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13.01.2012

00:00 Uhr

Kommentar

Wenn Transparenz Panik erzeugt

VonRolf Benders

In einem Anfall von gut gemeinter Regulierungswut will die Finanzmarktaufsicht die Banken nun zur Transparenz zwingen. Doch damit ängstigen sie die Anleger und erzeugen Panik.

Banken fürchten die Angst der Aktionäre. Reuters

Banken fürchten die Angst der Aktionäre.

Panik regiert derzeit an der Wall Street. Große und kleine Banken in den USA fürchten kaum etwas mehr als die Angst ihrer Aktionäre und Gläubiger vor den Folgen der Euro-Krise. Deshalb möchte keiner so recht im Detail darlegen, aus welchem EU-Krisenland er Anleihen in den Büchern hält. In einem Anfall von gut gemeinter Regulierungswut will die Finanzmarktaufsicht die Institute nun zur Transparenz zwingen. Sie gießt damit Öl ins Feuer, auch wenn sie ihrem Investorenschutzauftrag damit nachkommt.

Konkret sollen die Banken im Detail ausweisen, welche Staats- und Unternehmensanleihen sowie Derivate darauf sie besitzen. Und je gefährdeter ein Land ist, tatsächlich zahlungsunfähig zu werden, desto detaillierter sollen die Angaben sein. Das ist natürlich ganz im Sinne der Anteilseigner und Gläubiger der US-Banken, die wissen wollen, welches Risiko sie mit ihrem Engagement bei einem Institut haben.

Allerdings steht zu befürchten, dass sie das auch nach dieser Veröffentlichung nicht wirklich abschätzen können. Denn dazu müsste man im Grunde jede einzelne Position in den Portfolios kennen. Anleihe ist eben nicht gleich Anleihe.

Die Gefahr ist groß, dass nach der Veröffentlichung das Gleiche passiert wie etwa bei den Spekulationen um eine Schieflage von Morgan Stanley wegen angeblich zu hoher Engagements bei den angeblich so gefährdeten französischen Banken: Aus Furcht, das könnte stimmen, verkauften Anleger ihre Aktien der Bank. Das Institut drohte zeitweise in große Probleme abzurutschen. Ähnliches wiederholte sich später bei Jefferies und MF Global. Letzterer ging tatsächlich in die Insolvenz, weil Kunden in Panik ihre Gelder abzogen.

Die Gefahr ist groß, dass die Anleger nach der nun von der SEC geforderten Veröffentlichung ebenfalls erst verkaufen und dann fragen, was die Zahlen bedeuten. Mit dieser Art von Transparenz ist in diesem Augenblick niemand gedient. Das gilt nicht zuletzt auch deshalb, weil die US-Banken sich dem Problem nicht wehrlos ausliefern werden.

Sie werden, um die zu veröffentlichenden Zahlen klein zu halten, europäische Anleihen verkaufen und sich bei Neuengagements zurückhalten. Dadurch steigen die Refinanzierungskosten der EU-Problemländer und ihrer Firmen sowie Banken. Beiden fehlt zudem langfristig eine wichtige Abnehmergruppe für ihre Anleihen. Mit anderen Worten: Die als Patentlösung für die Krise beschworene Transparenz macht die Probleme größer und nicht kleiner. So einfach ist es dann offensichtlich doch nicht.

Der Autor ist Korrespondent in New York. Sie erreichen ihn unter: benders@handelsblatt.com

Kommentare (3)

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Ostblock-Journalismus

13.01.2012, 13:49 Uhr

In den finsteren Zeiten des ""Real existierenden Sozialismus" einer DDR sorgten deren Systemmedien wie das "Neue Deutschland" für Desinformation und (Schein-) Erfolgsmeldungen.
Heute, in Zeiten legalisierten Betruges und angelsächsischer Bilanzkunst sorgen ehemalige Wirtschaftszeitungen wie das HANDELSBLATT für Intransparenz und bestellten Beifall.
Für solche Blätter ist Transparenz eine Bedrohung - so wie Glasnost für Ostblockpotentaten ein Bedrohung war.

Durchblicker

13.01.2012, 14:32 Uhr

Genau. Das dumme Volk darf auf keinen Fall verängstigt werden, denn sonst könnten die sich ja auf den Crash vorbereiten.

Account gelöscht!

13.01.2012, 14:43 Uhr

Im Dunkeln lässt sich gut munkeln - nicht wahr (HB)?

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