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01.04.2014

13:25 Uhr

Kommentar zur Lufthansa

„Unkulant, teuer und unflexibel“

Handelsblatt-Online-Redakteur Jürgen Röder ist einer der 425.000 Passagiere, die vom Pilotenstreik der Lufthansa diese Woche betroffen sind. Vom Service der Fluggesellschaft im Ausnahmezustand ist er enttäuscht.

Warten auf den Ferienflug: Viele Passagiere starten wegen des Pilotenstreiks bei der Lufthansa mit Ärger in ihren Urlaub. Getty Images

Warten auf den Ferienflug: Viele Passagiere starten wegen des Pilotenstreiks bei der Lufthansa mit Ärger in ihren Urlaub.

Düsseldorf„Lufthansa – Nonstop you“ – mit diesem Slogan wirbt die Fluggesellschaft mit dem Kranich-Logo. Für mich als Betroffener des Pilotenstreiks klingt dies wie pure Ironie. Nach meinen Erfahrungen der vergangenen Tage hat die größte deutsche Airline andere Attribute: „unkulant, teuer und unflexibel“.

Zur Vorgeschichte: Meine Frau und ich hatten eine Reise nach Neuseeland gebucht - mit einem Stopp in Hongkong. Der erste Flug am Mittwoch (2. April) von Frankfurt aus zur chinesischen Sonderverwaltungszone per Lufthansa, der Weiterflug mit Air New Zealand, einem Lufthansa-Partner innerhalb des Airline-Bündnisses Star Alliance, zur Hauptstadt Auckland. Rückflug über die Osterfeiertage mit den gleichen Airlines, nur mit Zwischenstopp in Schanghai anstelle von Hongkong.

Die ersten Sorgen kamen mir am Freitag vergangener Woche. An diesem Tag rief die Gewerkschaft zu einem dreitägigen Pilotenstreik auf. Startschuss am Mittwoch, genau an dem Tag, an dem ich fliegen wollte. Auch der Hinweis von Kollegen, dass zunächst Kurzstrecken gestrichen werden, konnte mich nicht beruhigen.

Streiks im deutschen Luftverkehr

5. März 2008

Auf dem Frankfurter Flughafen legen laut Gewerkschaft Verdi rund 2.000 Mitarbeiter von Vorfeld, Passagierkontrolle und Werkstätten für vier Stunden ihre Arbeit nieder.

23. Januar 2009

Wegen eines Warnstreiks des Kabinenpersonals fallen 44 Flüge von und nach Frankfurt aus. Die Flugbegleiter-Gewerkschaft UFO verlangt Tariferhöhungen.

Februar 2012

Bei einem tagelangen Arbeitskampf in Frankfurt fallen mehr als 1.700 Flüge aus. Die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) will für Verkehrsdisponenten, Vorfeldlotsen und Flugzeug-Einweiser mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen erzwingen.

27. März 2012

Wegen Warnstreiks an den Flughäfen in Frankfurt/Main, Köln/Bonn, Düsseldorf, München, Stuttgart, Bremen und Hannover fallen Hunderte Flüge aus. Über Stunden sorgen die von der Gewerkschaft Verdi vertretenen Mitarbeiter von Feuerwehr, Gepäckabfertigung und Bodenverkehrsdiensten dafür, dass nicht mehr viel geht.

7. September 2012

Die Flugbegleiter-Gewerkschaft UFO verursacht den bis dahin größten Ausfall an einem einzigen Streiktag in der Geschichte der Lufthansa. Rund 1.000 Flüge werden gestrichen, mehr als 100.000 Passagiere sind betroffen. Bei zwei Streikwellen in den Tagen zuvor waren insgesamt bereits rund 500 Flüge ausgefallen.

Januar/Februar 2013

Streiks des Sicherheitspersonals privater Dienstleister legen mehrere deutsche Flughäfen mehrfach weitgehend lahm. In Hamburg, Düsseldorf und Köln/Bonn kommt es zu massiven Behinderungen.

22. April 2013

Die Gewerkschaft Verdi ruft zu einem ganztägigen Warnstreik auf, um Forderungen nach Jobgarantien und 5,2 Prozent mehr Geld durchzudrücken. Das Bodenpersonal der Lufthansa sorgt dafür, dass von 1.720 geplanten Flügen nur noch 32 stattfinden.

21. Februar 2014

Private Sicherheitsleute legen mit einem 21-stündigen Warnstreik den Frankfurter Flughafen nahezu lahm. Verdi fordert für die Beschäftigten einen Einheitsstundenlohn von 16 Euro.

2. April 2014

Im April kommt es zum längsten Arbeitskampf der Piloten bei der Lufthansa jemals. Die Vereinigung Cockpit (VC) ruft ihre Mitglieder bei Lufthansa, Lufthansa Cargo und Germanwings auf, für drei Tage die Arbeit niederzulegen. Die Lufthansa reduzierte in diesen Tagen ihr Flugplanangebot stark und strich insgesamt 3800 Flüge, wodurch weit über 400.000 Passagiere betroffen waren.

29. August 2014

Die Gewerkschaft Cockpit ruft Piloten der Lufthansatochter Germanwings zum Arbeitsausstand auf. Streitpunkt sind vor allem die Regelungen zur Übergangsversorgung der bei Lufthansa angestellten Piloten. Von dem sechsstündigen Streik an sieben Standorten sind 116 von 164 Germanwings-Flügen an dem Tag betroffen, 15.000 Passagiere können nach Angaben der Airline nicht wie gewohnt reisen.

Am Montag (31. März) dann der Schock: Die Lufthansa informierte per Homepage über die ausgefallenen Flüge. Meiner nach Hongkong ist auch dabei. Es folgten hektische Telefonate und meine Versuche, möglichst schnell einen Ersatzflug zu finden. Schließlich waren nicht nur alle vier Flüge bezahlt, sondern auch die Hotels vor Ort.

Erwartet hatte ich, dass mir die Lufthansa eine kostenfreie Umbuchung für eine Airline aus ihrem Star-Alliance-Netzwerk anbietet. Doch weit gefehlt. Kostenlose Umbuchungen gibt nach Auskunft des Lufthansa-Reisebüros nur, wenn die Fluggesellschaft zur Lufthansa-Gruppe zählt – so wie Eurowings, Air Dolomiti, Swiss, Austrian Airlines und Brussel Airlines. Doch die fliegen entweder nicht nach Hongkong oder die Flüge waren selbstverständlich ausgebucht.

Kommentare (7)

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01.04.2014, 13:41 Uhr

"Unkulant", "teuer" und "unflexibel" sind in der Wirtschaft i.d.R. Synonym für ein und dieselbe Richtung: Ins Aus.

Account gelöscht!

01.04.2014, 13:45 Uhr

Und darum fliege ich nicht mit der Lufthansa.

Account gelöscht!

01.04.2014, 14:14 Uhr

Ich bin von Lufthansa nach wie vor überzeugt.
Zahle gerne etwas mehr.

Und freundliches Personal.
Und wer böse schaut und unfreundlich ist kommt zu Air Berlin.

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