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14.09.2012

17:37 Uhr

Kommentar

Wichtige europäische Bindeglieder

VonWolfgang Reuter

Die politische Einigung Europas stockt - die industrielle schreitet voran. Das zeigt sich jetzt besonders an der möglichen Fusion von EADS und BAE. Schon die Gespräche sind ein Hoffnungsschimmer.

Das EADS-Logo bei der ILA in Berlin. AFP

Das EADS-Logo bei der ILA in Berlin.

Wer heute auf Europa blickt, mag sich an den Deutschen Bund erinnert fühlen: Vier freie Städte und 37 Fürstentümer hatten sich nach 1815 nach dem Sieg über Napoleon zusammengeschlossen. Der Staatenbund scheiterte 1866 - unter anderem an provinzieller Kleinstaaterei. Heute geht es in der Europäischen Union ganz ähnlich zu. Zwar hat dieser Staatenbund ein integratives Element - nämlich eine gemeinsame Währung. Doch das derzeitige Ringen um den Euro ist geprägt von - provinzieller Kleinstaaterei.

Kein EU-Mitgliedstaat ist in der Euro-Krise bereit, den europäischen Gedanken über den eigenen Vorteil zu stellen - und aus dieser Erkenntnis rührt wohl auch Angela Merkels Warnung: "Scheitert der Euro, scheitert Europa." Doch jetzt kommt, aus unerwarteter Ecke, ein neuer europäischer Impuls: Der deutsch-französisch-spanische Luftfahrtkonzern EADS verhandelt mit dem britischen Rüstungshersteller BAE Systems über einen Zusammenschluss.

Der Deal, so er denn zustande kommt, hat eine europäisch-industriepolitische Logik. Er würde dem fusionierten Unternehmen in vielen Sparten zu jener kritischen Größe verhelfen, die nötig ist, um im Weltmarkt zu bestehen. Außerdem ließen sich in dem neuen Konzern Synergien heben - indem etwa die Forschungs- und Entwicklungszentren verzahnt werden, anstatt wie bisher, zum Teil gegeneinanderzuarbeiten. Die Vereinigung würde dem multinationalen Unternehmen zudem neue Schlüsselmärkte erschließen.

Schon die Verhandlungen über den Deal, ob er nun zustande kommt oder nicht, beflügeln eine industriepolitisch-europäische Vision. Sie zeigen den Willen, die Kleinstaaterei in der europäischen Luftfahrt- und Rüstungsindustrie zu lindern oder gar zu beenden. Denn im Markt für Kampfjets machen sich bisher EADS, BAE, aber auch der französische Dassault-Konzern gegenseitig Aufträge abspenstig. Und auch im Markt für Drohnen, also unbemannte militärische Fluggeräte, gehen Deutschland, Frankreich und Großbritannien eigene Wege. Selbst im zivilen Bereich gab es nationale Rückschläge: 2006 hat BAE seine Airbus-Anteile an die Konzernmutter EADS verkauft.

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