Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

30.01.2007

05:57 Uhr

Kredite

Gründlich verpfuscht

VonFrank Wiebe

Stellen Sie sich vor, jemand nimmt einen hohen Kredit auf und verunglückt kurze Zeit später tödlich mit dem Auto. Dann bleibt die Familie auf den Schulden sitzen. Ein schreckliches Szenario.

Um wenigstens die finanziellen Folgen solcher und ähnlicher Schicksalsschläge abzumildern, wurde schon vor Jahrzehnten die so genannte Restschuldversicherung erfunden. Diese sorgt dafür, dass beim Tod des Kreditnehmers die restlichen Schulden getilgt werden. Es handelt sich also um eine Lebensversicherung, deren Summe sich jeweils genau dem Kreditverlauf anpasst. Leider bietet diese Versicherung heute ein Beispiel dafür, wie man ein gutes Produkt gründlich verpfuschen kann. Die Banken verkaufen es oft im Paket mit Kleinkrediten, bei denen es nur von sehr begrenztem Nutzen ist. Sie haben es erweitert etwa um die Absicherung bei Arbeitslosigkeit und damit die Kosten hoch getrieben. Und sie kassieren saftige Provisionen nach dem Motto: für das Schaufenster der niedrige Zins und für uns die verdeckten Zusatzerträge aus der Versicherung.

Die Folge: Die Verbraucherschützer laufen Sturm. Die Stiftung Warentest hat auch auf Grund dieser Versicherungen bei ihrem jüngsten Beratungstest einigen renommierten Banken grottenschlechte Zensuren erteilt. Dabei neigen die Verbraucherschützer leider dazu, das Produkt insgesamt zu verteufeln. Sinnvoller wäre es, Druck auf die Banken auszuüben, dass diese es zu realistischen Preisen anbieten. Außerdem sollten sie den Verbrauchern sagen, dass man für große Kredite auch vernünftige Absicherungen bekommen kann: Man muss sie eben einzeln bei einem preisgünstigen Versicherer erwerben. Denn letztlich ist niemandem gedient, wenn mehr Familien nach einem Unglücksfall auf einem Haufen Schulden sitzen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×