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30.09.2014

16:06 Uhr

Kommentar zu Protesten

Hongkong ist isoliert

VonFinn Mayer-Kuckuk

Droht in China ein Flächenbrand? Die Chance ist gering: Kaum jemand im Lande fühlt Solidarität mit der Stadt im Süden. Denn die Sorgen der Hongkonger sind einfach nicht die Sorgen ihrer Landsleute im restlichen China.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk

Finn Mayer-Kuckuk ist Handelsblatt-Korrespondent in Peking.

PekingGroße Demos für Demokratie in China – das klingt nach dem Beginn historischer Umwälzungen im bevölkerungsreichsten Land der Welt. Doch der Anschein trügt. Die Ereignisse sind derzeit auf die abgetrennte Sonderverwaltungszone Hongkong beschränkt – und ein Übergreifen auf andere Städte gilt als wenig wahrscheinlich.

Die Sorgen der Hongkonger sind einfach nicht die Sorgen ihrer Landsleute im restlichen China. Die Sonderverwaltungszone genießt bereits Rechtsstaat und Meinungsfreiheit und fordert nun zudem auch demokratische Wahlen. Das ist logisch und berechtigt, doch die Bürger in anderen Landesteilen identifizieren sich nicht mit dieser Forderung. Sie ist meilenweit von allem entfernt, was unter der Herrschaft der Kommunisten derzeit für sie erreichbar wäre.


Es gibt zwar auch in China erhebliches Potenzial für Unruhe, doch dafür ist Hongkong nicht der Zündfunke. Die chinesischen Bürger stören sich stattdessen am unverschämt zur Schau gestellten Reichtum der neuen Oberklasse. Sie leiden unter schlechteren Jobaussichten für Uni-Absolventen. Wer es bisher nicht geschafft hat, muss hart um den Aufstieg in die Mittelklasse kämpfen. Während das Wachstum sinkt, mehren sich Insolvenzen und versteckte Arbeitslosigkeit. Soziale Proteste, die an einem dieser Punkte ansetzen, hätten tatsächlich das Potenzial zu weiter Verbreitung – bis hin zum Sturz der Kommunisten.

Doch das Schicksal Hongkongs lässt die Bürger der Volksrepublik weitgehend kalt. Dort wohnen zwar auch ethnische Chinesen. Doch die Stimmung der Bewohner der ehemaligen britischen Kolonie und der Volksrepublik hat kaum noch Berührungspunkte. Die Hongkonger haben durchweg einen höheren Lebensstandard und mehr Freiheit genossen. Sie teilen dagegen nicht das Schicksal, gemeinsam im kommunistischen Staat eingesperrt gewesen zu sein.

Dazu kommt die hochnäsige Haltung der Hongkonger gegenüber ihren Landsleuten im restlichen China. Sie halten ihre kommunistisch sozialisierten Vettern für unzivilisiert und politisch unreif. Es fallen immer wieder Worte wie: „laut“, „schmutzig“ oder „kein Sinn für Mode und Körperpflege“. Immer wieder folgten Forderungen, die Einreise von Chinesen nach Hongkong zu beschränken. Die Bewohner der Volksrepublik haben wenig Neigung, sich für eine demokratische Extrawurst für diese arroganten Verwandten zu engagieren.

Hongkong hat eine ganz eigene Kultur. Das ist sogar schon ganz oberflächlich erkennbar: Die Chinesen hier verwenden eine andere Formen der Schriftzeichen, sprechen eine andere Sprache als ein Großteil des übrigen China. Dass sie durch eine Passgrenze vom Festland abgetrennt ist, passt zur Befindlichkeit. Die Hongkonger empfinden die Teilung als Segen. Sie wollen gar nicht zu China gehören – das ist einer der Gründe für ihren Protest. Genauso wenig wollen sich die Bewohner des Festlands jedoch die Anliegen der Hongkonger zu eigen machen.

Kommentare (6)

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Herr Teito Klein

30.09.2014, 17:43 Uhr

Hongkong: Ein Land, zwei Systeme und zwei Welten
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Chinas Führung will auf dem Tiananmen-Platz den 65. Geburtstag der Volksrepublik feiern. Doch die Demonstranten in Hongkong stehlen ihr die Schau. Sie fordern die Elite heraus, und die wird nervös.

Der Tiananmen-Platz, das ist der "Platz des himmlischen Friedens". Dort hat die chinesische Armee 1989 ein Massaker angerichtet.

Gut, morgen wird es wohl ruhig bleiben, aber am Donnerstag wird wohl die Armee mit voller Härte gegen die "Terroristen" - so bezeichnet sie die KPCH - vorgehen.

Herr Teito Klein

30.09.2014, 20:57 Uhr

„Die Studenten singen und lachen“
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Und die Polizei setzt Tränengas, Schlagstöcke und Pfefferspray gegen die Studenten ein.


Unterstützung für die Demokratie-Bewegung gibt es nicht nur aus Hongkong. Am Dienstag erklärte sich der chinesische Künstler Ai Weiwei solidarisch mit der Occupy Central Bewegung, in der sich die Protestler organisieren. In einem Interview mit CNN erklärte er, dass die Chinesen gebannt auf die Entwicklungen in Hongkong blicken.

Die KPCH blickt mit Argusaugen auf Honkong. Sie fürchtet, das die Demokratiebewegung auch auf das Festland übergreifen könnte. Und deshalb herrscht dort Panik.

Herr Teito Klein

30.09.2014, 20:59 Uhr

Barrikaden stehen! Demonstranten rüsten sich
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Die Demonstranten rechnen mit einem unmittelbar bevorstehenden Einsatz der Sicherheitskräfte gegen die in den belebtesten Stadtteilen massierten Demokratiebefürworter. Führende Vertreter der Protestbewegung berichteten von anonymen Einschüchterungsversuchen.

Das war zu erwarten. Das ist die normale Reaktion der Steinzeitkommunisten aus Peking.
Demokratie ist für sie Teufelszeug.
Und freie Wahlen darf es nicht geben.
Deshalb gibt es auch nur handverlesene Kandidaten aus Peking.

Ich wünsche den Studenten viel Erfolg bei ihrer friedlichen Demonstration.
Aber Peking ist es zuzutrauen, dass es versucht, sie gewaltsam (auch mit Panzern) niederzuschlagen.
Das Massaker von Tian'anmen ist noch nicht vergessen.

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