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10.01.2007

05:39 Uhr

Kreditkartenkunden

Ausgeforscht und ahnungslos

VonSonja Shinde

Gescannt und ausgeforscht: Beim jüngsten Schlag gegen Kinderpornografie im Internet sollen rund 20 Millionen Kreditkarteninhaber durchleuchtet worden sein. Der Kunde ist gläsern, die Kartenunternehmen dagegen lassen Transparenz vermissen.

Niemand muss Angst vor staatlicher Willkür haben. Bei schweren Unfällen mit Fahrerflucht wird auch bundesweit nach Autos gefahndet, die Zeugen an der Unfallstelle gesehen haben wollen. In diesem Fall hat die Staatsanwaltschaft gezielt nach Pädophilen gesucht, auf die bestimmte Suchkriterien beim Zahlen via Kreditkarte passten. Und nur diese Daten, insgesamt 322 Sätze, hat sie auch bekommen. Dazu sind die Kartenunternehmen und ihre Dienstleister per Gesetz verpflichtet. Selbst Datenschützer werten dies als „rechtlich unproblematisch“. Und dennoch beschleicht auch unbescholtene Kunden ein unbehagliches Gefühl. 20 Millionen Kundendaten mal eben so zu durchforsten, das ist kein Problem mehr im Zeitalter der Hochleistungsrechner. Der Kunde ist längst ein gläserner, nicht nur bei Kreditkartenunternehmen, das gilt auch für Auslandsüberweisungen, die der große Bruder in den USA überwacht. Und der Fiskus hat jederzeit Zugriff auf Kontendaten. Wer das nicht wahrhaben wollte, weiß es spätestens jetzt.

Dagegen lässt sich allerdings wenig ausrichten, auch wenn zum Beispiel die Kreditkartenunternehmen die Offenheit schuldig bleiben, die ihre Kunden erwarten. Denen bleibt allen Beteuerungen zum Trotz nur das Unbehagen. Denn aufgeklärt werden sie auch im Nachhinein nicht. Da mutet es fast skurril an, wenn die zuständige Datenschützerin für die Finanzbranche Beschwerden prüfen könnte, aber nichts zum Prüfen hat. Kein Wunder, schließlich erfahren Kunden nur von der Kontrolle, wenn der Staatsanwalt klopft. Da täte Transparenz gut.

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