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22.11.2013

10:53 Uhr

Libor-Skandal

Ein Pakt mit dem Teufel

VonSebastian Ertinger

Die Schweizer Großbank UBS entgeht im Skandal um die Manipulation der Leitzinssätze einer Strafe der EU. Im Gegenzug liefert das Geldinstitut andere Missetäter ans Messer. Doch der Freibrief sendet ein falsches Signal.

UBS-Gebäude in Zürich: Die Bank entgeht einer Strafe der EU-Behörden. ap

UBS-Gebäude in Zürich: Die Bank entgeht einer Strafe der EU-Behörden.

DüsseldorfHändler mehrerer Großbanken manipulierten wichtige Leitzinssätze wie Libor und Euribor. Nun geht offenbar neben der britischen Barclays auch ein weiterer Hauptakteur der beispiellosen Mogelei straffrei aus, zumindest in der EU. Die Schweizer Großbank UBS lieferte dem „Wall Street Journal“ zufolge der EU-Kommission andere Übeltäter-Institute ans Messer – und handelte sich dafür Straffreiheit aus.

In den Chefetagen anderer Banken des Libor-Klüngels, darunter Deutsche Bank, Royal Bank of Scotland oder Société Générale, kocht die Wut hoch ob dieser Ungerechtigkeit. Zu Recht. Denn wenn die größten Sünder ohne Buße davonkommen, dann hakt etwas im System.

Formal mag der Deal zwischen der UBS und den Ermittlern korrekt sein. Um die oft überaus schwierigen Kartellermittlungen zu erleichtern, beschloss die EU eine Art Kronzeugenregelung: Wer bei der Aufdeckung von Preisabsprachen hilft, der darf bei den eigenen Vergehen auf Milde hoffen.

Sebastian Ertinger ist stellvertretender Redaktionsleiter der Handelsblatt Live App.

Sebastian Ertinger ist stellvertretender Redaktionsleiter der Handelsblatt Live App.

Davon haben bereits Siemens und der Pharmakonzern Aventis profitiert. Siemens petzte sich aus einem Bußgeld für Preisabsprachen bei Transformatoren heraus, Pharmakonzern Aventis kam dank Kronzeugenregelung milde aus einem Vitaminkartell heraus.

Davon profitieren nun UBS und Barclays. Als sich die Schlinge der Ermittler immer mehr zuzog, öffneten sie ihre Archive. Sie lieferten E-Mails und Chat-Protokolle ihrer Händler an die Behörden und halfen, die ganze Dimension des Skandals aufzudecken. Zur Erinnerung: Wertpapiere im Volumen von mehreren hundert Billionen Dollar beruhen auf den manipulierten Leitzinssätzen.

Kommentare (6)

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sowat

22.11.2013, 11:08 Uhr

Wäre nicht alles viel einfacher, wenn wir die Regierungen direkt den Banken übertragen?
Da könnten ein Haufen Abgeordneter wieder einer sinnvollen und produktiven Tätigkeit nachkommen.

Account gelöscht!

22.11.2013, 11:14 Uhr

"n den Chefetagen anderer Banken des Libor-Klüngels, darunter Deutsche Bank, Royal Bank of Scotland oder Société Générale, kocht die Wut hoch ob dieser Ungerechtigkeit. Zu Recht. Denn wenn die größten Sünder ohne Buße davonkommen, dann hakt etwas im System"

Mogelei, Klüngel ... sehr geehrter Herr Redakteur, das sind Wirtschaftsverbrechen, und kein Klüngel, den hab ich vielleicht mit meiner Nachbarin, aber nicht mit einer Bank.

Winfried

22.11.2013, 11:35 Uhr

Ein Pakt mit dem Teufel? Den schliesst der Bürger mit betrügerischen Banken als auch mit ebensolchen Politikern die sich ins Finanzsystem einmischen, Zinsen herunter und die Inflation herauffahren. Das System ist für den Einzelnen nicht mehr durchschaubar und somit nicht mehr kontrollierbar. Dabei haben alle Schuld: Das Maximalprinzip führt zu immer subtileren Betrugsmethoden um Profit zu erwirtschaften.

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