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28.08.2012

12:12 Uhr

Lufthansa-Streik

Unsolidarisch

VonOliver Stock

Die Interessen einzelner Gruppen gefährden den Konzernerfolg der Lufthansa. Ob Piloten, Techniker oder jetzt Flugbegleiter – sie alle sind sich selbst am nächsten. Der Streik wird so zum Bumerang.

Oliver Stock

Oliver Stock, stellvertretender Chefredakteur des Handelsblatts

DüsseldorfDie freundliche Stewardess, die mich im Flugzeug begrüßt, die das Gepäckfach schließt, die mich ans Anschnallen erinnert und mir den Kaffee serviert – diese Dame soll womöglich mit verbissenem Gesicht und einem Plakat in der Hand an der Gangway stehen und mehr Geld fordern? Klingt unglaublich, ist aber wahrscheinlich.

Bei der Lufthansa stehen die Zeichen auf Streik, seit auch die jüngste Runde der Verhandlungen mit der Gewerkschaft der Flugbegleiter gescheitert ist. Doch dieser Streik kommt zur Unzeit. Er unterstützt die Interessen eines Bereichs, aber er gefährdet das Unternehmen als Ganzes.

Der Konzern steckt in einer Krise. Hohe Benzinpreise, scharfe Konkurrenz, eine nachlassende Konjunktur aber auch eine unveränderte hervorragende Bezahlung der Mitarbeiter machen der Fluglinie zu schaffen, die seit dem Start des ersten Billigfliegers vor 20 Jahren sowieso kein Renditewunder mehr ist. Die Folge: Sie fliegt in den roten Zahlen.

Die Passagiere baden es aus mit weniger Komfort. Einige Angestellten tragen ihren Teil zum Sparen bei, wenn in der Verwaltung wie geplant 3500 Stellen wegfallen. Unterm Strich will Konzernchef Christoph Franz so 1,5 Milliarden Euro sparen. Die fetten Jahre bei der Lufthansa sind damit endgültig Vergangenheit.

Wenn jetzt das Kabinenpersonal streikt, ist das gegenüber all denen, die Opfer bringen müssen, unsolidarisch. Der Corpsgeist, der dieses Unternehmen einst auszeichnete, ist Abteilungs-Egoismen gewichen. Mal sind es die Piloten, mal die Techniker, mal eben die Flugbegleiter, die ihre Interessen ganz nach vorne stellen.

Wo kein Geld zum Verteilen da ist, sucht der Konzern nach Alternativen: Sie heißen zum Beispiel Leiharbeit. Oder Ausgliederung des Personals in Tochterfirmen, die mit billigeren Verträgen arbeiten. Alles Maßnahmen jedenfalls, die das Lächeln der Stewardess endgültig gefrieren lassen. Dies kann auch ein Streik nicht abwenden.

Kommentare (57)

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jjussuff

28.08.2012, 12:45 Uhr

leider vollkommen verkehrte darstellung: die wirtschaft hier an land macht gerade genau das durch, was es in der seefahrt vor 30 jahren schon geschah. hier braucht sich bitte keiner mehr zu wundern. vor 30 jahren wurde der deutsche seemann zu teuer, weil er nicht wie der kollege von den philipinen für einen appel und ein ei über den teich gefahren ist. der deutsche wurde ganz einfach zu teuer. resultat ausflaggung... dasselbe geschah vor zwanzig jahren mit dem normalen gesselen an land. produktion und löhne wurden zu teuer, resultat: outsourcing (ab nach china). nun ist halt auch mal die saftschubse in einer 747 mal dran. transport darf nix kosten. das die stewardess, und alle anderen werktätigen, aber zu hohe lohnnebenkosten hat, weil sie hier in deutschland für fast 30 mio unter naturschutz stehender transferempfänger und für einen zu teuren staatshaushalt mitbezahlen muss, wird nicht erwähnt. logisch wäre, die lohnnebenkosten sowohl für arbeitgeber als auch für arbeitnehmer mindestens um 30% zu senken. eine andere möglichkeit wäre auch, eeg und öko-, und mineralölsteuer (und diverse andere abgaben) zu streichen. aber das wird dieser staat (ddr 2.0) nie tun.

Schreiberlinge_zur_Leiharbeit

28.08.2012, 12:59 Uhr

Wann kommt eigentlich endlich der erste Verleger, der flächendeckende Leiharbeit für überversorgte und überbezahlte festangestellte Journalisten/innen einführt?!
Liebe Verleger, mit Freiberuflern gehts doch auch und viellllllllll billiger

Atman

28.08.2012, 13:13 Uhr

Leiharbeit,400 Euro Jobs,Auslagerung usw machen unser
Land kaputt,da die Politik tatenlos zuschaut.

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