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21.02.2012

19:37 Uhr

Kommentar zu offenen Immobilienfonds

Wie sich eine Branche selbst ruiniert

VonReiner Reichel

Misswirtschaft und ein schwieriger Markt setzen die Anbieter offener Immobilienfonds stark unter Druck. Die ganze Branche kämpft mittlerweile ums Überleben.

Außenansicht verschiedener Wohnhäuser in Bremen. dapd

Außenansicht verschiedener Wohnhäuser in Bremen.

Wer braucht einen Investmentfonds, der in afrikanische Aktien investiert? In Deutschland vielleicht ein paar Hundert Menschen - mehr nicht. Den Banken und ihren Fondsgesellschaften ist jedoch keine Nische, kein Absatzmarkt zu klein. Auf der anderen Seite ist aber die große Branche der offenen Immobilienfonds, hinter der ebenfalls Banken und in EinzelfällenVersicherungen stehen, dabei, sich selbst herunterzuwirtschaften - obwohl die Schuldenkrise in Europa täglich Argumente für Immobilieninvestitionen liefert. Der Niedergang hat mehrere Gründe: Die Fondsmanager verspielen Vertrauen und werden von ihren Muttergesellschaften im Stich gelassen. Zudem misslingen überlebensnotwendige Immobilienverkäufe.

Nach der Lehman-Pleite im Herbst 2008 zogen viele Anleger Geld aus Immobilienfonds ab. Neun von rund 20 gerieten in Liquiditätsnot und wurden eingefroren. Sechs erholten sich davon nie wieder und werden nun abgewickelt, nachdem sie zwei Jahre keine Anteile zurückgenommen hatten. Bei drei Fonds, SEB Immoinvest, Credit Suisse Euroreal und Kanam Grundinvest, läuft im Mai diese Frist von zwei Jahren aus, nachdem sie zwischenzeitlich sogar wieder eine Weile Anteile zurückgenommen hatten. Es wird aber immer unwahrscheinlicher, dass sie bis Mai die Kassen durch Verkäufe von Gebäuden so weit füllen, dass sie dem Ansturm von Anlegern, die ihr Geld abziehen wollen, gewachsen sind.

Die Verkäufe misslingen teils, weil die Marktpreise unter die Buchwerte gerutscht sind. Dann ist den Fonds, bevor sie abgewickelt werden, ein Verkauf untersagt - um zu verhindern, dass der Anteilspreis gesenkt werden muss. Aber hier fragt sich: Warum kaufen nicht die Mutterkonzerne die Anteile, die Anleger zurückgeben wollen? Wenn die Konzerne den Anteilspreisen nicht trauen, woher sollen dann die Anleger das Vertrauen nehmen? Hätten die hinter den Fonds stehenden Banken, Versicherer und Vermögensverwalter zurückfließende Anteile aufgekauft, dann wären die Fonds nicht in die Zwangslage geraten, unter Zeitdruck und zu schlechten Preisen Immobilien abstoßen zu müssen. Und die Anbieter hätten so gegenüber den Finanzvertrieben signalisiert: "Wir stehen zu unserem Produkt." Das wäre bei den neun Problem-Fonds besonders wichtig gewesen, denn keiner dieser Anbieter hatte ein eigenes Filialnetz zur Verfügung, sie waren allesamt auf das Vertrauen fremder Vertriebe angewiesen.

So steht aber zu befürchten, dass die Branche, die einmal mehr als 80 Milliarden Euro verwaltete, nach der Abwicklung auch der drei noch ums Überleben kämpfenden Fonds auf 52 Milliarden zurückfällt. Übrig bleiben würden nur vier nennenswerte Anbieter: Deka, Union Investment, Commerzbank und Deutsche Bank. Letztere auch nur dann, wenn sie die Immobilienfonds nicht zusammen mit ihrem Vermögensverwalter Rreef verkauft. Und die Verbliebenen werden vom Ableben der Konkurrenz kaum profitieren. Denn die beiden größten, Deka und Union, verkaufen ihre Fonds nur über Sparkassen beziehungsweise Genossenschaftsbanken - und niemand wird zu diesen Instituten wechseln, nur um Immobilienfonds kaufen zu können. So ist der Niedergang nicht aufzuhalten.

Kommentare (8)

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markusml

21.02.2012, 20:44 Uhr

Manchmal werden Dinge auch nur totgeredet. Die Anleger handeln grundsätzlich mainstreamgesteuert. Wer sich umblickt, sollte sich ernsthaft überlegen, ob er nicht in Immobilien investiert - Warum nicht über einen Immo-Fonds mit Immobilien in besten Lagen mit indexierten Mietverträgen.

Nur schlimm das die einzigen Fonds die übrig bleiben "nur" die der Sparkassen und Genossenschaftsbanken sind. Und dahin braucht auch niemand extra wechseln, die beiden Gruppen haben 40% Marktanteil - Mit Kunden, denen eine langfristige Strategie vorrang vor dem kurzfristigen mainstram-denken hat. - Danke das es noch langfristig denkende Anleger (Investoren) gibt!!

UDO

22.02.2012, 12:38 Uhr

Die Branche hätte sich selbst helfen können durch Fusionen oder wechselseitige Investitionen. Nun nimmt eine gute Anlageklasse Schaden. Die Versicherungen haben es mit Protector vorgemacht, scheinbar juckt das bei den Fondsgesellschaften niemande.

PRhodan

23.02.2012, 14:03 Uhr

Hallo Herr Reichel,

AXA Paris wollte ein Objekt aus AXA ImmoSelect kaufen. Das BaFin hat die Transaktion angeblich ohne Begründung untersagt. ja, so etwas gibt es halt in Bananenrepubliken wie der unsrigen!

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