Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

06.04.2012

11:09 Uhr

Mein Kopf gehört mir

Statements aus der Politik

Weit mehr als hundert Vertreter aus Kunst, Medien, Wirtschaft, Wissenschaft und Politik haben sich für die Aktion „Mein Kopf gehört mir“ zu Wort gemeldet. Hier Statements von Politikern.

DüsseldorfMehr als eine Million Kreative in Deutschland leben von den Einkünften, die ihnen ihre Texte, Lieder, Filme und Patente bringen. Denker, Tüftler und Dichter fordern im Handelsblatt: Auch künftig muss, wer immaterielle Werte schafft, entlohnt werden. Eine Gesellschaft, die ihre Kreativen vernachlässigt, beraubt sich der Zukunft.

Denken muss bezahlt werden

Wenn irgendwann jede geistige Leistung, jede kreative Schöpfung, jede originelle Idee genutzt werden darf, ohne dass deren Urheber dafür entlohnt werden, dann wird unsere Gesellschaft im Mittelmaß versinken. Wenn die Zeit vergütet wird, Schiffe mit Hämmern zu bauen, aber nicht die Zeit, Schiffe mit dem Kopf zu erdenken, werden wir traurig an den Stränden stehen und aufs Meer schauen.

TORSTEN ALBIG, SPD-Spitzenkandidat in Schleswig-Holstein

Fairer Ausgleich

Das Urheberrecht ist eine der wichtigsten Säulen der Verlags- und Pressefreiheit sowie des künstlerischen Schaffens insgesamt. Seine Grundprinzipien sollten von der Politik auch künftig verteidigt werden. In seinen Ausformungen war das Urheberrecht aber nie statisch, sondern hat sich ständig weiterentwickelt und angepasst. Dies ermöglicht einen „fairen Interessenausgleich“ im Hinblick auf das Netz, ohne dass die tragenden Prinzipien gefährdet werden.

PETER ALTMAIER, parlamentarischer Geschäftsführer der Unionsfraktion

Mein Kopf gehört mir: Statements von Künstlern

Mein Kopf gehört mir

Statements von Künstlern

Weit mehr als hundert Vertreter aus Kunst, Medien, Wirtschaft, Wissenschaft und Politik haben sich für die Aktion „Mein Kopf gehört mir“ zu Wort gemeldet. Hier Statements von Autoren und Schriftstellern.

Seit Jahrhunderten bewährt

Gedanken sind frei - das galt schon in der Antike, und die Maxime hat zu allen Zeiten Dichter und Denker dazu angeregt, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Gedanken und Ideen haben aber nur begrenzt etwas mit geistigem Eigentum zu tun. Eine Idee ist noch lange kein Kunstwerk, das Menschen genießen. Und ein Gedanke sicher noch keine Erfindung, die den medizinischen Fortschritt beflügelt oder die Umwelt schont. Erstere können und müssen frei sein. Letztere erfordern viel Arbeit und Schweiß, eine gewaltige Bündelung von Ideen und Gedanken vieler, und nicht zuletzt oft gewaltige finanzielle Investitionen. Können die Ergebnisse dieser Anstrengungen nicht vor unzulässiger Kopie geschützt werden, wird es bald schlecht um die milliardenschweren Investitionen bestellt sein, die die Wirtschaft aufbringt, um neue Produkte und Verfahren zur Verbesserung unserer allgemeinen Lebensbedingungen zu entwickeln. Wenn die Unternehmen keine Möglichkeit sehen, ihre Investitionen wieder einzuspielen - warum sollten sie dann, wie zum Beispiel Siemens, vor einigen Wochen als Innovationseuropameister vom Europäischen Patentamt ausgezeichnet, jährlich 4 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung stecken und damit zig Tausende Arbeitsplätze sichern? Sollte Europa sich von Investitionen in Innovation verabschieden, würde es sich gleichzeitig von seiner Zukunft verabschieden. Wir brauchen Rahmenbedingungen, die sicherzustellen, dass kreative Menschen ihre Kreativität zum Nutzen der Gesellschaft einsetzen. Der Schutz geistigen Eigentums ist ein solcher Mechanismus, der sich seit Jahrhunderten und rund um den Globus immer wieder bewährt hat. Ohne Zweifel müssen die Systeme auch immer wieder auf ihre Wirksamkeit, Effizienz und Angemessenheit überprüft und gegebenenfalls weiter entwickelt werden. Das Europäische Patentamt unternimmt viele Anstrengungen, das bestehende Patentsystem in Europa und weltweit fortlaufend zu verbessern - auch im Dialog mit seinen Kritikern. Wir sind der Ansicht, dass eine pauschale Verurteilung des Systems zum Schutz des geistigen Eigentums die denkbar schlechteste Lösung wäre.

BENOÎT BATTISTELLI, Präsident des Europäischen Patentamtes

Mein Kopf gehört mir: Statements aus Kulturbetrieben

Mein Kopf gehört mir

Statements aus Kulturbetrieben

Weit mehr als hundert Vertreter aus Kunst, Medien, Wirtschaft, Wissenschaft und Politik haben sich für die Aktion „Mein Kopf gehört mir“ zu Wort gemeldet. Hier Statements von Galeristen und Museumsdirektoren.

Im Kaufhaus klaut auch niemand

Dass Sie im Kaufhaus auch nicht alles mitnehmen können, sondern bezahlen müssen, ist keine Einschränkung der Freiheit. Warum sollte im Internet etwas anderes gelten? Ein junger Pianist möchte von seinem Klavierspiel leben können. Jedes System, das sich keine Regeln gibt, schafft sich irgendwann selbst ab.

HANS-PETER FRIEDRICH, Bundesinnenminister

Die Fraktionschefin der Grünen, Renate Künast. dpa

Die Fraktionschefin der Grünen, Renate Künast.

Nicht nur Repressionen

Der Status Quo des Urheberrechts ist ein einziges Ärgernis. Es schafft schon lange keinen Interessenausgleich mehr und lässt alle unzufrieden zurück. Eine Reform ist lange überfällig. Diese muss die Stellung der Urheberinnen und Urheber nachhaltig stärken und die veränderten Nutzungsmöglichkeiten angemessen berücksichtigen. Die Kreativen brauchen einen angemessenen finanziellen Ausgleich für die Nutzung ihrer Inhalte, doch die Bundesregierung lässt sie weiter im Regen stehen. Den Ankündigungen folgen keine Taten. Massen-Abmahnungen und Kriminalisierung von Nutzern, die Sperrung von Internetanschlüssen und weitere Bürgerrechtseinschränkungen sind mit uns nicht zu machen. Statt auf ein rein repressives Durchsetzungsinstrumentarium zu setzen, gilt es neue Wege zu finden. Angesichts der neuen Technologien bräuchte es jetzt auch neue Vergütungsmodelle, die dazu passen. Eine Kulturflatrate könnte eine Lösung sein.

RENATE KÜNAST, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag

Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) dpa

Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP)

Gleiche Rechte im Netz
„Kreativität ist eine individuelle Leistung, die die Menschheit zum Beispiel durch Erfindungen immer wieder voranbringt. Die neue digitale Welt ersetzt nicht die Kreativität einzelner, sondern schafft Netzwerke für Ideen in neuem Ausmaß. Wer heute im Netz Musik kauft, Flüge bucht oder skypt, nutzt Innovationen, hinter denen auch individuelle Kreativität steckt, genauso wie kommerzielle Interessen. Die Piraten blenden die wirtschaftlichen Wirkungsmechanismen in der digitalen Welt aus. Sie verstehen das Internet der frühen Neunziger als Blaupause für das Urheberrecht im21. Jahrhundert. Das Netz ist kein eigener Raum, der nach seiner eigenen Logik tickt. Die Modernisierung des Urheberrechts wird nicht mit Schlagworten gelingen. Wie kann etwa ein europäisiertes Urheberrecht aussehen, das einen fairen Interessenausgleich zwischen Kreativen, kommerziellen Anbietern und Usern eröffnet? Wie erhalte ich Anreize für Kreative in einer digitalen Welt, die zum Beispiel den Vertrieb der Musikbranche verändert hat? Diese Debatte ist heute eine Debatte in der breiten Öffentlichkeit. Fertige Antworten gibt es angesichts der Dynamik nicht. Nur eines ist klar: Es liegt auch an der Wirtschaft, Geschäftsmodelle für morgen zu entwickeln, die von vorneherein Piraterie verhindern.“

SABINE LEUTHEUSSER-SCHNARRENBERGER, (FDP), Bundesjustizministerin

Kommentare (11)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

svebes

06.04.2012, 12:05 Uhr

Armes Deutschland - da fällt den Politköpfen und deren Lobbyisten nichts mehr anderes ein. Eigenes Unvermögen und daraus reslultierende Wahlquoteneinbrüche mit derart flachen Aktionen aufhalten zu wollen. Wer nur schon an der Oberfläche kratzt sieht die Verflechtungsmuster im Hintergrund. Vom Politiker über Pseudointelektuelle über ehemals staatlich geförderte "Künstler" ( oder anders protegierte dieser Zunft ). Kunst ist Fluss und wenn ich etwas kopiere dann ist das eben schon Vergangenheit.
Ich bin mir sicher, dass eben genau die Klientel der Piraten ( das sind nicht eure mit Brot, Bildzeitung, Spielen und einfach zu durchschauenden Blendfeuer abzufindenden Wähler ) sich nur noch bestärkter darin sehen diesem ganzen Filz endlich Paroli zu bieten. Diese "Karnickel vor der Schlange Starre" alter Menschen kann ich noch nachvollziehen, aber dieses kontraproduktive, angstvolle festkrallen am Status Quo ist unter aller Würde für einen Staat mit diesen Ansprüchen in der Welt. Geht einfach schweigend nach Hause und verkriechte euch da.

Piotr

06.04.2012, 12:12 Uhr

Lächerliche Kampagne, ein Grund mehr die Orangenen zu wählen. Irgendwie verusacht diese Kampagne bei mir genau das Gegenteil von der beabsichtigten Wirkung. Jetzt wird mir so einiges klar wie das ganze hier momentan tickt.

loki

06.04.2012, 12:47 Uhr

Es fordert ja auch keiner die Abschaffung des Urheberrechts. Auch nicht die Piraten. Komisch dass die Grünen auf einmal die Meinung der Piraten adaptiert haben, hier aber trotzdem auf der Pro-Industrie Seite stehen. Da haben Sie wohl ihre “eigene“ Idee nicht richtig verstanden.

Und bin ich der Einzige der sich fragt ob Herr Rösler eigentlich nicht fähig ist längere Sätze als meine 6jährige Cousine zu bilden?

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×