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14.12.2011

11:43 Uhr

Kommentar

Wie die FDP ihre Apotheker schützt

VonPeter Thelen

Ausgerechnet die FDP hat den aufkeimenden Wettbewerb auf dem Apothekenmarkt so gut wie erstickt. Die SPD wusste die Marktkräfte besser zu nutzen als die Liberalen.

Peter Thelen ist Handelsblatt-Korrespondent in Berlin. Pablo Castagnola

Peter Thelen ist Handelsblatt-Korrespondent in Berlin.

Es gab einmal eine Zeit, da standen in der deutschen Gesundheitspolitik die Zeichen auf mehr Wettbewerb. Die Gesundheitsministerin hieß damals Ulla Schmidt, und sie kam von der SPD. Ulla Schmidt erlaubte den Krankenkassen erstmals, mit den Arzneimittelherstellern Rabatte auszuhandeln. Die Kassen sparen dadurch inzwischen über eine Milliarde Euro im Jahr. Vor allem aber hob sie die bis dahin geltenden starren Handelsspannen für nicht rezeptpflichtige Medikamente auf.

Diese Arzneimittel muss seither jeder gesetzlich Versicherte aus eigener Tasche zahlen. Das brachte einen Hauch von Preiswettbewerb für dieses Produktsegment in die deutschen Apotheken. Unter Schmidt wurde auch der Versandhandel mit Arzneimitteln erlaubt. Ausgerechnet die FDP macht dem Markterwachen jetzt wieder den Garaus.

Der zaghafte Wind des Wettbewerbs auf dem Apothekenmarkt konnte bis heute kein Sturm werden, weil selbst Ulla Schmidt davor zurückschreckte, in weitere Besitzstände der Apotheken einzugreifen. So gilt für Apotheken nach wie vor das Fremd- und Mehrbesitzverbot. Dies bedeutet, ein Apotheker darf neben seiner Hauptapotheke nicht mehr als drei Filialen betreiben. Außerdem darf Betreiber einer Apotheke immer nur ein Apotheker sein.

Beide Regeln haben bislang dafür gesorgt, dass große Unternehmen nicht in den Apothekenwettbewerb einsteigen konnten. Dies ist ein Grund dafür, dass es nach der Freigabe der Preise für nicht rezeptpflichtige Medikamente lange auch in diesem Marktsegment kaum zu Preissenkungen kam. Die Apotheken verhielten sich wie ein Monopolist.

Kommentare (14)

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poolliter

14.12.2011, 12:22 Uhr

Die f.d.p. ist schon lange keine liberale Partei mehr sondern ausschließlich der parlamentarische Lobbyarm der besonders Gierigen.
Wieso Sie trotzdem noch mehr Wähler hätte, als von diesem schmutzigen Spiel profitieren, verstehe ich nicht.
Aber unterhalb der 5% Schwelle ist das ab spätestens 2013 auch egal.
Und andere Parteien insbesondere die Union beteiligen sich an dieser assozialen Unmoral ja auch eifrig.

Mike

14.12.2011, 13:27 Uhr

Bei allem Respekt vor dem freien Markt(?) und billigeren Arzneimitteln für den Verbraucher. Man sollte sich auch mal die Frage stellen, wem denn ein entfesselter Markt letztlich den größten Vorteil verschafft.

Wollen Sie allen Ernstes für multinationale Vertriebsstrukturen in den Händen weniger großer Aktiengesellschaften oder gar der Pharmaindustrie selbst sorgen? Wie lange würde es dann Ihrer Meinung dauern, bis die Preise aufgrund von geheimen Absprachen oder monopolartigen Verkaufspraktiken noch höher steigen?
Was haben denn z.B. die Öffnung des Strommarktes bisher im Sinne des Verbrauchers bewirkt?

Erst wird bei jeder sich bietenden Gelegenheit gegen unregulierte Märkte gewettert, wenn aber dann bestehende Strukturen aus diversen Gründen nicht aufgebrochen werden, ist das auch wieder nicht recht.

Ich kann mich noch gut an Dienstwagen-Ulla erinnern. Die Bürokratenmaschinerie lief unter ihr zur Höchstform auf. Ärzte und die gesamte Gesundheitsbranche waren überglücklich als sie wieder abtrat.

Account gelöscht!

14.12.2011, 14:31 Uhr

Wenn es wie in meiner Stadt Kassel mehr Apotheken als Lebensmittelgeschäfte gibt, dann stimmt da etwas nicht. Ja, teilweise liegen zwischen den Apotheken weniger als 200 Meter.
Auch die Apotheken müssen sich dem freien Wettbewerb stellen. Für die kann und darf es keine Ausnahmen geben. Oder ist trotz des Wettbewerbs im Lebensmittelhandel die Versorgung der Bevölkerung zusammen gebrochen?

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