Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

08.10.2014

01:19 Uhr

Lokführer-Streik bei der Bahn

Der Übermacht müssen Grenzen gesetzt werden

VonDana Heide

Streik ist ein wichtiges Grundrecht. Berufsgruppen nutzen es, um ihre Interessen durchzusetzen. Aus ihrer Sicht ist das nur rational. Betreffen Arbeitskämpfe besondere Bereiche, sollten aber auch besondere Regeln gelten.

Lokführer im Bahnhof.

Lokführer im Bahnhof.

Ich bin froh, heute kein Pendler zu sein. Ich bin froh, dass mir die Wartezeiten auf den zugigen Bahnsteigen erspart wurden, die "Sorry, komme zu spät - Streik"-Mails an meine Kollegen und die nervtötenden Durchsagen der Bahn.

Doch ich bin auch froh, dass ich keine Lokführerin bin. Sie dürften einer der meist gehassten Berufsgruppen in diesen Tagen angehören. Dabei nehmen sie nur ein Recht wahr, das ihnen per Grundgesetz zusteht.

Dana Heide ist Korrespondentin in Berlin.

Dana Heide ist Korrespondentin in Berlin.

Und Hand aufs Herz: Wer würde nicht versuchen, ein bisschen mehr Geld in die Lohntüte zu bekommen, wenn sich ihm die Gelegenheit böte? Bei den wenigsten von uns hat ein Streik jedoch einen so großen Effekt wie wenn Ärzte, Lokführer und Piloten die Arbeit niederlegen.

Streikt eine Reinigungskraft, stehen gleich die nächsten fünf Ersatzmitarbeiter bereit, um ihren Platz einzunehmen. Manche Streiks gehen auch schlicht unter - oder wussten Sie, dass bei Amazon seit Wochen immer wieder die Arbeit ruhen gelassen wird?

In einem der aktuelleren "Spiderman"-Filme sagt die Hauptfigur den vielzitierten Satz: "Große Macht bringt große Verantwortung mit sich" - aber selbst Peter Parker macht den Fehler, erst an sich selbst zu denken, anstatt mit dieser Verantwortung richtig umzugehen.

Auch den Lokführern sollte man keinen Vorwurf daraus machen, ihren eigenen Vorteil zu suchen. Denn wer weiß, vielleicht wollen sie mit dem bisschen mehr Geld in der Lohntüte ein Tierheim in der Region unterstützen?

Deutsche Bahn: Bahnstreik trifft Pendler, Verspätungen bis Mittag

Deutsche Bahn

Bahnstreik trifft Pendler, Verspätungen bis Mittag

Der Streik der Lokführer ist beendet, doch für viele Pendler beginnen jetzt die Probleme. Die Bahn rechnet mit Ausfällen und Verspätungen bis zum Mittag. Besonders betroffen: Berlin, Hamburg, München und Stuttgart.

Die Lohnforderungen mal beiseite, trägt dieser Arbeitskampf aber noch einen anderen, etwas komplizierten Konflikt in sich: GDL-Chef Claus Weselsky will auf Teufel komm raus durchsetzen, dass seine Gewerkschaft nicht nur die Tarifverhandlungen für die Lokführer, sondern auch für das übrige Bahnpersonal führt, und er lässt sich daher im Grunde nicht ehrlich und aufrichtig auf Verhandlungen mit der Bahn ein.

Es ist nicht richtig, dass er die Lokführer für seine Machterweiterung instrumentalisiert. Aber: Er kann es. Weil der Gesetzgeber ihn lässt.

Das nächste, was Arbeitsministerin Andrea Nahles jetzt in der Pipeline hat, ist ein Gesetz zur Tarifeinheit. Im November soll ein Gesetzesentwurf dazu vorgestellt werden. Dann soll gelten: ein Betrieb, ein Tarifvertrag. Die Regierung hofft, dass es dank größerer Gesellschaften dann weniger Streiks gibt. Wenn sie sich da mal nicht täuscht.

Kommentare (7)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Fred Meisenkaiser

08.10.2014, 08:03 Uhr

Der Weg hin zur Einheitsgewerkschaft wie im ehemaligen Osten unseres Landes. Dort gab es die Einheitsgewerkschaft FDGB, die gleichzeitig die Interessen des Staates vertaten.
Heute nun soll es nur der Einheits-DGB sein, der fest in den Unternehmen verankert ist, und darauf achtet, dass die Interessen der Mitarbeiter nicht zu stark beachtet werden.

Im Gegensatz dazu gibt es in fast allen Staaten starke Gewerkschaften, die dort in den letzten Jahren wirklich was für die Mitarbeiter erreicht haben - ohne deutschen kuschelkurs natürlich!

Übrigens, als die christliche Gewerkschaft Dumpinglöhne im Osten gegen die IG Metall durchsetzte, sprachen die Arbeitgeber von einer wünschenswerten Liberalisierung der Gewerkschaftswelt. Warum ist das nun anders???

Herr Ylander Ylander

08.10.2014, 08:35 Uhr

In meiner Branche gibt es keine Gewerkschaften, in der Regel auch keine Betirebsräte. Streiks sind nicht zulässig. Der Arbeitnehmer ist ganz der Willkür des Arbeitgebers ausgesetzt. Viele können froh sein, wenn sie alle paar Jahre 2 % mehr bekommen.

Arbeitnehmerrechte werden mit Füßen getreten und Überstunden ohne Ende werden mit keinem Cent vergütet. Urlaub fällt mit 25 bis 27 Tagen auch bescheiden aus. Urlaubs- und Weihnachtsgeld oder Sozialleistungen sucht man auch vergebens.

Vor diesem Hintergrund hält sich mein Verständnis für die GDL sehr in Grenzen.

Herr Martin Winkler

08.10.2014, 08:37 Uhr

Für diese Berufsgruppen gab es einmal den Beamtenstatus. Mäßige Bezahlung gegen Sicherheit des Arbeitsplatzes. Nun wird man der Geister, die man rief, nicht mehr Herr.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×