das Versprechen geben, alle Einlagen seien sicher.

Ob dieses Versprechen im Zweifel tatsächlich einzulösen wäre, ist eine andere Frage. Aber 2008 hat es funktioniert, und es sind Situationen denkbar, wo ein ähnliches Versprechen der letzte Versuch sein könnte, die Lage zu retten.

Hier zeigt sich erneut: Staat und Banken kommen nicht voneinander los, wenn es brenzlig wird. Es hängt allerdings alles von der Situation ab. Im Jahr 2008 hatte die Finanzbranche extrem an Vertrauen verloren. Gleichzeitig zweifelte kaum jemand an der Kreditwürdigkeit selbst der schwächeren Euro-Länder. Deswegen funktionierte Merkels Versprechen.

Frank Wiebe

Der Autor

Frank Wiebe ist Handelsblatt-Korrespondent in New York.

Heute ist aber viel eher eine Situation denkbar, in der das Bankensystem eines schwachen Landes unter Druck gerät. Was könnte dann helfen? Wahrscheinlich nur eine gemeinschaftliche Erklärung aller wichtigen Regierungschefs im Euro-Raum, dass das betreffende Land im Euro bleibt und dass die Einlagen aller Sparer sicher sind. Mit so einer Erklärung hätten wir allerdings ganz plötzlich ein Ausmaß an gemeinsamer Haftung, das zumindest aus deutscher Sicht (und aus Sicht einiger anderer stabiler Staaten) niemand wirklich wollen kann. Auf der anderen Seite: Einen "Run" auf die Banken in einem Euro-Staat kann auch niemand wollen.

Eine Einlagensicherung sichert nicht wirklich gegen den schlimmsten Fall. Vor diesem Hintergrund ist es vernünftig, dass auf dem vergangenen Gipfel nicht beschlossen worden ist, europaweit ein gemeinsames Sicherungssystem einzuführen.

Es geht vielmehr darum, einen derartigen Ansturm schon im Vorfeld zu verhindern. Dieses Ziel konkurriert allerdings mit zwei anderen, die ebenfalls sehr wichtig sind. Einmal sollten die Finanzmärkte nicht künstlich in Narkose versetzt werden, sondern dazu beitragen, angeschlagene Länder auf Reformkurs zu halten, weil letztlich nur so die Euro-Zone zu retten ist. Maßnahmen wie Euro-Bonds oder der unbegrenzte Einsatz der Notenbank auf dem Markt für Staatsanleihen würden zwar die Sparer beruhigen, aber hätten genau diesen Narkose-Effekt.

Der zweite Zielkonflikt: Es wäre dringend zu wünschen, dass bei der Sanierung von Banken auch die Gläubiger ihren Anteil beisteuern. Solange in diesem Fall nicht glasklar ist, welche Gläubiger verzichten müssen (zum Beispiel die Eigner von nachrangigen Papieren) und wer geschützt ist (vor allem die normalen Sparer), würde aber jede Ankündigung einer derartigen Beteiligung auch gleich für große Unruhe sorgen. Insofern ist es gut, dass diese Beteiligung der Gläubiger bei den Gipfelbeschlüssen, die insgesamt ja doch nur die groben Strukturen aufzeigen, nicht erwähnt wird. Das sollte aber nicht verhindern, dieses Ziel im Nachgang dennoch energisch anzugehen.

Kommentare (20)

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azaziel

08.07.2012, 12:17 Uhr

@ Frank Wiebe – Vollstaendige Glaeubigerhaftung ist eine der tragenden Saeulen des marktwirtschaftlichen Prinzips. Je hoeher der Ertrag, desto hoeher das Risiko! Dieser Mechanismus fuehrt zur optimalen Verteilung knapper Mittel. Wenn man diesen Mechanismus unterspuelt, kommte es zu einer Verzerrung hin zu riskanteren Anlagen und damit zu Verlusten. Das Wort GLAEUBIGERBETEILIGUNG ist das Unwort der Schuldenkrise! Es kann unter Umstaenden eine STAATSBETEILIGUNG geben, eine Beteiligung des Steuerzahlers sozusagen, wenn oeffentliches Interesse dies begruendbar unausweichlich erscheinen laesst. Bitte helfen Sie, die Terminologie wieder vom Kopf auf die Fuesse zu stellen!

Account gelöscht!

08.07.2012, 12:19 Uhr

Wir brauchen keine Versprechen, denn diese würden noch mehr ausländisches Geld nach Deutschland fließen lassen. Was wir brauchen ist die Wiedereinfürhung einer neuen deutschen Währung. Altschulden könnten weiter in einer abwertenden Eurodesasterwährung geführt werden, Neues gibt es in DM2. Damit verlieren unsere Altschulden an Wert, Bankguthaben werden nur bis zu einer stark begrenzten Menge in DM2 getauscht.

Norbert

08.07.2012, 12:19 Uhr

Mein Bank Run hat schon 2008 stattgefunden. Seither wird nur das Nötigste über die Bankster abgewickelt. Guthaben und übrig bleibendes Geld wurde und wird weiterhin in S..... und G... gewechselt.

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