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02.02.2007

05:50 Uhr

Leitartikel

Amerika denkt grün

VonMatthias Eberle

Unter die vielen Werbebotschaften in den USA mischen sich dieser Tage auffällig viele Naturbilder: Wiesen und Weiden in saftigem Grün. Und Maisfelder, immer wieder Maisfelder. Aber die Idee stammt nicht von „Greenpeace“, sondern aus den Chefetagen der Energiefirmen, Autobauer und Konsumgüterkonzerne.

Die US-Wirtschaft, die mit dem Begriff Nachhaltigkeit jahrelang vor allem höhere Kosten verband, denkt 2007 in Grün. Bisweilen sind viele Kampagnen von Wal-Mart & Co. noch als bloße Imagepolitur zu enttarnen, die das öffentliche Bild vom verantwortungslosen Großkapital korrigieren soll. Doch bei den bunten Werbefilmen und Sonnenscheinfotos wird es nicht bleiben. Der Druck hat sich derart verstärkt, dass US-Firmen keinen Sinn mehr darin erkennen, beim Klimaschutz mit beiden Beinen auf der Bremse zu stehen. Selbst der raue Ölmulti Exxon, der bis zuletzt umstrittene Studien von Klimaschutzskeptikern finanzierte, gelobt Einsicht.

Die Gründe für den Wandel sind vielfältig. Das nach dem Machtwechsel im Kongress und angesichts nahender Präsidentenwahl veränderte politische Klima in den USA trägt dazu bei. Egal, wer das Rennen um das Weiße Haus machen wird: Amerika wird bald eine grünere Politik betreiben. Die Front der Kyoto-Verweigerer rund um Präsident Bush ist längst nicht mehr geschlossen. Neun der 50 Bundesstaaten haben Auflagen zum Klimaschutz erlassen und drohen mit Alleingängen. Die Lobbyisten von General Electric, Dupont oder Alcoa haben zwar reichlich spät, aber immerhin noch vor der US-Regierung erkannt, wie wichtig es aus wirtschaftlichen Gründen ist, auf das Thema Klima zu reagieren. Die Konzerne reagieren damit auch auf das wachsende Umweltbewusstsein ihrer Kunden. Spätestens die Bilder der versunkenen Stadt New Orleans nach dem Hurrikan „Katrina“ haben Amerika live und in Farbe gezeigt: Der Klimawandel wird zum Problem – tatsächlich! Ein Weihnachtsfest 2006 im kurzärmeligen Hemd hat diese Einsicht noch vertieft.

Wo allein Verbraucher über Gewinn oder Verlust entscheiden, sind Firmen längst alarmiert: Die Milliardenverluste der US-Autobauer, die auf ihren Sprit fressenden Geländewagen sitzen bleiben, sind ein Warnsignal an alle. Handelskonzerne schauen staunend zu, wie die Öko-Supermarktkette Whole Foods ihre Konkurrenz mit teuren Bioprodukten und hohen Gewinnmargen düpiert. Die grüne Welle lockt Investoren: US-Firmen haben 2006 etwa 30

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