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20.01.2014

10:23 Uhr

Kommentar zur Deutschen Bank

Gefallene Helden

VonFrank Wiebe

Auf Basis stetiger Gewinne haben Anshu Jain und Jürgen Fitschen den Kulturwandel gepredigt. Jetzt brechen die Gewinne weg. Die Aktie rauscht in den Keller, Investoren sind verunsichert. Was bleibt vom Kulturwandel übrig?

Frank Wiebe ist Handelsblatt-Redakteur in New York. Frank Beer für Handelsblatt

Frank Wiebe ist Handelsblatt-Redakteur in New York.

Kein Wunder, dass Jürgen Fitschen, der zusammen mit Anshu Jain die Deutsche Bank leitet, in letzter Zeit gegenüber Kritik etwas dünnhäutig war. Auch die in der Öffentlichkeit liebevoll gepflegte Debatte über die „Kultur“ seiner Bank dürfte ihm zuweilen mächtig auf die Nerven gegangen sein. Denn das überraschend früh veröffentlichte, überraschend schlechte Ergebnis fürs vierte Quartal 2013 zeigt: Bei der Deutschen Bank geht es derzeit nicht um kulturelle Feinheiten, sondern schlicht ums Geld.

Dabei dürfte die Investoren weniger der hohe Aufwand für juristische Probleme stören, der vor allem für den Verlust verantwortlich war. Denn sie schauen nach vorn. Und da wird sie die Schwäche im Kerngeschäft der Bank erheblich mehr stören.

Die Deutsche Bank hat ihr Geschäft seit langem auf einer recht schmalen Basis betrieben. Im traditionellen Banking ist sie vor allem im Heimatmarkt gut vertreten. Aber erstens ist Deutschland dafür ein schwieriger Markt, zweitens ist ihr Marktanteil zu Hause bescheiden und drittens lässt sich gerade bei den heute extrem niedrigen Zinsen mit schlichtem Geldverleihen nur schwer Geld verdienen.

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Auf dieser schmalen Basis hat die Bank vor allem unter Josef Ackermann, dem Vorgänger von Fitschen und Jain, ein sehr gut laufendes Kapitalmarktgeschäft aufgebaut. Jain war dabei die entscheidende Figur: Er hat in London riesige Gewinne eingefahren und sich damit auch seinen heutigen Chefposten verdient. In den USA gilt die Bank von je her als „Traders shop“: als Geldhaus, das mehr vom Handel an den Märkten als von einer breiten Kundenbasis lebt.

Aber die Zeit hat sich geändert. In der Ära Ackermann gaben die Kapitalmärkte Rückenwind, wenn man von der Finanzkrise absieht: Aber die hat die ganze Branche getroffen und diejenigen zu Helden gemacht, die wenigstens ohne Staatshilfe überlebt haben.

Heute und wahrscheinlich auch in Zukunft bringen die Kapitalmärkte aber weit weniger Gewinn ein. Nach einer jahrzehntelangen Tendenz zu sinkenden Zinsen und steigenden Bewertungen hat sich in den USA schon 2013, in Vorwegnahme einer etwas anziehenden Geldpolitik, der Trend umgedreht. In Europa wird das in einigen Jahren auch passieren.

Kommentare (10)

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Werkmeister

20.01.2014, 12:04 Uhr

20.1.14 Die Deutsche Bank, die in den Augen vieler Deutscher federführend für den Raubeinkapitalismus der Vergangenheit steht, muss nun für die Fehler aus der Vergangenheit bezahlen. Möge die reumütige Umkehr zu einer menschenwürdigen Kultur gelingen. Doch müssen zuerst die Taten folgen. Keinem Gestrauchelten glaubt man auf dem ersten Blick und noch wird in den Handelssälen der DB gezockt, was das Zeug hergibt. Abwarten und Tee trinken.....Wolfgang Werkmeister, Buchautor, Eschborn

tokchii

20.01.2014, 12:21 Uhr

Nun, nach Jahrzehnten im Vorstand ist tendenziell auch Ackermann zur Verantwortung zu ziehen.
Und auch ihm ist zu erklären, dass Betrug, selbst wenn politisch abgesichert und gedeckt, keine akzeptable Geschäftsmethode ist.
Klar gerät die Deutsche ins Schwanken, wenn sie jetzt weder Devisenkurse noch Libor, Eurobor usw. manipulieren darf.
Banking können die Mitarbeiter leider nicht wirklich.

Klauspaul

20.01.2014, 12:37 Uhr

Die Deutsche Bank und ihre Firmen"kultur" ist schon ein Kapitel für sich. Was hier als typische "Firmankultur" galt und vermutlich noch gilt wird in anderen Lebenskreisen m.E. üblicherweise als "grenzwertige Grauzone" wenn nicht gar als "strafrechtlich relevant" bezeichnet.
Wie in einer Institution, die in erster Linie durch Beteiligung an allen mittleren bis größeren Skandale der Finanzwelt maßgeblich beteiligt war, eine andere Kultur eingeführt werden soll bleibt rätselhaft, denn m.E. ist doch genau diese "Kultur" auch das Geschäftsmodell...
Meine ganz persönliche Meinung, nachdem ich dem Institut bereits in den 0-er Jahren den Rücken kehrte, denn Privatkunden waren damals erklärtermassen lästige Anhängsel...und wurden auch so behandelt.

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