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17.01.2005

07:00 Uhr

Kommentar

Wettstreit der Giganten

VonMartin-W. Buchenau

Champagnerlaune in Toulouse. Am Dienstag wird Airbus der Weltöffentlichkeit das größte Passagierflugzeug aller Zeiten präsentieren. Airbus und der Mutterkonzern EADS setzen mit der A380 einen neuen Standard in der Luftfahrt. Einmal aus dem Hangar, wird über dem zweistöckigen Giganten nur noch der offene Himmel sein.

Martin-W. Buchenau

Martin-W. Buchenau

So ändern sich die Zeiten. Als das deutsch-französische Konsortium Airbus 1970 aus der Taufe gehoben wurde, belächelte vor allem Boeing die ersten Flugversuche der Europäer mit englischen Flügeln, Cockpit aus Frankreich, Rumpf aus Deutschland und spanischem Leitwerk. Doch nach und nach kamen weitere Modelle hinzu – schneller, leichter und billiger. Jetzt knackt Airbus auch noch Boeings Monopol bei den Jumbos. Bereits seit zwei Jahren liefern die Europäer mehr Flugzeuge jährlich aus als Boeing.

Bei aller Feierstimmung muss Airbus aber auf dem Boden bleiben. Noch immer gibt es auf der Welt deutlich mehr Boeing-Flugzeuge. Und spätestens mit der neuen 7E7 werden die Amerikaner beweisen, dass sie das Flugzeugbauen nicht verlernt haben.

Zudem birgt die A380 auch Risiken. Experten weisen zu Recht darauf hin, dass das Flugzeuggeschäft ein sehr langfristiges ist. In 40 Jahren Programmlaufzeit kann viel passieren. Der mit 40 Maschinen wichtigste Kunde, die Fluglinie Emirates, kommt aus dem unkalkulierbaren Pulverfass Nahost. Auch basiert das A380-Programm auf der Annahme, dass vor allem der Flugverkehr über die großen Umsteige-Drehkreuze zunimmt. Die Amerikaner setzen dagegen auf bequemere Direktverbindungen mit mittelgroßen Langstreckenmaschinen. Beide Anbieter müssen in jedem Segment Paroli bieten. Den Fehler von Boeing, sich auf Lorbeeren auszuruhen und jahrelang keine neuen Modelle aufzulegen, darf und wird Airbus nicht machen.

Aber viel Augenmaß und ein strenger Blick auf die Finanzen sind verlangt. Die EADS hat mittlerweile ein riesiges Orderbuch – neben Airbus auch in der Militärsparte. Das muss erst einmal profitabel umgesetzt werden. Mit zu viel Übermut kann man auch zu hoch fliegen – wie einst Ikarus.

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