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07.03.2006

22:52 Uhr

Krankheit deutscher Arbeitnehmer

Gesunde Wettbewerbsfähigkeit

VonJeremy Rifkin (Leiter der Foundation on Economic Trends in Washington)

Ob Asthma oder Konzentrationsmangel - wenn der deutsche Arbeitnehmer krankt, leidet nicht nur der Betroffene. Längst haben Unternehmen erkannt: Ein Investment in das Wohlbefinden ihrer Mitarbeiter lohnt sich. Denn mit der Fitness der Angestellten steigt auch die Produktivität für das Unternehmen.

Was schränkt die Produktivität und die internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft am meisten ein? Während einige Analysten meinen, eine inflexible Arbeitsmarktpolitik, Bildungsdefizite oder gar risikoscheues Management seien für die unbefriedigende Arbeitsproduktivität hier zu Lande verantwortlich, kommt langsam eine andere, beunruhigende Wahrheit an die Oberfläche. Deutsche Arbeitnehmer leiden an einer ganzen Reihe von chronischen Krankheiten, und ihr schlechter gesundheitlicher Allgemeinzustand wirkt sich zunehmend negativ auf die Produktivität und die Gesundheitskosten sowohl für Arbeitgeber als auch für die Arbeitnehmer selbst aus. Deshalb sind deutsche Unternehmen nicht so wettbewerbsfähig, wie sie es sein könnten, was die Aussichten der Wirtschaft insgesamt bedroht. Sie glauben das nicht? Hier sind die Fakten.

Genauso wie ihre amerikanischen Kollegen werden auch die deutschen Arbeitnehmer zunehmend dicker, kümmern sich weniger um ihre Fitness, rauchen immer noch und trinken viel zu viel. Sie geraten deshalb schneller in Stress und werden so insgesamt anfälliger für das, was wir gerne als Wohlstandskrankheiten bezeichnen. Erkrankungen etwa wie Typ-2-Diabetes, Herz- oder Lungenerkrankungen wie Asthma, Krebs, Schlaganfälle, Depressionen und allgemeiner Konzentrationsmangel.

Wie krank sind die deutschen Arbeitnehmer? Fettleibigkeit nimmt überall in Deutschland exorbitant zu. Obwohl die Deutschen nicht ganz so dick sind wie die Amerikaner, von denen man rund ein Drittel als stark übergewichtig bezeichnen kann, schließt Deutschland hier sehr schnell auf. Jeder fünfte Arbeitnehmer hat mittlerweile Übergewicht. Deutsche gehören zu den dicksten Menschen in ganz Europa.

Im Gegensatz dazu ist die Quote der Übergewichtigen in Japan und Korea nur 3,2 Prozent. Viele andere asiatische Länder haben einen ähnlich niedrigen Prozentsatz. Übergewicht ist einer der Hauptgründe für die Typ-2-Diabetes-Erkrankung und ist hauptverantwortlich für die Zunahme von Herzinfarkten, Krebs und Schlaganfällen. Ein Drittel aller Kosten im deutschen Gesundheitssystem entfällt auf diese Erkrankungen.

Rauchen ist natürlich ebenso ein wichtiger Faktor für den schlechten Gesundheitszustand deutscher Arbeitnehmer. Obwohl der Prozentsatz derjenigen, die rauchen, von 35 Prozent bei den Erwachsenen im Jahr 1980 auf 25 Prozent im Jahr 2003 zurückgegangen ist, liegt er immer noch sehr viel höher als in den USA, wo nur 17 Prozent der Erwachsenen rauchen.

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