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30.10.2014

11:45 Uhr

Kommentar zu Hooligans

Falsche Freunde

VonNils Rüdel

Die Schläger von Köln haben einen neuen Anlass zum Prügeln gefunden. Aber sie überhöhen ihn politisch – und geben sich als Beschützer vor den bösen Islamisten. Dass das durchaus ankommt, sollte uns alarmieren.

Anti-Salafisten-Demo

Hooligans liefern sich Straßenschlacht in Köln

Anti-Salafisten-Demo : Hooligans liefern sich Straßenschlacht in Köln

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DüsseldorfDer Feind meines Feindes ist mein Freund. Diese Logik machen sich die Hooligans und Rechtsextremen zunutze, die am Sonntag in Köln wüteten und demnächst in Hamburg aufmarschieren wollen. „Hooligans gegen Salafisten“ nennen sie sich – und geben vor, die Deutschen vor den bösen Islamisten zu beschützen.

Viele der Demonstranten haben vermutlich nur einen neuen Anlass zum Prügeln gefunden, aber sie überhöhen ihn politisch – als Dienst an der Mehrheitsgesellschaft. Und das verfängt durchaus, wie man bei einem Blick auf die vielen Kommentare unter Onlineartikeln und in den sozialen Netzwerken sieht. Dort melden sich nicht nur die üblichen fremdenfeindlichen Trolle, sondern auch Menschen, die mit Klarnamen und Foto wohl formuliert und begründet erklären: Richtig so! Auch ich gehe zur nächsten Anti-Salafisten-Demo. Hauptsache, endlich tut mal jemand etwas gegen die schleichende Islamisierung.

In diesem Milieu werden fromme Muslime, Salafisten, Islamisten, Terroristen und abgeschlagene Köpfe wild durcheinander zu einem Horrorbild des Islams verzerrt. Die Grenzen zwischen berechtigter Islam-Kritik und Rassismus sind dabei fließend. Es ist eine gefährliche Mischung aus Angst vor dem Fremden und dem Gefühl, von der Politik und einem angeblichen „links-grünen Meinungskartell“ der „Mainstream-Medien“ alleingelassen zu werden.

Gewalt-Exzesse in Köln: Neue „Anti-Salafisten-Demos“ geplant

Gewalt-Exzesse in Köln

Neue „Anti-Salafisten-Demos“ geplant

Nach den Krawallen gewaltbereiter Hooligans und Neonazis in Köln fragt sich die Politik, ob ähnliche Veranstaltungen künftig verhindert werden können. Bei Facebook rufen zwei Gruppierungen derweil zu neuen Demos auf.

Protestparteien füllen diese Lücke gern. Die Rechtsextremen sowieso, aber auch die AfD hat einen Teil ihres Erfolgs diesem Unbehagen zu verdanken. Parteichef Bernd Lucke ist freilich kein Hooligan und geht regelmäßig gegen rechte Umtriebe vor – aber er kann wohl kaum bestreiten, dass ihm die diffuse Islamangst Wähler zutreibt.

Man sollte die Ereignisse in Köln nicht als eine aus dem Ruder gelaufene Demo abtun, sondern ernst nehmen: als neue, brutale Ausdrucksform des Unbehagens am Islamismus, die leicht in eine Abwehrhaltung gegenüber muslimischen Bürgern in Deutschland führen kann. Als eine Ausdrucksform, die in Teilen der bürgerlichen Mitte womöglich auf schweigende Zustimmung stößt.

Die Politik muss diese Ängste ernst nehmen und dem Eindruck entgegentreten, Demokratie sei nicht handlungsfähig. Wir müssen dem islamistischen Extremismus entschieden begegnen. Die Schläger von Köln aber sind die falschen Freunde.

Anti-Salafisten-Demo in Köln

4.500 Teilnehmer: Hooligan-Demo eskaliert

Anti-Salafisten-Demo in Köln: 4.500 Teilnehmer: Hooligan-Demo eskaliert

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Kommentare (8)

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Herr Thomas Albers

30.10.2014, 11:54 Uhr

Guter Artikel - sehr treffend formuliert!

Herr Kurt Küttel

30.10.2014, 12:02 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

Frau Ute Umlauf

30.10.2014, 12:44 Uhr

Und was ist mit den Linken Autonomen? Diese Brandstifter sind noch schlimmer als Rechte!

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