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24.01.2007

05:06 Uhr

Leitartikel

Brandstifter im Libanon

VonEwald Stein

Beirut brennt. Wieder einmal. Im letzten Sommer waren es Granaten aus israelischen Kampfflugzeugen, die das Feuer entfachten. Heute ist es die libanesische Opposition, vorneweg die nicht geschwächten islamistischen Milizen, die Lunten legen. Die pro-syrischen Gruppen wollen den Sturz der Regierung erzwingen.

Nun mag es zu früh sein, bereits einen neuen Bürgerkrieg zu prognostizieren. Aber die Erinnerung an die 80er-Jahre wird wach. Denn unter den Folgen dessen, was einst unter den Augen einer tatenlos zusehenden internationalen Gemeinschaft geschah, leidet nicht nur der Libanon bis heute: Es trug auch zur Destabilisierung der Region bei. Deshalb müssen alle, die es können, mäßigend auf die Kampfhähne einwirken. Gefragt sind die Europäer, die Amerikaner und natürlich die Syrer, die im Zedernland nach wie vor machtpolitische Fäden ziehen. Mit Blick auf den Libanon muss die Diplomatie nämlich noch längst nicht am Ende sein. Es bedarf nur der Phantasie.

Die kann sich nicht darin erschöpfen, die Regierung Siniora zu unterstützen. Gewinnt die nicht den Rückhalt der zahlreichen libanesischen Schiiten, wird sie sich nicht mehr lange halten. Auf die morgen beginnende Geberkonferenz für den Libanon in Paris sollte man keine übergroßen Hoffnungen setzen. Geld kann die Diplomatie allenfalls begleiten. Die muss stärker darauf dringen, die schiitische Hisbollah zu demilitarisieren. Dafür gilt es jetzt, auf die Syrer einzuwirken, damit sie der libanesischen Opposition zumindest die materielle Unterstützung in Form von Waffenlieferungen entziehen. Die Möglichkeiten hierfür sollten trotz aller bisherigen negativen Erfahrungen nicht allzu pessimistisch gewertet werden. Resignation ist ein schlechter Ratgeber. Denn sollte auch ein Körnchen Wahrheit an den Informationen sein, dass die Regierung in Damaskus heute durchaus die Vorteile eines Dialogs mit dem Westen auslotet, dann wäre es sträflich, diese Chance verstreichen zu lassen.

Von Syriens martialischer Rhetorik darf man sich jedenfalls nicht blenden lassen. Schließlich ist es inzwischen kein Gerücht mehr, dass die Syrer seit einigen Jahren sogar mit den Israelis Kontakte pflegen. Zwar nur auf informeller, privater Ebene, aber ohne Billigung durch Präsident Assad wäre dies nie und nimmer möglich. Es gibt einen weiteren Hinweis, der wohl ebenfalls mehr ist als ein Gerücht: Die Hisbollah habe den Krieg mit Israel provoziert, weil sie befürchtete, Syrien würde ihr über kurz oder lang die Gunst entziehen. Damit hätte sie Damaskus praktisch in Geiselhaft genommen. Angesichts einer solchen Sachlage haben die Europäer noch eine politische Mission: Sie müssen den Amerikanern klar machen, dass es nur kontraproduktiv sein kann, das Regime in Damaskus auf Dauer wie einen Paria zu behandeln. Denn Präsident Bashir el Assad hat von seinem Vater Hafez gelernt. Dieser beherrschte die politische Kunst, den Fuß stets in den Spalten zweier Türen zu halten. Auch Bashir agiert eben wie ein Levantiner und weiß: Will er mit den USA ins Geschäft kommen, muss er etwas bieten. Es besteht zumindest die Hoffnung, dass er jetzt dazu bereit sein könnte. Dies würde dem Libanon nutzen. Und vielleicht auch den Amerikanern im Irak.

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