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05.06.2014

18:04 Uhr

Kommentar zur EZB-Entscheidung

Kein Grund zum Jammern!

VonJan Mallien

Die EZB greift zu drastischen Mitteln, um die Inflation anzufachen. Davon werden langfristig auch die deutschen Sparer profitieren. Sie sollten nicht auf das Gejammer von Bank-Funktionären hören.

Mallien Jan

Jan Mallien, geldpolitischer Korrespondent.

Mario Draghi hat nicht zu viel versprochen. Die heute verkündeten Maßnahmen der EZB gehen  weiter als bisher. Strafzinsen für Banken sind dabei nur ein kleiner Baustein von vielen. Diese Entscheidung  wird in Deutschland für große Aufregung sorgen, aber sie ist richtig. Wenn die EZB untätig geblieben wäre, hätte sie gegen ihr eigenes Mandat verstoßen.

Im Mandat der EZB ist als primäres Ziel Preisstabilität festgeschrieben. Die EZB definiert diese als eine Preissteigerung von nahe zwei Prozent. Davon ist die Eurozone ganz weit entfernt. Im Mai lag die Inflation gerade mal bei 0,5 Prozent – knapp 1,5 Prozentpunkte unter dem Ziel.  Draghi musste handeln, um seine Glaubwürdigkeit zu bewahren.

Man stelle sich einmal vor, die Inflation würde im gleichen Umfang nach oben vom Ziel der EZB abweichen. Bei einer Preissteigerung von 3,5 Prozent wäre völlig klar, dass die EZB massiv eingreift. Das Inflationsziel der EZB gilt aber aus guten Gründen in beide Richtungen – nach unten wie nach oben. Eine besonders niedrige Inflation ist mindestens genauso gefährlich, wie eine besonders hohe. Denn gegen hohe Inflation gibt es bewährte Mittel, mit denen die Zentralbanken jahrzehntelange Erfahrung haben. Im Kampf gegen Deflation tappen sie hingegen weitgehend im Dunkeln. Erfahrungen gibt es bisher vor allem aus Japan – und die sind nicht sehr ermutigend.

Deshalb ist es so wichtig, dass die EZB eine Spirale nach unten vermeidet. Wenn erst mal die Inflationserwartungen zurückgehen und die Tarifparteien das in den Lohnabschlüssen berücksichtigen, verstärkt sich der negative Preistrend von selbst. Rechnen Unternehmen und Verbraucher mit sinkenden Preisen, investieren sie zögerlicher. Gleichzeitig erhöht Deflation die Last der Schulden. Eine solche Spirale ließe sich nur schwer stoppen.

Bezeichnend ist, dass die Entscheidung für die Maßnahmen diesmal einstimmig fiel. Selbst der sonst so kritische Bundesbank-Chef Weidmann stimmte diesmal dafür. Die Risiken der Aktion sind überschaubar. Ein dramatischer Anstieg der Inflation ist eben so wenig zu erwarten wie größere Investitionsblasen.

Die von Draghi verkündeten Maßnahmen stützen die Inflation und das Wachstum in der Eurozone. Damit tragen sie dazu bei, dass die Wirtschaft in der Eurozone schneller zur Normalität zurückkehrt. Wenn das geschafft ist, werden auch die Zinsen wieder steigen. Ironischerweise wären dann die Sparer die größten Gewinner von Draghis Schachzug.

Kommentare (23)

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Account gelöscht!

05.06.2014, 18:15 Uhr

Hier ist eine Abmahnung und bei mangelnder Wirkung eine
Kündigung des Arbeitgebers zu empfehlen.

Account gelöscht!

05.06.2014, 18:20 Uhr

Don't drink and write!

Account gelöscht!

05.06.2014, 18:24 Uhr

Herr Mallien,

wie heißt denn Ihr Mittelchen, das man schlucken muß, um eine solche Sicht der Dinge zu entwickeln?

Ich könnte es dringend brauchen, da sich meine Altersvorsorge (Lebens- Renten- und Direktversicherung, Cash) geade in Luft auflöst.

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