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24.04.2012

21:24 Uhr

Kontrolle behalten

Europas Kräftemessen mit dem Reich der Mitte

VonFrank Sieren

Der Ton zwischen Europäern und Chinesen wird rauer. Sie streiten um politische Punktsiege und kurzfristige gesellschaftliche Vorteile. Dabei steht eine Menge auf dem Spiel. Es geht auch um beiderseitigen Nutzen.

Ein Mitarbeiter von Putzmeister montiert eine Betonpumpe. Das Unternehmen wurde vom chinesischen Konzern Sany gekauft. dpa

Ein Mitarbeiter von Putzmeister montiert eine Betonpumpe. Das Unternehmen wurde vom chinesischen Konzern Sany gekauft.

Das europäisch-chinesische Verhältnis tariert sich aus, sagen Diplomaten anlässlich der Europareise von Premierminister Wen Jiabao. Und Bundeskanzlerin Merkel sprach zur Eröffnung der Hannover Messe salomonisch von China als „Wettbewerber und Partner“.

Tatsächlich messen Europa und China immer mehr ihre Kräfte. Das boomende Reich mit fast dreimal so vielen Einwohnern wie die EU will sich von Europa nicht mehr sagen lassen, was richtig und was falsch ist. Umgekehrt wollen die Europäer ihre noch knapp dreimal so hohe Wirtschaftskraft sich nicht von Chinesen aushöhlen lassen.

In diesem Spiel wird China stetig mächtiger. Die deutschen Unternehmen merken dies täglich. Besonders die Autohersteller, die inzwischen zum Teil über 25 Prozent ihrer Fahrzeuge in China verkaufen. Weil der chinesische Markt ihr Wachstum prägt, lassen sie sich von Peking allerlei gefallen.

Frank Sieren. Der Bestsellerautor ("Der China-Schock") gilt als einer der führenden Chinakenner.

Der Bestsellerautor Frank Sieren („Angst vor China“) gilt als einer der führenden Chinakenner.

Freiwillig hätte VW sein neues Werk, dessen Bau Wen und Merkel gestern offiziell besiegelt haben, nicht in Urumqi tief im Westen des Landes gebaut. Solange die Wolfsburger gut daran verdienen, unterdrücken sie ihren Ärger. Aber Peking muss sich nicht wundern, wenn Politiker kühl mit den gärenden Aversionen gegen China spielen.

Umweltminister Norbert Röttgen hatte schon im Januar gewarnt, China wolle mit Subventionen die deutsche Solarindustrie in den Ruin treiben. Das kommt gut an beim Wähler. Dass die deutsche Solarindustrie auch ein wenig subventioniert wurde, hat er dabei nicht erwähnt.

Die Chinesen sind allerdings ebenfalls nicht zimperlich. Sie weigern sich weiterhin, neue Airbus-Jets zu kaufen, weil die EU Emissionsabgaben für Flugzeuge einführen will, die nach Europa fliegen. Und die Europäer wiederum haben angekündigt, Länder von der Beteiligung an öffentlichen Aufträgen auszuschließen, die ihrerseits ihren Markt nicht für europäische Unternehmen öffnen.

Ein Wink vor allem in Richtung China. Dabei wären Europa und China besser beraten, enger zusammenzuarbeiten. Derzeit jedoch wächst die Furcht, den Kürzeren zu ziehen. Das gilt für die große Politik ebenso wie für den Mittelstand, wie sich bei der Übernahme des Betonpumpenherstellers Putzmeister durch seinen chinesischen Wettbewerber Sany zeigt.

Der Sany-Deal offenbart, welche Problemzonen die Kooperationsbereitschaft deutscher und chinesischer Mittelständler nachhaltig vergiften könnten. Zunächst ist da die latente China-Feindlichkeit im deutschen Mittelstand. Viele Unternehmer nicht nur in Baden-Württemberg haben „Verrat“ gemurmelt, als sie von der Übernahme hörten.

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