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01.09.2012

09:26 Uhr

Kommentar zum Notenbankertreffen

Draghi ist cleverer als Weidmann

VonRolf Benders

Beim großen Notenbankertreffen hat sich Fed-Chef Ben Bernanke um eine konkrete Stellungnahme gedrückt – und damit die Aufmerksamkeit auf Bundesbankchef Jens Weidmann gelenkt. EZB-Chef Mario Draghi hat es da besser.

Ben Bernanke kann es sich leisten, zu zögern. Reuters

Ben Bernanke kann es sich leisten, zu zögern.

New YorkBen Bernanke hält den Ball flach. Seine Rede vom Freitag auf dem großen Notenbankerteffen von Jackson Hole bot kaum neue Hinweise darauf, ob die Fed nun neuerlich – etwa mit Anleihekäufen – der US-Konjunktur unter die Arme greifen wird.

Im Grund wiederholte der mächtigste Notenbanker nur, was er schon oft gesagt hat: Die Fed steht Gewehr bei Fuß und wird eingreifen, wenn es nötig ist. Bernanke kann es sich leisten zu zögern, schließlich stehen derzeit alle Zeichen auf ein sich etwas beschleunigendes Wachstum in den USA. Das macht Notfallmaßnahmen der Fed weniger dringlich.

Der zweitmächtigste Notenbanker der Welt, EZB-Chef Mario Draghi, mag geahnt haben, dass sich Bernanke um eine konkrete Stellungnahme drückt. Er ist gar nicht erst nach Jackson Hole gereist. Denn nun richten sich alle Augen auf ihn und die Entscheidung der EZB nächste Woche in Sachen Anleihekäufe. Wäre Draghi in die Rocky Mountains gereist, wäre er tagelang gelöchert worden, was er nächste Woche zu tun gedenkt. Aber er hätte nichts sagen können. So kann er in Ruhe zu Hause sitzen und die Beratungen vorbereiten.

Dafür steht jetzt Bundesbankchef Jens Weidmann in Jackson Hole im Fokus der Medien und muss Auskunft über die EZB-Politik und über seine angeblichen Rücktrittdrohungen machen – und kann im Grunde auch nichts sagen. Unangenehm! Diese Runde im öffentlichen Fingerhakeln der beiden europäischen Währungshüter geht an den Italiener.

Draghi ist cleverer als Weidmann. Zumindest dieses Mal.

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Kommentare (25)

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Radiputz

01.09.2012, 09:43 Uhr

Mein Gott, was für ein schmaler Artikel. Warum soll Draghi
"cleverer" sein als Weidmann? Draghi hat mehr Macht und Einfluss als Weidmann, weil er die Mehrheit dank der abwegigen Stimmengewichtung in der EZB hat.Weidmann kann nur hinhaltend kämpfen und die Mittel einsetzen, die er hat, nämlich öffentlich darauf hinzuweisen, dass er zurücktreten könnte, wenn weiter gegen seine Stabilitätsvorstellungen und die der Bundesbank gearbeitet wird. Damit übt Weidmann Druck aus, soweit es ihm eben möglich ist. Es wird mit ungleichen Waffen gekämpft. Weidmann schlägt sich so gut wie er eben kann.
Das hat mit "clever" sein oder nicht sein nun mal überhaupt nichts zu tun.
Dass Draghi auf dem Notenbankertreff nicht erschienen ist war allerdings nicht unklug und der Lage angemessen.
Soviel Übersicht soll man von einem EZB-Chef auch erwarten können.

Matthes

01.09.2012, 09:46 Uhr

Cleverer? Vielleicht intriganter und sturer. Denn er missbraucht seine EZB, um seinen Freunden aus den EU-Südstaaten frisches Geld zu beschaffen. Und lacht sich eins über die Hilflosigkeit der Deutschen! Die sich nicht zu wehren wissen!

JensNichtJan

01.09.2012, 09:51 Uhr

Lieber Herr Ralf Benders,

Ihr Kommentar zum alljährlich wiederkehrenden "viel sagend nichts sagenden Schweigen von Jackson Hole" zeigt erneut die schauderliche Oberflächlichkeit die das Handelsblatt offenbar in seine Journalistische Arbeit investiert.

Mit steilen Thesen zur Cleverness des EZB-Chefs versteigen Sie sich im Nirwana der Spekulation und verlieren sich anschließend umgehend in einem sonst ebenfalls nichts sagenden Text. Insofern haben Sie es wenigstens geschafft die Qualität der Aussagen von Jackson Hole wiederzugeben.

Dennoch wäre es schön gewesen, wenigstens die kleinen Fakten Ihres Texts korrekt darzustellen. So sind Ihre Behauptungen „…hat…Fed Chef Ben Bernanke…die Aufmerksamkeit auf Bundesbankchef Jan Weidmann gelenkt“ und „Dafür steht jetzt Bundesbankchef Jan Weidmann in Jackson Hole im Fokus…“ schon deshalb falsch, weil Jan Weidmann, eigentlich Jens Weidmann heißt…

Aber wer will schon so viel erwarten...

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