Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

26.04.2013

15:43 Uhr

Kommentar

Wie uns der Fall Hoeneß die Sinne vernebelt

VonOliver Stock

Uli Hoeneß ist bald Geschichte. Aber was lernen wir aus der Geschichte? Der Fall des FC-Bayern-Präsidenten hat uns in der Debatte um Steuerehrlichkeit keinen Schritt vorangebracht. Ein Kommentar.

Diese Bayern-Fans verzeihen Uli Hoeneß. dpa

Diese Bayern-Fans verzeihen Uli Hoeneß.

DüsseldorfUli Hoeneß – der Mann stand einmal  für den sportlichen Umgang miteinander.  Heute steht er für das Verhalten einer Oberschicht, die glaubt, sich Steuerflucht leisten zu können und damit den Steuerehrlichen schadet. Das ist nicht sportlich, das ist unfair.

Uli Hoeneß – der Mann stand einmal für großzügiges Unternehmertum. Inzwischen steht er für die Doppelmoral eines Wohltäters, der tagsüber großmütig verteilt, was er sich nächstens auf dunklen Pfaden erschlichen hat.

Uli Hoeneß,  an dessen Seite wir uns so gern haben sehen lassen, in dessen Glanz wir alle uns gerne gesonnt haben - er hat uns tief enttäuscht. Diesmal sind wir nicht nur Zeuge eines Absturzes wie bei Guttenberg und Wulff, wie bei Ex-Siemens-Chef von Pierer oder Thyssen-Krupp-Aufseher Cromme - nein wir sind auch Betroffene: Unser Idol nämlich ist es, das sich da selbst vernichtet.

Dies alles inklusive der heraufziehenden heißen Phase des Wahlkampfes erklärt die Hektik der vergangenen Tage; die Schlagzeilen, die nicht abreißen, die Fernseh-Talker, die kein anderes Thema mehr kennen, die Wucht der Berichterstattung. Und dies alles vernebelt die Sinne. Wir verhalten uns wie enttäuschte Liebhaber, die in ihrer Wut mehr kaputt machen als jemals zu ersetzen ist.

Kaputt gemacht haben wir zum Beispiel das Steuergeheimnis. Der Staat und seine Ermittlungsbehörden nehmen sich das Recht, in die Details unseres Privatlebens  zu schauen: Sie können Kontobewegungen ausspähen, sie verlangen Auskunft, wie unser dienstlich genutztes Arbeitszimmer eingerichtet ist, sie dürfen erfahren, wie wir unsere Kindermutter bezahlen. Im Gegenzug verpflichten sich die Ermittler, dass all diese Daten vertraulich bleiben.

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock. Frank Beer für Handelsblatt Online

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Wir gewähren Einblick, weil wir auf die Diskretion des Staates vertrauen.  Im Fall Hoeneß ist das jedoch gründlich schief gegangen. Die Staatsanwälte sind größere Plaudertaschen als mein Frisör um die Ecke. Unter dem Leitgedanken der Transparenz wird die Integrität des Privaten zerstört.

Der Fall Hoeneß führt auch den Amnestie-Gedanken ad absurdum. Eine Amnestie ersetzt niemals ein Urteil oder beseitigt die Schuld eines Straftäters. Sie bedeutet nur den vollständigen oder teilweisen Erlass der Strafe, weil andere Ziele wichtiger erscheinen. Im Fall einer Steueramnestie nach einer Selbstanzeige geht es dem Staat beispielsweise darum, einen Überblick über das Vermögen seiner Bürger zu bekommen, um seine langfristigen Einnahmen zu planen und zu erhöhen.  So gesehen ist eine Amnestie zwar immer ungerecht, aber sie kann durchaus gerechtfertigt sein.

Kommentare (72)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Dominik

27.04.2013, 21:08 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Republikaner

27.04.2013, 21:25 Uhr

"Uns die Sinne vernebelt" im pluralis majestatis zu sprechen ist schon orginell. Die Presse macht das eine daraus, die Justiz etwas anderes. Für mich als kleines Steuerzahlerwürstchen ist das so interessant wie der berühmte Reissack der gerade in Peking umgefallen ist. Wir haben in diesem Land genügend (aber wirklich genügend!) Gesetze wie dieser Fall handzuhaben ist. Die Empörung scheint mir reichlich gekünstelt und hat im Übrigen für den "normalen" Steuerzahler keinerlei Nährwert.

flascheleeeeeeeeerrrrrrrr

27.04.2013, 21:28 Uhr

vorab,das ist kein nebel sondern stinkender misthaufendampf

und ob sich was geändert hat:

prominente genießen nicht mehr welpenschutz und der hochdekorierte ULIGARCH ist FÜR ALLE sichtbar schlicht kriminell

desweiteren schluckt der bürger nicht mehr ,daß die selbsternannten eliten mit ihrem geld und einflußsich politische entscheidungen kaufen können ,wie es laufend stattfand und immer seltener stattfindet.in hessen wurden die steuerfahnder für unzurechnungsfähig erklärt

ich bin mir sicher,daß die BILD und SPRINGER kameraden schon länger genau bescheid wußten,wer da mit der meldung ausm januar gemeint ist,zumal auch andere zuträger in dieser günstlingswirtschaftder BILD meldung machen.

greimal dürfen sie raten ,warum die kein eigentor schießen wollten,trotz rapide sinkender auflage

die haben angst,daß die bürger den krücken der gesellschaft noch weniger vertrauen schenken

warten wir auf den ersten spitzenpolitiker,der ebenso sein geld verschoben hat.....

onkel seehofer mußte im januar dem hoeneß persönlich mitteilen,daß er nix mehr für ihn machen kann,das war die bis jetzt schwerste stunde fürs horstl

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×