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02.09.2013

06:33 Uhr

Kommentar zum TV-Duell

So macht es wenig Sinn

VonStefan Kaufmann

Das TV-Duell genießt kurz vor der Wahl eine hohe Aufmerksamkeit – und ist für die Zuschauer doch eine große Enttäuschung. Wofür die beiden Duellanten wenig können.

Die Kontrahenten: Das Konzept des TV-Duells hat seine Tücken. AFP

Die Kontrahenten: Das Konzept des TV-Duells hat seine Tücken.

Wie wichtig die Parteien das TV-Duell drei Wochen vor der Bundestagswahl nehmen lässt sich daran erkennen, mit welcher Unterstützerschar die CDU am Sonntagabend ins Studio Adlershof in Berlin einfällt. Die Minister Wolfgang Schäuble, Ursula von der Leyen und Peter Altmaier sind gekommen, Kanzleramtschef Ronald Pofalla ist vor Ort, dazu die Ministerpräsidenten Volker Bouffier und Annegret Kramp-Karrenbauer. Ihr Job: Nach dem Duell den Sieg ihrer Kanzlerin Angela Merkel zu verkünden. Sie führen den Kampf um die Deutungshoheit.

Stefan Kaufmann ist Politikredakteur bei Handelsblatt Online.

Stefan Kaufmann ist Politikredakteur bei Handelsblatt Online.

Dabei hätten Millionen Zuschauer vor den Bildschirmen selbst die Gelegenheit, sich ihr Urteil zu bilden. Hätten. Wäre das Konzept des Duells nicht so angelegt, dass am Ende mehr Fragen offen als beantwortet sind. Schuld daran sind die Protagonisten nur zum Teil. Sie werden wie ihr Publikum Opfer eines rigiden Ablaufplans.

Problem 1: Die Zeiten für die Antworten sind so strikt vorgeben, dass ein Nachhaken nahezu unmöglich ist. Wenn sich einer der Duellanten in Allgemeinplätze flüchtet oder von sich aus ganz das Thema wechselt, ist die Frage verpufft.

Problem 2: Wenn das Themenspektrum der deutschen Innen- und Außenpolitik in 90 Minuten untergebracht werden soll, kann jeder Punkt zwangsläufig nur angerissen werden – so dass den Kontrahenten nichts anderes übrig bleibt, als ein paar Sätze aus dem Wahlprogramm zu zitieren. 

Problem 3: Ein Duell, in dem die Teilnehmer brav nebeneinander stehen anstatt sich Auge in Auge zu begegnen, kann keine Dynamik entwickeln. 

Problem 4: Vier Fragesteller sind mindestens zwei zu viel. Der Ansatz einer Debatte wird im Keim erstickt, wenn nicht nur die Duellanten, sondern auch noch jeder der Moderatoren auf möglichst gleiche Sprechanteile kommen soll.

Fazit: Das Konzept muss dringend überarbeitet werden. Sonst ist das TV-Duell wenig sinnvoll. Es sorgt beim Zuschauer eher für Enttäuschung als für Erkenntnisgewinn. Überaus bezeichnend, dass während der 90 Minuten beim Kurznachrichtendienst Twitter der Halskette von Kanzlerin Angela Merkel die meiste Beachtung geschenkt wurde.

Kommentare (4)

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HofmannM

02.09.2013, 08:22 Uhr

War halt ein großer Einheitsbrei und von Gegenpolen war keine Spur zu sehen. Wir haben seit der letzten Wahl keine Oposition mehr im deutschen Bundestag. Merkel hat die Werte der CDU/CSU veraten und die SPD hat verschlafen gegen diesen Merkel-Dikturstil der politischen Willens-Willkür Stellung zu beziehen. Somit wurde die eigentlich Opostion im Bundestag zum Ja-Sager (Abnicker) der Merkel-Willkür Politik. Die Grünen können sich beruhigt zurück lehen, weil auch dort Fr. Merkel die Positionen der Grünen (Kernkraft-Sofort-Ausstieg, vernichtende Energiewende, menschengemachtes CO2-Klimawandel-Märchen, die wirtschaftliche Vernichtung der deutschen Industrie, die Wohlstandsvernichtung der deutschen Bürger, die insolvente Verschuldung des deutschen Gemeinwesen durch die Rettung von EURO-Banken usw.usw.)komplett übernommen hat. Fr. Merkel hat die Werte der CDU/CSU kompeltt aufgegeben und hat sich die Themen der Grünen und zum Teil der SPD zum Vorbild genommen und diese zum Schaden des gesamten deutschen Volk auch in einer politischen Willkür und im Diktat umgesetzt!
(...)
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willi

02.09.2013, 16:28 Uhr

Solch eine Sendung ist per se Quark. Das Fernsehen muß viel zu vorsichtig sein, daß es wirklich heiß würde.
In einem Punkt hat der Forist "HofmannM" recht, wir haben eh keine Opposition.
Leider hat die SPD keine eigenen Ideen für die Mitte der Gesellschaft mehr. Nur mit Streicheln der Minderheiten und unbezahlbaren (und unvernünftigen) Geschenken geht nichts. Die SPD bräuchte wieder Schröders und Schmidts.

Account gelöscht!

03.09.2013, 09:57 Uhr

Welche Frage wird durch ein solches TV-Duell überhaupt beantwortet?
Eigentlich nur die, wer der bessere Schwätzer ist.
Ok, das war wie erwartet Steinbrück - und jetzt?
Als Kanzler kann ich mir diesen Herrn weiterhin nicht vorstellen, und wählen werde ich weder Merkel noch ihn.

Sinn HAT dieses Duell also ohnehin keinen und der Autor sollte bessere deutsche Sprache "machen".

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