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14.05.2012

16:57 Uhr

Kommentar

Wir brauchen ein neues Urheberrecht

VonBernd Ziesemer

Wer sich Neues ausdenkt, muss dafür besonders belohnt werden. Andernfalls schwächen wir den Wettbewerb um immer bessere Lösungen und Leistungen. Das geht nicht nur Kulturschaffende an, sondern die gesamte Wirtschaft.

Berndt Ziesemer ist Publizist. Pablo Castagnola

Berndt Ziesemer ist Publizist.

Einer der prächtigsten Außenposten der griechischen Hochkultur war die 720 v. Chr. gegründete Kolonie Sybaris im Golf von Tarent. Um ihren sagenhaften Reichtum und verfeinerten Luxus zu verteidigen, schürten die Herrscher der Stadt den Wettbewerb unter ihren Einwohnern. Sie erfanden dabei das erste Urheberrecht der Geschichte: Wenn sich ein Koch in Sybaris ein neues Gericht ausdachte, durfte es ein Jahr lang niemand nachkochen.

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Ökonomisch gesehen ist der Schutz geistigen Eigentums so wichtig, weil sich der wirtschaftliche Wettbewerb sonst nicht optimal entfalten kann. Wer sich etwas Neues ausdenkt, muss dafür besonders belohnt werden. Streicht der Kopist den gleichen Lohn ein wie der Meister, entfällt der Anreiz für den Wettbewerb um immer bessere Lösungen und höhere Leistungen. Und die Spirale des Fortschritts für alle dreht sich schließlich gar nicht mehr.

Am Beispiel des technischen Patents kann man aber zugleich sehr gut zeigen, dass es ökonomisch gesehen auch auf das richtige Maß des Schutzes ankommt. Wenn man eine Erfindung gar nicht schützen kann vor geistigem Diebstahl, wie es bis ins 19. Jahrhundert hinein der Fall war, erlahmt der Innovationsdrang. Schützt man ein Patent jedoch absolut und auf alle Ewigkeit, können sich neue Pioniertechnologien in einer Gesellschaft nicht schnell genug durchsetzen - zum Schaden der ganzen Gesellschaft. Nach der Gründung des deutschen Reichs im Jahre 1871 tobte über diese Grundsatzfragen ein heftiger Streit, der schließlich durch eines der besten Patentgesetze der Welt beendet wurde, das anschließend viele andere Staaten übernahmen.

Online-Dialog: Internet-Nutzer und Urheber kommen ins Gespräch

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Internet-Nutzer und Urheber kommen ins Gespräch

Nach wechselseitigen Vorwürfen und Appellen zum Urheberrecht im Netz suchen die Beteiligten den Dialog. Die Internet-Plattform iRights.info führt Urheber und Internet-Nutzer zusammen.

Gegenwärtig entwickelt sich in den USA ein ähnlicher Prinzipienstreit über den Sinn oder Unsinn von Patenten: Google, Microsoft, Apple und andere liefern sich, wie die „Businessweek“ vor 14 Tagen titelte, regelrechte Patentkriege. Ein einziges Smartphone kann mittlerweile bis zu 250.000 unterschiedliche Soft- und Hardwarepatente berühren.

Kommentare (2)

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c71119

14.05.2012, 19:32 Uhr

Berndt Ziesemer bekommt von mir für diesen Beitrag die Note: 4.

1) Urheberrecht, Patentrecht, Markenrecht, Verwertungsrecht sind verschiedene Dinge und sie werfen alles in einen Topf

2) "Steuer auf Innovation" klingt irgendwie unzureichend, treffender wäre eine Monopolstellung auf trivielles wie abgerundente Ecken (Apple) etc.

3) Urheberrecht ist auch mehr als Internet, Urheberrechtsprobleme gibt es nämlich auch in der Schule der nicht ganze Inhalte an seine Schüler für den Unterricht kopieren darf...denn das OLG Stuttgart hat dem Gesetz von 2008 nachgesprochen und hier weitere Restriktionen gesetzt.

4) die Piratenparatei hat keine extreme Gegenposition (ihr größter #fail, weshalb dieser Kommentar auch eigentlich eine 5 verdient hätte). Sie wollen den Urheber wieder in den Vordergrund stellen und nicht seine Verwertungsrechte die er komplett an Labels, Verlage, GEMA...verscherbelt.

Bei der Piratenpartei sind sehr viele Urheber und diese haben mitgearbeitet an dem Thema, wüssten Sie das hätten sie nicht so einen Dummfug geschrieben. Bei der PP wurde/wird immer ein Runder Tisch gemacht bei dem Urheber, Nutzer und Verwerter auf ein übereinkommen zielen.
Alle bisherigen Gesetze zielten immer nur auf die Verwerter oder was bringt dem Urheber sein Recht 70Jahre nach dem Tod ?
Die Teilhabe der Allgemeinheit wurde immer weiter zurückgeschraubt und hier geht es nicht um die MP3 im Internet, was die Musikindustrie jahrelang verschlafen und bekämpft hat (sihe Napster), heute macht sie Milliardengewinne übers Internet. Aber was bleibt dem Urheber von seinem 99Cent Song bei itunes?

5) Das Urheberrecht schützt keine Ideen, sondern Werke.
Und der Begriff geistiges eigentum is zu schwammig und beinhaltet so vieles (Patentrecht,Markenrecht,Namensrecht,Verwertungsrechte,Gebrauchsmuster,Leistungsschutz,Geschäftsgeheimnisse,....)
Es würde Ihnen gut tun mal die Grafik auf Wikipedia zu sehen; ist emotional aufgeladen und lässt niemals sachliche Diskussionen zu.

BluePatent

15.05.2012, 13:58 Uhr

Was wir vor allem brauchen, ist eine höhere Patentqualität. Wenn Unternehmen aus potentiell nicht rechtsbeständigen Patenten heraus verklagt und teilweise in ihrer Existenz bedroht werden, ist das ein Desaster - und der Schutzeffekt des Patentwesens verkehrt sich in sein Gegenteil.

Ich möchte den Lesern dieses Artikels unsere Plattform BluePatent ans Herz legen. Wir bieten eine weltweite Recherche-Plattform, auf der wir unter Einbeziehung eines weltweiten Experten-Netzwerks umfassende Valididätsrecherchen zu Patenten anbieten. So helfen wir Unternehmen, die aus potentiell ungültigen Schutzrechten heraus verklagt werden und bringen zugleich mehr Transparenz und Fairness ins Patentsystem.

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