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21.05.2012

19:26 Uhr

Kommentar

Zurück in die Zeitung

VonPeter Littger

Printmedien gelten vielen als staubiges Opfer moderner Online-Angebote. Doch nun sind Website-Inhalte so erfolgreich, dass in ihrem Schatten auch gedruckte Medien wieder in Mode kommen - finden sie wieder eine Nische?

Eine historische Ausgabe der New York Times. Heute droht dem Blatt das Aus. dapd

Eine historische Ausgabe der New York Times. Heute droht dem Blatt das Aus.

Früher war alles verdammt digital. Früher – das war noch vor drei Jahren. Seitdem ist das gedruckte Wort wieder da. Entschleunigung durch gelegentliches Erscheinen. Schaulust auf dem Coffeetable. Haptik durch Papier.

Es gibt diesen Wunsch nach einer gewissen Balance – weniger auf Monitore zu starren und zu klicken, sondern mehr zu blättern. Auf Papierseiten Ruhe und eine wohlig altmodische Art der Erkenntnis zu finden. Ist das Berühren, das Lesen und das Betrachten von Papier ein Grundbedürfnis – eines, das sich in 560 Jahren seit Gutenbergs Druckmaschine in unseren Genen verankert hat?

Es gibt einige starke Anzeichen dafür. Zum Beispiel auf der „Rue89“ in Paris. Fünf Journalisten protestierten 2007 gegen die Übernahme ihrer Tageszeitung „Liberation“ durch den Magnaten Edouard de Rothschild. Der verstand die Befreiung anders als sie: runter von Redaktionskosten und weg mit linker Ideologie. Sie gründeten eine eigene Redaktion mit der revolutionären Chiffre 89. Frankreich 1789. Europa 1989. Und das Internet, ebenfalls 1989, denn damals wurde das TCP/IP Protokoll populär. „Eine globale Revolution“, betont Chefredakteur Pascal Riché.

Mitgenommen von „Liberation“ hatten die fünf Journalisten eine Vorliebe für pointierte Texte und anschauliche Illustrationen. „Das passte gut ins Internet. Außerdem hatten wir kaum Geld“, erinnert sich Riché. Also gründete man nur – pardon! – eine Website: „rue89.com“

Nachdem sie zwei Millionen so genannte page visitors angezogen hatte, etwa mit Skandalgeschichten rund um die Wahl von Präsident Nicolas Sarkozy, entschieden die Gründer im Jahr 2010, mit den Themen der Website eine Monatszeitschrift herauszugeben: „Rue89“. Das Magazin hat sich etabliert. Es ist meinungsstark, farbig, eindringlich – eine veritable Konkurrenz für „Liberation“, wenn auch noch eine kleine.

Viele Thesen sind in den letzten 20 Jahren über die Zukunft von gedruckten Medien aufgestellt worden. Die meisten waren pessimistisch. Bücher, Magazine, Kataloge, Zeitungen – allem wurde das Ende prophezeit. 2006 fragte der „Economist“: „Who killed the newspaper?“ Die Antwort war salomonisch: Das Internet sei der Mörder, aber es verdränge nur das Papier – nicht den Journalismus. Die Macht der vierten Gewalt werde im Netz neu aufblühen. Und das ist ja nicht ganz falsch, wenn man nur an all die Wikis denkt.

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