Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

10.01.2012

10:35 Uhr

Kommentar

Womit Oettinger mit Blick auf Eon und RWE recht hat

VonJürgen Flauger

EU-Kommissar Günther Oettinger macht gerne Schlagzeilen und provoziert. Das ist ihm mit dem Vorschlag einer Fusion der Energieriesen Eon und RWE mal wieder gelungen. Der Vorstoß ist aber nicht in jeder Hinsicht absurd.

Jürgen Großmann: Für den RWE-Chef (im Bild) müssen Oettingers Vorschläge wie Hohn klingen. dpa

Jürgen Großmann: Für den RWE-Chef (im Bild) müssen Oettingers Vorschläge wie Hohn klingen.

EU-Kommissar Günther Oettinger sendet gerne Signale in seinen Heimatmarkt. Jüngst verärgerte er die deutsche Politik mit seiner Forderung Europa brauche viele neue Kernkraftwerke. Jetzt hielt er Eon-Chef Johannes Teyssen und RWE-Chef Jürgen Großmann vor, sie spielten nur in der Regionalliga und ihre Konzerne sollten doch fusionieren.

Der Vorschlag ist aus kartellrechtlichen Gründen völlig abwegig und muss für Teyssen und Großmann wie purer Hohn klingen. In den vergangenen Jahren setzten die Politik und die Wettbewerbshüter alles daran, die Marktmacht der großen deutschen Energiekonzerne zu beschneiden. Das Bundeskartellamt erlaubt den Konzernen nicht mal den Einstieg bei größeren Stadtwerken. Eon hat wegen der Gängelei bewusst seine Stadtwerke-Holding Thüga verkauft. Den Atomausstieg verstehen viele Politiker bewusst auch als Maßnahme, um die Marktmacht von Eon und RWE in der Stromproduktion zu brechen.

Aber auch die EU-Kommission, für die Oettinger steht, hat diese Politik verfolgt. Sie drängte auf einen Verkauf der Netze und zwang Eon zur Abgabe von Kraftwerken.

Deutsche Energieversorger: Oettinger regt Fusion von RWE und Eon an

Deutsche Energieversorger

Oettinger regt Fusion von RWE und Eon an

EU-Kommissar Günther Oettinger bringt einen Fusion von RWE und E.on ins Gespräch. Ein Zusammenschluss der beiden deutschen Energieversorger solle die internationale Bedeutung sichern.

Teyssen und Großmann können sich durch Oettingers Forderung aber auch bestätigt fühlen. Seit Jahren fordern sie, dass Deutschland auch große Konzerne braucht, um im Wettbewerb mit den Energieriesen wie Gazprom und im Wettlauf der Ressourcen zu bestehen. Die Franzosen haben schließlich bewusst daran gearbeitet mit EDF und GDF Suez zwei internationale Schwergewichte aufzubauen.

Insofern spricht Oettinger auch einen interessanten Punkt an. Eine Fusion von Eon und RWE wird Oettinger nicht bewirken. Aber die Politik, die großen Konzerne zu zerschlagen, ist auch nicht sinnvoll. Gerade Deutschland braucht mit der Energiewende die Finanzkraft der Großen.

Kommentare (9)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

ThomasFrickeJena

10.01.2012, 11:53 Uhr

Es kann wohl nicht Aufgabe des EU- Energiekomissars sein, die Gründung eines auf dem deutschen Markt marktbeherrschenden Energiekonzerns (national player) anzuregen, durch welchen der rudimentäre Wettbewerb zwischen E.ON und RWE auch noch verlorengeht. Stadtwerke hätten gegen einen solchen Superkonzern noch geringere Chancen als bisher schon.

Man würde den nächsten systemrelevanten Versorger heranzüchten, den der Staat im Zweifel stützen müsste.

Zitat:
"Will Deutschland in der Weltliga mitspielen, die von Konzernen wie Exxon, Chevron oder Gazprom dominiert wird, brauchen wir einen nationalen Player von entsprechender Größe."


Deutschland selbst kann - anders als Russland - schon deshalb in keiner Weltliga mitspielen, weil es in Deutschland keine staatlichen Energiekonzerne hat, wenn man von der teilverstaatlichten EnBW mal absieht.

Wir brauchen eine sichere, effiziente und wettbewerblich geprägte Versorgung mit Elektrizität und Gas in Deutschland und keinen Superkonzern, der sich in internationalen Abenteuern verausgabt.

Bisher haben die Aktivitäten von RWE und E.ON im Ausland vor allem zu milliardenschwerem Abschreibungsbedarf bei den Konzernen geführt.

Oettingers Vorschlag klingt auch deshalb absurd, weil die internationalen Konzerne, die genannt werden , über Ressoucen an fossilen Brennstoffen (namentlich Erdöl und Erdgas) verfügen.

Schon die Fusion von E.ON und Ruhrgas unter dem Gesichtspunkt national player führte nicht zu besseren Ergebnissen, sondern nunmehr sogar zur Zerschlagung der Ruhrgas.

Bei einer angestrebten zunehmend dezentralen Stromerzeugung auf der Basis erneuerbarer Energien in Deutschland werden solche Konzerne wohl eine immer geringere Rolle spielen.

pehrl

10.01.2012, 11:56 Uhr

Her Oettinger hat recht, wenn man einen starken Energelieferanten in Deutschland sehen will. Die vergangenen Jahre haben jedoch klar gezeigt, dass man das politischerseits nicht will. Auch in der Bevölkerung scheinen starke deutsche Energieliefarnetn nicht beliebt. Das ist zwar aus nationaler Sicht nicht nachvollziehbar, aber nicht mehr aufzuhalten. Wir sollten uns auf russische, französische und norwegische Abhängigkeiten einstellen, vielleicht lässt sich ja damit auch ganz gut leben. Die Gewinne werden dann woanders gemacht.

Account gelöscht!

10.01.2012, 12:05 Uhr

Selbst Schuld wenn man Oettinger ernst nimmt.Fettnäpfchen pflastern seinen Weg.Ware nicht zu tragisch wenn es nur Missgeschicke wären,aber meistens sind es Äußerungen,die tief blicken lassen,mit welch verquerer Weltsicht man in der Politik so weit kommen kann.Gut man hat hin nach brüssel entsorgt,aber ob er da wirklich keinen Schaden mehr anrichten kann,ist fraglich.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×