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06.04.2012

11:08 Uhr

Mein Kopf gehört mir

Statements aus Medienunternehmen

Weit mehr als hundert Vertreter aus Kunst, Medien, Wirtschaft, Wissenschaft und Politik haben sich für die Aktion „Mein Kopf gehört mir“ zu Wort gemeldet. Hier Statements von Journalisten und Medienbetrieben.

DüsseldorfMehr als eine Million Kreative in Deutschland leben von den Einkünften, die ihnen ihre Texte, Lieder, Filme und Patente bringen. Denker, Tüftler und Dichter fordern im Handelsblatt: Auch künftig muss, wer immaterielle Werte schafft, entlohnt werden. Eine Gesellschaft, die ihre Kreativen vernachlässigt, beraubt sich der Zukunft.

Piraterie im Netz eindämmen

Die Sozialisierung geistigen Eigentums ist ein Irrweg. Keiner nimmt sich im Laden einfach eine DVD oder ein Buch aus dem Regal, ohne zu bezahlen. Warum sollte das anders sein, nur weil Texte, Musik oder Filme heute digital verfügbar sind? Ich bezahle ja nicht für die Scheibe, auf die ein Film gepresst ist, sondern für die kreative Leistung, die dahinter- steht. Das Gleiche gilt für TV-Inhalte: Shows, Serien und Filme sind geistiges Eigentum von Kreativen und Unternehmen. Sie müssen das Recht haben, ihre Werke wirtschaftlich auszuwerten. Wir brauchen ein starkes Urheberrecht, das den Wert geistiger Arbeit respektiert und die Piraterie im Netz eindämmt.

CONRAD ALBERT, Vorstand von Pro Sieben Sat1

Mein Kopf gehört mir: Über 160 Statements zum Urheberrecht

Mein Kopf gehört mir

Über 160 Statements zum Urheberrecht

Mehr als 160 Vertreter aus Kunst, Medien, Wirtschaft, Wissenschaft und Politik haben sich für die Aktion „Mein Kopf gehört mir“ zu Wort gemeldet. Hier eine Übersicht über die Statements.

Neue Wirklichkeit

Der Konsum von medialen Inhalten hat sich verändert. Natürlich brauchen wir ein Urheberrecht, aber eines, das an die neue Wirklichkeit angepasst ist. So wie man Verkehrsregeln des letzten Jahrtausends für Kutschen nicht auf den heutigen Straßenverkehr anwenden kann.

UTE BIERNAT, Geschäftsführerin Grundy Light Entertainment

Gesicherter Rechtsrahmen

Wir müssen einer Mentalität entgegentreten, nach der es sich im Internet um einen nahezu rechtsfreien Raum handelt. Und so wie ein Konsument schon früher in der Offline-Welt zum Eigengebrauch zum Beispiel Musikstücke erwerben und diese dann natürlich auf einer Party einsetzen und anderen vorspielen konnte, so wenig durfte er auch schon früher damit dann kommerzielle Partys veranstalten und unter Ausnutzung fremder Rechte sein Geschäftsmodell etablieren. Genau darum, um nicht mehr und nicht weniger, geht es auch beim Leistungsschutzrecht für Verlage. Es geht auch darum, für die digitale Transformation unserer Geschäfte einen gesicherten Rechtsrahmen zu haben.

BERND BUCHHOLZ, Vorstandsvorsitzender Gruner & Jahr

Einfach dreist!

Die Position der Piraten zur sogenannten fairen Nutzung von Werken im Internet mag demoskopisch schlau kalkuliert sein; immerhin findet sie viele Anhänger. Dass diese Partei dann gleich noch den Begriff der „Fairness“ kapert und exklusiv für die Werknutzer reklamiert, zeigt mir, welche Haltung hier Programm wurde: Dreistigkeit. Der Respekt vor kreativen und kulturellen Leistungen würde Schaden nehmen.

TORSTEN CASIMIR, Chefredakteur des „Börsenblatts“

Mein Kopf gehört mir: Statements von Künstlern

Mein Kopf gehört mir

Statements von Künstlern

Weit mehr als hundert Vertreter aus Kunst, Medien, Wirtschaft, Wissenschaft und Politik haben sich für die Aktion „Mein Kopf gehört mir“ zu Wort gemeldet. Hier Statements von Autoren und Schriftstellern.

Informationsfreiheit gehört geschützt

Urheberrechte sind extrem wichtig für das Gedeihen von Kreativität. Das Urheberrecht hat Schriftstellern, Künstlern, Wissenschaftlern, Erfindern und der gesamten Gesellschaft sehr gut gedient. Es ist flexibel, lässt die Verbreitung von Informationen zu und schützt gleichzeitig diejenigen, die diese Informationen kreiiert haben. Wer meint, das Urheberrecht gehört abgeschafft, sollte sich daran erinnern, das die Geschichte folgendes gezeigt hat: Dort, wo Informationen nicht durch Urheberrechte geschützt waren, gab es kaum Informationsfreiheit.

RICHARD CHARKIN, Vorstand Bloomsbury Publishing

Kommentare (2)

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-gh

06.04.2012, 22:13 Uhr

Die Debatte zwischen "free and open source" ist eine Debatte rund um die Gesellschaft, in der wir langfristig leben wollen - und nicht vorwiegend eine Debatte um Urheberrechte. Es geht um die Frage von freiem Saatgut, die Patentierbarkeit von Lebewesen - und letztlich auch Menschen, den freien Zugang zu Medikamenten (wer erinnert sich nicht an Südafrika und Indien, denen die Pharmakonzerne die Produktion von Generika untersagten und damit Menscheleben bedrohten) und ähnliche Themen - nicht darum, ob der nächste Kommerzhit nicht nur 10 Mal auf unterschiedlichen Ebenen verwertet wird, sondern auch von ein paar Kids heruntergeladen wird.

Im Namen des "Schutzes der Autoren" werden so schon seit Jahren Gesetze erlassen und Entscheidungen getroffen, die die rechtsstaatliche Balance massiv gefährden.

Schutzrechte sollen Autoren (ich sage bewußt nicht Rechteverwertern) ermöglichen, von ihrer Arbeit zumindest teilweise zu leben. Hier muß der Schutz gewährleistet sein. Das Urheberrecht gewährt in diesem Sinn sowieso schon weitaus mehr Rechte - bis zu 70 bzw. 90 Jahre NACH dem Tod des Autors.

Wenn wir die Urheberrechte konsequent umsetzen, dürften wir auch nicht Kafka in der Schule lesen. Er selber wollte, daß sie verbrannt werden - und so hätten sie nie in die Public Domain kommen können - ein Schicksal, daß insbesondere kopiergeschützte Werke in Zukunft erleiden werden. Damit nützen "harte Regelungen" aufbauend auf einem Eigentums- und Rechtsverständnis, daß nicht an die digitale Realität angepasst ist, niemanden, weil sie ins Leere greifen.

So kann ich auch nur darauf hinweisen, dass jeder kleine "Sieg" zu strengeren Kontrollen und Regelungen so große Kollateralschäden mit sich bringt. Gerade die kleinen und mittleren Unternehmer werden so für Gesetze streiten, die multinationale Konzerne gegen sie so ausnutzen werden - und die ihre Existenz weit mehr bedrohen als eine Einigung und ein Dialog mit den Downloadern.

-gh

Otto_Zickel

22.04.2012, 10:54 Uhr

Wie viele Piraten leben von Softwareentwicklung? Wie viele plädieren tatsächlich für eine kostenlose Freigabe ihrer Produkte? Die Open Source Bewegung ist ja nur eine kleine Facette der weltweiten Softwareentwicklung.
Müssten damit nicht alle Piraten für eine autorengerechte Veränderung des Urheberrechtes und eine Veränderung der tatsächlichen Geldströme plädieren?
bd

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