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29.08.2012

14:58 Uhr

Kommentar

Wie Paul Ryan Romneys Show stiehlt

VonMarkus Ziener

Mitt Romneys Partner Paul Ryan sammelt für den Präsidentschaftskandidaten Romney viele Stimmen ein. Doch die starke Persönlichkeit an Mitts Seite könnte ihm auch das Präsidentenamt streitig machen.

Markus Ziener ist Korrespondent in Washington.

Markus Ziener ist Korrespondent in Washington.

Wenn Hurrikan "Isaac" ihn lässt, dann wird Mitt Romney diese Woche vor allem vor dem Fernseher verbringen. In irgendeinem Hotelzimmer in Tampa wird er den Vorlauf zu seiner eigenen Krönungsmesse verfolgen, bis er am Ende selbst auf die Bühne darf. So sieht es das archaische Parteitagsritual vor, das den Auftritt des designierten Spitzenkandidaten bis ganz zum Schluss aufspart. Doch ob dem 65-jährigen Romney auch gefallen wird, was er auf der Mattscheibe zu sehen bekommt, ist ungewiss.

Denn aus der Distanz darf er dann auch betrachten, wie enthusiastisch das Parteivolk Paul Ryan feiern wird. Und spätestens dann könnten ihn Zweifel an der Weisheit seiner Auswahl für den Job des "running mate", des Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten, beschleichen. Denn seit Wochen steht nur einer im Rampenlicht: der smarte, gut aussehende, 42 Jahre junge Abgeordnete Ryan aus Wisconsins erstem Distrikt.

Dabei sollte es in Tampa doch eigentlich nur um ihn, Mitt Romney, gehen. Geplant war ein "do-over", eine Generalüberholung des Kandidatenimages, damit Romney gegen den Medienliebling Obama auch auf der Sympathieskala eine Chance hat. Auftreten werden in Tampa deshalb Parteifreunde, Weggefährten und Familienangehörige, die vor allem eines tun sollen: Mitt Romney als Mann mit Herz und Überzeugungen charakterisieren. Doch diese Absicht der Parteistrategen droht nun vom Hurrikan und von Paul Ryan weggefegt zu werden. An Ersterem ist Romney schuldlos. An Letzterem indes nicht.

Denn auch die Wahl von Paul Ryan folgte dem immer gleichen Romney-Prinzip: Finger in den Wind halten, Windstärke messen und entsprechend handeln. Paul Ryan schien als Wahl logisch, weil die nach rechts gerückte republikanische Basis Mitt Romney nicht folgen wollte. Mit der Tea-Party-Ikone Ryan konnte er diese Lücke schließen. Dass sich Romney damit jedoch gleichzeitig in eine direkte Abhängigkeit von den Rechten in seiner Partei begeben hat, wurde beiseitegewischt. Im Team Romney ist man fixiert auf den 6. November, den Wahltag, nicht auf die Zeit danach. Dabei kommt es ja genau auf die an.

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